Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) haben mit der Auslagerung ihrer IT-Infrastruktur aus dem Axpo-Verbund, in dem verschiedene Schweizer Energiedienstleister zusammengeschlossen sind, die Badener Firma Avectris beauftragt.

Avectris entstand 2015 aus der ehemaligen Axpo-Informatik und gehört nach wie vor dem Stromkonzern. Die Investition der EKZ in der Höhe von über 41 Millionen Franken umfasst einmalige Ausgaben im Umfang von knapp fünf Millionen Franken und Betriebskosten während dreier Jahre von rund 36,5 Millionen Franken. Der Vertrag enthält zudem eine Klausel, die ermöglicht, den Auftrag um zwei weitere Jahre zu verlängern. Dies machte das Online-Nachrichtenportal «inside-channels» publik.

Freihändige Vergabe

Wie Simap, dem Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, zu entnehmen ist, wurde der Auftrag an die Firma Avectris freihändig vergeben. Das heisst: Es fand keine öffentliche Ausschreibung statt. Gemäss kantonalem Handbuch für Vergabestellen ist die freihändige Vergabe von Aufträgen eine von vier Verfahrensarten. In der Regel ist eine freihändige Vergabe bei Dienstleistungen nur bis zu einem Betrag von 150'000 Franken möglich. Eine gesetzliche Ausnahme sieht aber die freie Auftragsvergabe auch bei hohen Summen vor, wenn aus technischen Gründen nur ein Anbieter infrage kommt. Genau so begründen die EKZ die Auftragsvergabe auf der Simap-Plattform: «Aufgrund der erhöhten Sicherheitsanforderungen im Verbund und deren Komplexität durch zahlreiche Schnittstellen und Abhängigkeiten kann die Herauslösung sowie der Aufbau eines neuen IT-Systems nur durch den bestehenden Dienstleister Avectris selbst durchgeführt werden.»

Komplexe Infrastrukturen

Als komplexe Infrastrukturen gelten laut EKZ-Sprecher Noël Graber Atomkraftwerke oder auch Übertragungsnetze. Zudem würden mehrere Gutachten bestätigen, dass für die Herauslösung des IT-Systems lediglich die Firma Avectris infrage komme: «IT-Aufträge konnten die EKZ in der Vergangenheit immer direkt an Avectris, die aus der früheren Axpo-Informatik hervorgegangen ist, vergeben. Damit war Avectris seit 2001 exklusiver Dienstleister ihrer Teilhaber», so Graber weiter. Avectris beschäftigt in Baden heute rund 200 Angestellte.

«Schnell und unabhängig»

Weil mit der Umwandlung von der Axpo-Informatik in die Firma Avectris auch Kunden am Drittmarkt bedient würden, habe sich die Art der Auftragsvergabe verändert. «Aus Sicherheitsgründen kann dieser Auftrag nicht an einen Drittanbieter übertragen werden», so Graber weiter. Mit der 2018 beginnenden Entflechtung würden IT-Dienstleistungen und Datenbestände in eine neues IT-System der EKZ übertragen.

Die Gründe dafür sind marktwirtschaftlicher Natur: «Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Elektrizitätsversorgungsunternehmen und privaten Firmen. Um im sich schnell wandelnden Energiemarkt weiterhin zu bestehen, müssen IT-Entscheidungen schnell und unabhängig getroffen werden können», sagt Graber.