Spreitenbach/Killwangen

Limmattalbahn fordert die Bevölkerung: Starke Nerven sind gefragt

In Spreitenbach und Killwangen starteten gestern die Bauarbeiten für das Jahrhundertprojekt. Verkehrsteilnehmer brauchen starke Nerven.

Die Bauarbeiten für die Limmattalbahn, die dereinst Pendler vom Bahnhof Altstetten ZH bis nach Killwangen-Spreitenbach bringen soll, sind gestern auch im Kanton Aargau angekommen. Sie sind nicht nur für die Einwohner von Killwangen und Spreitenbach eine Herausforderung, sondern auch für diejenigen, die ins Shopping Center oder in die Ikea wollen. So wird dort die Strasse einspurig geführt, vielerlei Schilder signalisieren die Verkehrsführung. Auch der Streckenabschnitt an der Zürcherstrasse zwischen Shell-Tankstelle, gleich bei der Killwangener Gemeindegrenze zu Spreitenbach, und dem Knoten Fadacker, ist gesperrt – bis Mai 2020.

Die Autofahrer, die von Spreitenbach herkommend zum Bahnhof wollen, werden über die Industriestrasse geführt. Ein Augenschein zeigt: Noch ist das für die Verkehrsteilnehmer ungewohnt. Die Verkehrslotsen sind gefordert und müssen schon einmal renitente Autofahrer – trotz signalisiertem Fahrverbot – an sich vorbeilassen. Werner Scherer, Gemeindeammann von Killwangen (SVP), hofft aber, dass sich die Menschen schnell an die Verkehrsumleitungen gewöhnen: «In zwei Monaten an der Polit-Info können wir dann ein erstes Fazit ziehen.» Nicht alle Killwangener sind über den Bau der Limmattalbahn erfreut. Das merkte man auch an der letzten Gemeindeversammlung im Juni, als es darum ging, den Kredit für die Limmattalbahn von rund 424'000 Franken zu genehmigen: Den Abstimmenden blieb nichts anderes übrig als diesen anzunehmen, ansonsten hätten die Verantwortlichen der Limmattalbahn das Geld über den Rechtsweg eingefordert. Scherer sagt denn auch: «Die Bevölkerung ist in Sachen Limmattalbahn nicht abgeholt worden. Diese wurde der Gemeinde sozusagen aufgedrückt.» Dabei seien sie hier in Killwangen mit eigenem Bahnhof bereits gut erschlossen. «Nun müssen die Einwohner flexibel sein», so Scherer. Hauptsächlich sei er aber froh, dass es endlich vorwärtsgeht. Darüber ist auch Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) erleichtert: «Es ist ein gutes Gefühl, dass nun gebaut wird.»

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Für seine Gemeinde hat die Limmattalbahn eine andere Bedeutung als für Killwangen, ist doch die weitere Entwicklung von Spreitenbach ganz auf die Limmattalbahn ausgelegt. Bauten, die in den letzten Jahren entstanden sind, wie zum Beispiel der «Limmatspot» – oder die wie der «Tivoli Garten» inklusive Haltestelle in Planung sind – wurden mit der Absicht gebaut, dass die Limmattalbahn die Gemeinde aufwertet und so vermehrt gut verdienende Menschen den Weg ins Dorf finden – eine hier bis dato untervertretene Klientel.

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