Baden

«Madame Red»: Selbstständigkeit ist einer der besten Entscheide in ihrem Leben gewesen

Rot ist ihre Lieblingsfarbe: Ayse Turhan in ihrer Damenmodeboutique an der Rathausgasse.

Rot ist ihre Lieblingsfarbe: Ayse Turhan in ihrer Damenmodeboutique an der Rathausgasse.

Sie brauchte eine Schippe Mut. Getan hat sie es trotzdem: Ayse Turhan hat sich in Baden den Traum vom eigenen Laden erfüllt und ist jetzt in ein Altstadthaus in der Rathausgasse umgezogen.

Der Detailhandel ist im Wandel. Das ist auch in der Badener Innenstadt spürbar. Läden verschwinden, neue eröffnen, oder die leerstehenden Lokale werden als temporäre «Pop-up-Stores» genutzt. Es braucht Mut, in Zeiten des wachsenden ­Onlinehandels ein Fachgeschäft in der Innenstadt zu eröffnen.

Eine, die diesen Mut hatte, ist Ayse Turhan. Die 38-jährige Unternehmerin hat vor zwei Jahren die Damenmodeboutique «Madame Red» am Gstühlplatz aufgebaut. «Ich brauchte schon eine grosse Portion Mut, aber ich hatte stets auch das Glück auf meiner Seite. Von dem Moment, in dem ich mich für einen eigenen Laden entschieden habe, lief es wie eine Laufmasche», sagt sie und lacht.

Mode wurde ihr in die Wiege gelegt

«Mein Vater war Herrenschneider in Ankara, meine Mutter näht ebenfalls gut und gerne», erzählt Ayse Turhan, die in Fahrwangen aufgewachsen ist. «Mir wurde die Mode in die Wiege gelegt.» Trotzdem hat sie zuerst einen anderen Weg eingeschlagen.

Sie hat eine kaufmännische Ausbildung bei Sprüngli Druck in Villmergen gemacht, anschliessend zehn Jahre im Plakatdruck gearbeitet und danach in die Personalberatung gewechselt. «Mir war immer klar, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten und mich eines Tages selbstständig machen möchte», sagt Turhan.

«Ich habe mich sofort in diesen Laden verliebt»

Vor einem Monat ist sie mit ihrem Laden an die Rathausgasse gezügelt. In das schmale Haus an der Rathausgasse 16, wo früher die Familie Kovats im «Kovats zum scharfen Aug» Brillen und Linsen verkaufte.

Die Cousins Gabor und Manuel Kovats haben sich letztes Jahr zusammengetan und an der Weiten Gasse ein neues Geschäft eröffnet. Das Haus an der Rathausgasse gehört Manuels Vater Imre Kovats, er hat es nach dem Umzug an die Weite Gasse sanieren lassen und für den Laden eine Nachfolge gesucht.

«Ich habe mich sofort in diesen Laden verliebt, als ich ihn besichtigt habe», sagt Turhan. «Es war während des Umbaus staubig und dunkel. Aber ich wusste sofort, hier möchte ich meinen Laden einrichten.»

Obwohl das Altstadthaus sehr schmal ist, wirkt die Verkaufsfläche jetzt grosszügig und hell. Alte Holzbalken zieren die Decke, im hinteren Teil des Ladens steht ein Stück der Badener Stadtmauer aus dem Spätmittelalter. Hier hat Turhan eine kleine Kaffee-Ecke eingerichtet, von der man auf die ruhige Zwingelhofgasse blickt.

Rot als Lieblingsfarbe

Im vorderen Teil des Ladens sieht man auf die Rathausgasse und den Roten Turm vis-à-vis. «Es ist eine sehr abwechslungsreiche Gasse», sagt sie. «Ich arbeite seit zehn Jahren in Baden und fühle mich sehr wohl hier in der Altstadt. Überhaupt: Ich liebe Baden.»

Und wie kam es zum Namen «Madame Red»? «Rot ist meine Lieblingsfarbe. Es ist eine sehr vielfältige Farbe, die ich selbst gerne trage und auch gerne in der Kollektion führe», sagt Ayse Turhan. «Als ich vor der Eröffnung meines Ladens zum x-ten Mal etwas Rotes kaufte, sagte ich zu meiner Schwester: Ich bin einfach Madame Red. Da war der Name klar», sagt sie und lacht wieder.

Ayse Turhan sucht alle ihre Kleider selbst aus und reist dafür vier bis fünf Mal im Jahr in die Heimat ihrer Familie, in die ­Türkei. Sie kauft nur, was sie auch selbst tragen würde und achtet auf eine hochwertige Qualität, die dennoch bezahlbar ist.

Älteste Kundin ist 89 Jahre alt

Die Schneidereien, in denen sie einkauft, sind keine grossen Fabriken, sondern kleinere Unternehmen, die sie gut kennt, die zu fairen Bedingungen produzieren und bei denen sie sicher ist, dass die Qualität stimmt, wie sie sagt. «Türkische Schneiderein sind der Mode oft einen Schritt voraus. Sie sind etwas mutiger in den Farben, oder etwas verspielter. Es macht viel Freude, die Mode vor Ort auszusuchen.»

Ihre Mode sei sportlich-elegant und immer gut mit anderen Stücken kombinierbar, erklärt sie. Das kommt bei der wachsenden Stammkundschaft gut an: «Meine älteste Kundin ist 89, meine jüngste um die 20. Ich möchte Mode anbieten, die man in jedem Alter tragen kann.»

Sie ist guter Dinge, dass der Standort an der Rathausgasse mehr Laufkundschaft und eine grössere Aufmerksamkeit bringt als am Gstühlplatz. «Viele Kundinnen wollen nicht einfach online bestellen, sondern schätzen eine persönliche Beratung und eine schöne Atmosphäre im Laden sehr.»

In kurzer Zeit alles von der Pike auf gelernt

Ayse Turhan musste in der Modebranche in kurzer Zeit alles von der Pike auf lernen. Aber der Aufwand habe sich gelohnt. «Es gab Momente, in denen ich gehadert habe, und ich musste viel «chrampfen». Aber meine Familie unterstützte mich immer dabei, das gab mir Mut.»

Die Selbstständigkeit sei einer der besten Entscheide in ihrem Leben gewesen, sagt sie. Und: «Wenn man das, was man macht, liebt, gibt es einem auch eine enorme Kraft.»

Für die Zukunft hat sie schon neue Geschäftsideen. Jetzt will sich Ayse Turhan aber zuerst einmal mit ihrem neuen Laden etablieren und richtig in der ­Rathausgasse ankommen.

«Es macht sehr viel Freude, wenn jemand in den Laden kommt, mit einem Lächeln wieder geht, und beim nächsten Mal eine Freundin mitbringt. Zufriedene Kundinnen sind das i-Tüpfelchen», sagt sie und lächelt dabei selbst.

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