Was hat Cézannes «Château Noir» mit alten Weinregalen zu tun? Warum liegen vor Monets Bild «Eisschollen im Dämmerlicht» mehrere gebrauchte, gelbe Schaumstoffplatten auf dem Boden und daneben eine grosse, weisse Tiefkühltruhe – noch mit der Bemerkung versehen, dass sie in Betrieb ist?

Meisterwerke neben banalen, ja gar hässlichen Alltagsgegenständen des Museums präsentieren: Auf den ersten Blick befremdet die neue Ausstellung «Seitensprünge» des Badener Museums Langmatt die Besucher mit dieser Idee. Erfährt man aber, was für Gedanken dahinter stecken, beginnt alles Sinn zu machen.

Die vergitterten Weinregale etwa passen optisch zu Cézannes Bild mit den verästelten Bäumen. Im Raum nebenan sieht man eine alte, eiserne Balustrade mit schlichten, spitzen Bögen, die der Architektur von Sisleys abgebildeter «Kirche von Moret» ähneln.

In einem anderen Raum stehen neben Pissarros «Herbst in Eragny» – ein Bild voller kleiner Farbtupfer – zwei Malerböcke und ein Gestell mit Farbbehältern, als würde man die Besuchenden dazu einladen wollen, das Werk mit weiteren Tupfern zu ergänzen.

Ist das respektlos?

Es ist das Ziel der Ausstellung, die elitäre Wahrnehmung von Kunst kritisch zu beleuchten. «Woher kommt es, dass impressionistische Werke immer auf dem silbernen Tablett präsentiert werden, waren diese doch damals, als sie gemalt wurden, völlig verpönt», sagte Museumsdirektor Markus Stegmann in seiner Ansprache an der Vernissage am Samstag – ironischerweise gleich vor den berühmten und sündhaft teuren Bildern Renoirs im grossen Saal der Langmatt.

Vielfach werde nur auf das Etikett eines Bilds geschaut. Stehe da etwa «Monet» drauf, dann sei es automatisch ein Meisterwerk, Millionen von Franken wert und man getraue sich gar nicht, das Bild zu hinterfragen. Stegmann bestand also darauf, für die neue Ausstellung die Umgebung der Bilder zu ändern und damit für Überraschung, Irritation und Humor zu sorgen.

Auf Anfrage bestätigte er denn auch, diese Ausstellung sei die gewagteste seiner ganzen internationalen Karriere als Museumsdirektor. «Viele werden sich fragen, ob es nicht respektlos ist, Meisterwerke so zu präsentieren», sagte er.

«Doch für einen Perspektivenwechsel braucht es ein Rütteln und wenn man nichts riskiert, stirbt ein Museum.» Der Humor sorge dabei für eine spielerische Leichtigkeit in der Wahrnehmung. «Nicht alle Paarungen werden Ihnen passen, aber sicher einige», sagte er dem Publikum.

Zuerst Empörung, dann Humor

Das Vorhaben Stegmanns funktioniert: Läuft man zu Beginn noch fast empört durch die Räume der Ausstellung im Obergeschoss der Villa Langmatt, nimmt man sie zusehends mit Humor und spaziert gegen Schluss nur noch mit einem Schmunzeln im Gesicht durch die Gänge.

Es seien bewusst keine historisch wertvollen Gegenstände aufgestellt worden, sondern simple Alltagsobjekte aus dem Keller des Museums. «Die Bilder und die Objekte aus dem Keller wohnen seit einhundert Jahren im selben Haus, haben sich aber alle noch nie gesehen.»

Dass die Ausstellung funktioniert, heisst aber natürlich nicht, dass man alles darin gut finden muss. Je nach Geschmack mutet sie dann doch ein wenig zu minimalistisch an und die Verbindung der Gegenstände zu den Werken scheint etwas zu offensichtlich. Man hätte vielleicht noch mehr wagen dürfen.

Das Echo der Besuchenden lautete auch erwartungsgemäss unterschiedlich. «Also, ohne Erklärung hätte ich es nicht so toll gefunden», hörte man eine Besucherin zum Beispiel sagen. Ein Besucher hingegen zeigte sich hellauf begeistert und schlug gleich vor, das Ganze umzukehren und die Bilder nächstes Mal im Keller auszustellen.

Ausstellung «Seitensprünge – Impressionismus ohne Sockel», bis am 13. Mai im Museum Langmatt in Baden.