Die Wettinger Niederlassung der City University of Seattle bot zahlreiche Management-Studiengänge an. Um an der privaten Universität zu studieren, brauchte man nicht einmal eine Matur oder Berufsmatur. Mit einer abgeschlossenen technischen oder kaufmännischen Berufslehre wurde man zum Bachelor-Studium zugelassen, sofern man 36000 Franken Schulgeld zahlen konnte.

Angelockt durch den guten Ruf der Schweiz kamen vorwiegend Studierende aus Fernost und Afrika nach Wettingen. Seit dem 10. Januar ist für 135 Studierende der Traum vom Bachelor- oder Masterdiplom jedoch ausgeträumt. Die private Universität ist bankrott und macht dicht. Die Studierenden stehen vor einem Scherbenhaufen. Sie haben zusammen jährlich mehr als 3,5 Millionen Franken bezahlt, wie diese Zeitung gestern berichtete.

Diplome nicht anerkannt

Wie konnte diese private Uni im Aargau existieren? Alexander Hofmann, Leiter des Stabes Hochschule des Departementes Bildung, Kultur und Sport, sagt dazu: «Der Kanton hat keine Aufsichtspflicht, da die Wettinger City University eine Filiale einer amerikanischen Bildungseinrichtung ist.» Für sie gelte Gewerbefreiheit.

Grund: «Wer an dieser Institution studiert, erwirbt den Abschluss einer amerikanischen Institution und hat damit auch keine Garantie, dass das Diplom in einem anderen Land oder in der Schweiz anerkannt wird.» Ein bestimmtes Mass an Eigenverantwortung der Studierenden sei deshalb nötig, findet Hofmann: «Gerade, wenn man so viel Geld ausgibt, sollte man genau prüfen, ob dieser Abschluss auch anerkannt ist.»

Strenge Vorschriften für Schweizer

Bei Schweizer Institutionen sieht dies im Aargau seit 2007 anders aus. Für sie gelten strenge Vorschriften, wenn sie eine private Universität betreiben wollen. «Es kam früher vor, dass private Institutionen im Ausland damit Werbung machten, dass sie eine Schweizer Universität seien. Diesem Treiben wollten wir einen Riegel vorschieben.»

Deshalb dürfen Institutionen, die im Kanton Aargau Studiendiplome anbieten, sich nur Universität oder Fachhochschule nennen, wenn sie beim Bund und Kanton akkreditiert sind. Laut Hofmann sei dies alles andere als leicht: «Eine Hochschule muss beispielsweise in der Forschung tätig sein. Das können sich Private meistens nicht leisten.»

Aargauer Uni zog nach Genf

Eine private Institution war von dieser neuen Akkreditierungsvorschrift betroffen: 2009 musste die BMSW (Business Management School) ihre Tore schliessen. Weil diese Bildungseinrichtung in Wettingen angesiedelt war, wurden damals einige Studierende einfach an die nahe gelegene City University of Seattle umplatziert, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.

Die BMSW selbst zog in den Kanton Genf. Denn dort müssen sich private Institutionen, die im Hochschulbereich tätig sind, nicht akkreditieren lassen. «Viele Kantone haben keine Bestimmungen für private Institutionen», sagt Hofmann. Er hofft, dass sich das bald ändert: «Sofern der Nationalrat das neue Hochschulförderungsgesetz verabschiedet, werden wohl schweizweit strenge Akkreditierungs-Vorschriften gelten – wie heute bereits im Aargau.»