Baden

Luzi Stamms denkwürdiger Wahlkampf-Auftritt: «Ich kann die Kandidatur gar nicht mehr zurückziehen»

Luzi Stamm an der Pressekonferenz im Theatro Palino, neben ihm sein Freund und Helfer Beat Jäger.

Luzi Stamm an der Pressekonferenz im Theatro Palino, neben ihm sein Freund und Helfer Beat Jäger.

Der ehemalige SVP-Nationalrat ist der dritte Kandidat für den freien Sitz im Badener Stadtrat. Nachdem er fast eine Woche lang schwieg, ist er nun vor die Medien getreten.

Luzi Stamm, 67, gab seine Kandidatur als Badener Stadtrat letzte Woche schriftlich bekannt – und schwieg. Tauchte unter. Zahlreiche Anfragen, auch von nationalen Medien, beantwortete er nicht. Heute tritt er, der von 1991 bis 2019 im Nationalrat sass, ausgerechnet im Teatro Palino in Badens Zentrum, einem Treffpunkt der Linken, vor die Medien. Und er sagt zu den Journalisten: «Ab sofort nehme ich das Telefon ab.»

Es ist eine denkwürdige Pressekonferenz: Zwei TV-Kameras sind auf Luzi Stamm gerichtet, der hinter einer Bar steht, zwischen zwei Freunden und Wahlkampfhelfern. Der eine, Beat Jäger, sei verantwortlich für die Kandidatur, er habe ihn dazu ermuntert und er selber daraufhin spontan zugesagt, so Stamm. Er ist deshalb ein Kandidat des «Komitees B. Jäger».

Wahlkampf-Flyer von 1991

Stamm ist im Business-Look gekommen. Er trägt ein blaues Hemd, schwarze Schuhe und Hosen. Dank der offenen Fenster ist das Geplauder von Passanten auf der Gasse draussen zu hören. Die Journalisten sitzen in roten Fauteuils, über ihnen hängen Kronleuchter. Ein Helfer von Stamm verteilt Wahlkampfunterlagen, darunter sind Flyer von früheren Wahlkämpfen. 

Die Flyer von Luzi Stamm aus vergangenen, erfolgreichen Wahlkämpfen.

Die Flyer von Luzi Stamm aus vergangenen, erfolgreichen Wahlkämpfen.

Der ältere ist noch schwarz-weiss. Er stammt von 1991, als Stamm als FDP-Politiker für den Nationalrat kandidierte. In grossen Buchstaben steht da:

Luzi Stamms Mimik und Gesten sind immer noch die des langjährigen Nationalrats. Er kneift ein Auge leicht zu, wenn er spricht. Er legt den Daumen ans Kinn und den Zeigefinger auf die Lippen, wenn er zuhört. Doch seit letztem Herbst hat er keinen Sitz mehr im nationalen Parlament. Die SVP stellte ihn nicht mehr zu den Wahlen auf. Daraufhin kandidierte er mit einer eigenen Liste, blieb aber ohne Chance. 

Gegen die Verschandelung von Baden

Seine einstige Eloquenz hat Luzi Stamm verloren. Erst spricht er von einer Volksinitiative, zu der er später Unterschriftenlisten auflegt. Er dankt seinen zwei Freunden neben ihm, scheint sich kurz zu vergessen, als er sie anspricht und sich in Anekdoten verliert, etwa über die gemeinsame Zeit als Junioren beim FC Wettingen. Dann findet er den roten Faden wieder, spricht über seine Kandidatur für den Badener Stadtrat.

Die Verschandelung des Theaterplatzes, überhaupt «die Verschandelung Badens vom Theaterplatz bis nach Dättwil» ist ihm, der schon 1990 bis 1991 Stadtrat war, ein Dorn im Auge. Überhaupt, dass die Stadt einen heruntergekommenen Eindruck mache. Und er wolle sich für ein Wasserstoff-Kraftwerk in der Aue einsetzen. 

Stamm erzählt an der Pressekonferenz wie nebenbei auch, dass er die Zusage zur Kandidatur gab, obwohl er doch zuerst seine Frau und seine Tochter hätte fragen sollen. Auf einer Holztür prangt in Weiss vor grünem Hintergrund der Schriftzug «Notausgang». Als nähme er darauf Bezug, sagt Stamm: «Rechtlich gesehen kann ich die Kandidatur gar nicht mehr zurückziehen.» 

Luzi Stamm – seine politische Karriere in Bildern:

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