Einmal viel Geld zu haben, davon träumt wohl fast jeder Mensch. Dass Geld aber auch Probleme mit sich bringt, vergisst man nur zu gerne. Vor allem, wenn Gier ins Spiel kommt, wird es nicht mehr lustig – oder eben doch, so jedenfalls im Theaterstück «Bittermandle und Pistole», das der Dramatische Verein Untersiggenthal an diesen Tagen aufführt.

Septimus Graber, Familienherr einer wohlhabenden Familie, ist offenbar unter eigenartigen Umständen verstorben. Nun geht es um das, was seine Nachkömmlinge wirklich zu interessieren scheint: nämlich um sein Erbe. Acht Millionen Franken sollen es sein, von denen die Hälfte spurlos verschwunden ist. Das sagt jedenfalls der Familienanwalt. Gemäss Testament soll zudem ein beachtlicher Teil an die Schriftstellerin Frieda Freudenberger gehen, von der der Verstorbene anscheinend ein grosser Fan war. In der Familie kennt sie aber niemand.

Als sie auftaucht und dann noch sagt, sie wolle das Geld für wohltätige Zwecke spenden, verlieren die sechs Erbgeschwistern die Geduld: Es könne doch nicht sein, dass eine Unbekannte das halbe Erbe erhält und dieses dann nicht mal eigennützig braucht. Im Haus tummeln sich zudem eine Krankenschwester und zwei Hausangestellte herum, die am eigentlichen Tod des Familienherrn zweifeln. Man habe zwar einen Sarg gesehen, aber nicht dessen Inhalt, mahnen sie.

Komödie mit kriminellem Touch

So entsteht ein chaotisches, bitter-lustiges Stück, bei dem immer etwas los ist auf der Bühne. Eine Handlung überschlägt die andere, die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen und man ahnt wirklich bis zuletzt nicht, wie sie ausgeht. Eines vorweg: Es wird mit dem vermeintlichen Ableben des Familienherrn nicht beim einzigen Todesfall bleiben. Es ist aber überhaupt kein schweres oder trauriges Stück, sondern eine reine Komödie mit etwas kriminellem Touch.

Hervorzuheben ist neben dem Einsatz der elf Schauspielerinnen und Schauspieler aus Untersiggenthal und Umgebung vor allem die detailreiche, durchdachte und mit sichtlich grosser Hingabe eingerichtete Kulisse. Schon als der Vorhang aufging und noch niemand auf der Bühne stand, war es das Bühnenbild an sich, das den ersten grossen Applaus bekam. Auch in gute Kostüme wurde viel investiert.

Führung hinter die Kulisse

Interessierte konnten sich nach der Aufführung die Bühne von Nahem anschauen gehen. Aufmerksam führte Franz Umbricht hinter die Kulisse und erklärte, wie die Grundelemente dafür schon vor 30 Jahren gebaut wurden und jeweils mit viel Liebe zum Detail an die Stücke angepasst werden. Franz Umbricht ist seit 50 Jahren im Verein mit dabei, spielte früher selber mit und war an den letzten Aufführungen für den Bühnenbau zuständig. Die Vintage-Möbel, die eigens für das Stück übers Internet ersteigert wurden, sollen nach der Derniere günstig verkauft werden. Nach drei Aufführungen wird «Bittermandle und Pistole» dieses Wochenende weitere zwei Male gezeigt.

Nachdem letztes Jahr die Mehrzweckhalle wegen Holzwürmern geschlossen blieb, steht nun wieder eine grosse Produktion auf der Bühne. Regie führt zum dritten Jahr in Folge Katrin Janser Fors. An mehreren runden Tischen wird das Publikum während des Theaters bewirtet mit Fleisch- und Käse-Platten, Eintopf oder Würsten. Auch Siggenthaler Wein fehlt nicht.

Theater «Bittermandle und Pistole», 25./26.1., 20 Uhr, MZH Untersiggenthal