Das ehemalige Industrieareal der Firma Oederlin soll sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt zu einem Stück Stadt verwandeln. Das riesige Areal beim Bäderquartier befindet sich zwar auf Obersiggenthaler Boden, aber nur 15 Gehminuten vom Bahnhof Baden entfernt.

Die Verantwortlichen des Projekts sprechen denn auch von einem metropolitanen Quartier, das hier entstehen soll. Erste Etappe im Transformationsprozess ist der Bau von Wohnungen und Häusern im westlichen Teil des Areals gegen Rieden.

Diese Woche präsentierten die Verantwortlichen das siegreiche Architekturprojekt «Zackenbarsch» der Schoop Architekten aus Baden: Bis 2018 werden direkt an der Limmat 110 Wohneinheiten und mehrere Stadtvillen gebaut. Investitionssumme: rund 100 Millionen Franken. Und das ist erst der Anfang.

Viermal so gross wie Botta-Bad

In den Jahren danach sollen vier weitere Arealteile in ein metropolitanes Quartier verwandelt werden. Ein Zahlenvergleich lässt die Dimensionen erahnen: Die bebaubare Arealfläche beträgt 27 000 Quadratmeter. Das Botta-Thermalbad, das auf der gegenüberliegenden Flussseite gebaut wird, hätte darauf vier Mal Platz.

Das sind die Pläne: Neben dem Wohnquartier, das auf den Visualisierungen zu sehen ist, sind in der Oederlin-Arealmitte mittelfristig der Bau eines Hotels und Longstay-Appartment vorgesehen, zudem soll dort Platz für die «Kreativitätsindustrie und kulturelle Angebote, Lifestyle und Freizeit» geschaffen werden.

Im Osten des Areals sind Gebäude für urbanes Arbeiten vorgesehen. Hinzu kommt der Mättelisteg, der das Oederlin-Areal mit Baden verbinden wird.

Hinter dem Gross-Projekt steht Thomas Schmid, Geschäftsführer der Oederlin AG. Er hat die Geschäftsleitung 1998 von seinem Vater übernommen. Schmid ist bis auf Uhren, die er an beiden Handgelenken trägt, unauffällig gekleidet, und er spricht wenig, aber seine Sätze bleiben in Erinnerung: Er sei ein krankhafter Optimist, das Projekt werde zu hundert Prozent realisiert, sagt er.

Projektleiter Andreas Wirth sagt über ihn: «Thomas Schmid hat uns alle mit seinem Geist angesteckt, mit seinem unerschütterlichen Glauben und seiner Zielstrebigkeit.»

Er sei schon als Kind durch das Industriequartier gerannt, habe hier gespielt, erzählt Schmid. «Das Areal hat einen eigenen Charakter, es ist eine Arbeits- und Kulturbegegnungsstätte.»

Dieser Charakter soll auch in Zukunft beibehalten werden, und auch für Künstler soll es künftig «unbedingt Platz haben», versichert Schmid. Im Gegensatz zu früheren Plänen, als das gesamte Areal zugunsten von Neubauten dem Erdboden gleichgemacht werden sollte, werden die historischen Gebäude auf dem Oederlin-Areal bestehen bleiben und integriert.

1858 bauten die Brüder Karl und Friedrich Oederlin hier ihre Metallwaren-Fabrik. Sie wuchs schnell und zählte vor hundert Jahren rund 400 Mitarbeiter. In der Blütezeit entstanden die Gebäude, die das Areal heute noch prägen: etwa die Fabrikhallen für die Giesserei, Gussputzerei und Dreherei.

Rund hundert Mieter – Architekten, Handwerker, Künstler – beleben das Oederlin-Areal derzeit.

«Ein Traum, hier zu bauen»

Eine Herausforderung für das Projektteam sind die Altlasten: 10 Millionen Franken kostet es, das Areal davon zu befreien und durch eine Unterführung zu erschliessen. Finanziert werden soll die Altlastensanierung durch den Verkauf der Wohnungen und Stadtvillen.

Der Badener Architekt Emanuel Schoop zeigt sich begeistert, den Wettbewerb gewonnen zu haben: «Es ist der Traum jedes Architekten, einmal etwas am Wasser zu planen und zu bauen.»

Bis die Bagger auffahren dürfen, müssen aber noch planungsrechtliche Hürden genommen werden. Eine Teilzonenplanänderung sowie ein Sondernutzungsplan über das gesamte Areal müssen noch abgesegnet werden.

Dieter Martin, Gemeindeammann von Obersiggenthal, sprach bereits letzten Herbst von einem sehr professionellen Projekt. «Es hat für Obersiggenthal einen grossen Stellenwert. Hier kann innere Verdichtung möglich werden.»

Die Trägerschaft bilden zusammen mit der Oederlin-West Immobilien AG sieben Investoren. Sie werden sich darum konkurrenzieren, das Projekt realisieren zu dürfen. Der Sieger bezahlt die restlichen Realisierungsträger danach aus.