Spätestens seit letztem Herbst ist bekannt, dass die sozialen Dienste in Wettingen überfordert sind: In der Abteilung herrscht nicht nur Personalmangel. Die Mitarbeitenden haben auch zu wenig Zeit, die einzelnen Fälle zu bearbeiten. Ausserdem kam es in der Verwaltungsabteilung zu zahlreichen Wechseln, was zusätzlich Unruhe verursachte. Der Einwohnerrat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend nun beschlossen, den Bestand der sozialen Dienste ab 1. Oktober um 4,95 Stellen zu erhöhen – von 12,4 auf neu 17,35.

«Die sozialen Dienste kämpfen seit einigen Jahren mit gravierenden Problemen», sagte François Chapuis (CVP), Vertreter der Finanzkommission. Der in Auftrag gegebene externe Bericht habe 42 Massnahmen empfohlen und die Mängel «schonungslos aufgezeigt». Damit nahm Cha- puis Bezug auf die Analyse, welche die damalige Ressortvorsteherin Yvonne Feri im letzten Jahr vorgenommen hatte, um die Schwierigkeiten zu lösen, die durch ein Führungsvakuum und mehrere Abgänge entstanden sind. «Für die Fiko ist es unbestritten, dass grosser Handlungsbedarf besteht», sagte Chapuis. Man sei aber der Meinung, dass der Gemeinderat mit einer zu pessimistischen Fall-Entwicklung gerechnet habe. Die Fiko stellte deshalb den Antrag, dass der Stellenplan ab 1. Oktober um 395 Stellenprozente aufgestockt wird sowie zusätzliche 100 Stellenprozente befristet bis 2019 bewilligt werden.

Wertschätzung entgegenbringen

Während sich die GLP hinter den Antrag der Fiko stellte, ging dieser der SVP zu weit: Sie beantragte, die befristeten 100 Prozent zu streichen. «Bevor wir über eine weitere Aufstockung befinden, ist abzuwarten, was die zusätzlichen 3,95 Stellen bewirken», sagte Roger Scherer, Vizepräsident der Ortspartei. Damit nicht einverstanden war Christian Oberholzer (SP): «Es ist wichtig, zuerst Stabilität in die sozialen Dienste zu bringen und nicht bereits über Streichungen zu reden.» Man spreche sich für den Antrag des Gemeinderats aus.

Die Bürgerlichen sahen es gleich. «Es ist höchste Zeit, dass wir den sozialen Diensten die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen und Wertschätzung entgegenbringen», sagte Christian Pauli (FDP). Denn jeder Personalwechsel bedeute ein Verlust von Know-how und verursache Kosten. Sandro Sozzi sagte, die CVP sei gewillt, die sozialen Dienste aus dem Sumpf zu ziehen. «Doch wir sind auch überzeugt, dass es alleine mit der Stellenaufstockung nicht getan ist.» Man müsse die Führung stärken und ihr klare Vorgaben machen sowie die verbreiteten tiefen Teilzeitstellen, wo möglich, beseitigen. Bei der folgenden Abstimmung zog der Einwohnerrat schliesslich den Antrag des Gemeinderats vor und genehmigte grossmehrheitlich die Aufstockung um 4,95 Stellen.

Anders sah es mit dessen Antrag aus, den Personalbestand ab 1. Januar 2019 um zusätzliche 0,73 Stellen aufzustocken: Bei der Abstimmung folgte der Einwohnerrat dem Antrag der Fiko, bis Ende April 2019 Bericht zu liefern, inwieweit sich die Massnahmen zur Sanierung der sozialen Dienste auswirken.

Der Einwohnerrat bewilligte zudem Nachtragskredite für Personalaufwand, IT-Arbeitsplätze und Mobiliar von 112 500 Franken. Im Weiteren nahm er vom Informations- und Kommunikationstechnologie-Konzept 2018–2022 der Schule Wettingen Kenntnis. Dieses soll unter anderem die Kompetenzen der Schüler fördern, damit sie sich in einer von digitalen Medien durchdrungenen Gesellschaft zurechtfinden. Dafür investiert die Schule in den kommenden fünf Jahren 1,57 Millionen Franken in die Informatik-Infrastruktur.