Swissness-Gesetz
Mike Müllers «Bestatter»-Bier bleibt «Made in Switzerland»

Bier, das aus Leitungswasser hergestellt wird, wird auch mit den künftigen Swissness-Vorschriften als heimisches Gebräu verkauft werden. Bei den regionalen Brauereien zeigt man sich erleichtert.

Daniel Vizentini
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Beim «Bestatter» gehört das Bier der Wettinger Lägerebräu zum Inventar (siehe Flasche auf dem Nachttisch).SRF/Sava Hlavacek

Beim «Bestatter» gehört das Bier der Wettinger Lägerebräu zum Inventar (siehe Flasche auf dem Nachttisch).SRF/Sava Hlavacek

Sava Hlavacek

Die Swissness-Gesetzesvorlage, wonach die mit Leitungswasser gebrauten Biere nicht mehr als «Made in Switzerland» gelten dürfen (siehe Box), hat keiner der beiden Bierbrauer der Region wirklich in Angst versetzt.

Dass das Bundesamt für Landwirtschaft nun auch das Schweizer Leitungswasser beim Bierbrauen als «wesensbestimmend» und genug schweizerisch anerkennt, überrascht Felix Meier, Geschäftsführer der Badener Brauerei Müller, nicht. «Ich habe in dieser Sache stets an den gesunden Menschenverstand geglaubt», sagt er. Erleichtert sei er aber dennoch.

Zwar hätte die Swissness-Vorlage nur das «Pale Ale»-Bier der Müllerbräu betroffen, das sie als «Swiss premium beer» vermarkten. Dennoch habe sich die Müllerbräu über die Schweizerische Braumeistervereinigung stark für eine Änderung der Vorlage eingesetzt, sagt Felix Meier.

Marco Wipfli, Geschäftsleiter der Lägerebräu, verweist ebenfalls auf die Lobby-Arbeit der Braumeistervereinigung und der IG unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien.

Swissness-Gesetz: Leitungswasser gilt bei Bier nun doch als schweizerisch

Für die Herstellung von Bier benötigt eine Brauerei Wasser, Malz und Hopfen. Letztere zwei Rohstoffe werden in der Schweiz so gut wie gar nicht angebaut oder verarbeitet und müssen deshalb importiert werden. Somit bleibt nur das Wasser als Schweizer Rohstoff. In der Swissness-Verordnung, die 2013 vom Parlament abgesegnet wurde, heiss es, dass Produzenten nur Quell- oder Mineralwasser verwenden dürfen, wenn sie mit der Schweizer Herkunft werben wollen. Das trifft Brauereien, welche für ihr Bier Trinkwasser aus der normalen Wasserleitung beziehen. 90 Prozent von Bier ist Wasser. Um für sein Produkt mit dem Schweizer Kreuz zu werben, müssen 80 Prozent der Zutaten in der Schweiz bezogen werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat das Problem erkannt und eine Lösung erarbeitet. Der Bundesrat wird Ende Jahr darüber entscheiden.

Wäre die Gesetzesvorlage für die Bierproduzenten nicht bezüglich Wasser angepasst worden, hätten Lokalbiere wie Appenzeller, Einsiedler – und eben Lägerebräu – ihre Namen mit Lokalbezug nicht mehr tragen dürfen.

«Das wäre für uns ein grosser Schaden gewesen», sagt er. «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Vorlage wirklich so umgesetzt würde.»

Die Lägerebräu verwendet für ihre Biere Hopfen aus dem zürcherischen Stammheim, Malz aus Deutschland und Leitungswasser aus Wettingen. Nicht zuletzt dank dem Namen mit Lokalbezug konnte das Bier im Raum Zürich immer bekannter werden. Der letzte Coup gelang der Lägerebräu mit dem Sponsoring und der entsprechenden Produktplatzierung in der SRF-Serie «Der Bestatter».

Seit Beginn der Sendung vor zwei Jahren gehören Lägerebräu-Produkte auf dem Filmset bei Mike Müller und Co. zum Inventar. «Es ist unser grösstes Werbeengagement. Für eine kleine Brauerei wie die unsere bedeutet das viel», sagt Marco Wipfli.

Die Rückmeldungen seien positiv, nicht zuletzt dank Aktionen in sozialen Medien: Wer zum Beispiel ein Screenshot von einer «Bestatter»-Sendung mit einem Lägerebräu-Bier auf die Facebook-Seite der Lägerebräu stellt, erhält ein 8er-Pack Bier geschenkt.

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