Spreitenbach

Limmatdruck AG steht vor Schliessung wegen «schlechter Performance» – 150 Mitarbeiter betroffen

Dürfte bald Geschichte sein: Die Limmatdruck/Zeiler AG an der Pfadackerstrasse in Spreitenbach.

Dürfte bald Geschichte sein: Die Limmatdruck/Zeiler AG an der Pfadackerstrasse in Spreitenbach.

Schwedisches Mutterhaus beabsichtigt, Spreitenbacher Firma wegen «schlechter Performance» zu schliessen – das betrifft 150 Mitarbeiter. Auch die Unia hat vom Stellenabbau erfahren.

Die Meldung, welche die Redaktion am Donnerstagmorgen erreichte, war in perfektem Manager-Deutsch verfasst: «Um den Anforderungen des Marktes an höchste Effizienz und Exzellenz in einem hochkompetitiven Umfeld gerecht zu werden, hinterfragt die AR Packaging kontinuierlich die operative Ausrichtung der Unternehmensgruppe.» Oft lassen solcherlei Sätze nichts Gutes erahnen. Das ist vorliegend nicht anders. Denn wenig später heisst es: «Die Performance am Standort Spreitenbach ist seit einiger Zeit hinter den Erwartungen zurück geblieben, daher ist die Option, einen substanziellen Teil der Produktion von der Limmatdruck/ Zeiler AG zu verlagern, ernsthaft in Betracht zu ziehen.»

1977 den Neubau in Spreitenbach bezogen

Das mögliche Aus der Limmatdruck/Zeiler AG wäre gleichbedeutend mit dem Ende einer 43-jährigen Spreitenbacher Firmengeschichte. Die Limmatdruck AG hat ihre Wurzeln in der Druckereiabteilung des Migros-Genossenschafts-Bundes und wurde 1945 als Genossenschaft zur Limmat gegründet. Gleichzeitig mit der Umbenennung in Limmatdruck AG bezog die Druckerei 1977 in Spreitenbach einen Neubau . Wichtigster Auftrag war damals der Druck der Wochenzeitung «Wir Brückenbauer» (heute Migros-Magazin). Im Jahre 2000 wurde die bernische Zeiler AG, ein Familienunternehmen, übernommen, das erfolgreich in den Bereichen Verpackungen und Verpackungstechnik tätig war, und man konzentrierte sich fortan auf das Geschäft mit hochwertigen Verpackungen. 2011 übernahm die deutsche RLC Packaging Group das Unternehmen und konzentrierte die Firma auf die beiden Standorte Spreitenbach und Köniz BE. 2018 wurde der Standort in Köniz geschlossen. Im November 2019 wieder­um übernahm die schwedische AR Packaging Holding die deutsche RLC Packaging (und somit auch die Limmatdruck AG) sowie die K+D AG mit Sitz in St. Gallen. Insgesamt umfasste die Akquisition neun Werke, die zusammen einen Umsatz von knapp 300 Millionen Franken erwirtschafteten.

Nur zwei Monate später steht nun also fest, dass die Limmatdruck/Zeiler AG in Spreitenbach mit grosser Wahrscheinlichkeit geschlossen wird. Dazu heisst es in der Medienmitteilung: «Erste Analysen im Rahmen der Integration der neuen Unternehmen haben einen klaren Handlungsbedarf im Hinblick auf die Situation in der Schweiz aufgezeigt; ein denkbares Szenario wäre der Ausbau und die Fokussierung der Produktion auf den Standort von K+D in St. Gallen.» Harald Schulz, CEO von AR Packaging, schreibt dazu: «Wir sind überzeugt, dass es möglich ist, auch in Hochkostenländern wie der Schweiz erfolgreich zu produzieren, sofern eine höchst effiziente Infrastruktur vorhanden ist.» Doch genau das sei leider in Spreitenbach nicht der Fall. «Die Performance am Standort Spreitenbach ist seit einiger Zeit hinter den Erwartungen zurück geblieben, daher ist die Option, einen substanziellen Teil der Produktion von der Limmatdruck/Zeiler AG zur K+D AG zu verlagern, ernsthaft in Betracht zu ziehen.»

Diese Ausführungen kann Stefan Kuhn nur bestätigen. Kuhn ist Verwaltungsratspräsident der K+D Gruppe und hat die K+D AG mit 80 Mitarbeitenden vor dem Verkauf in dritter Generation geführt. Die Firma stellt Verpackungsmaterialien für die Pharmaindustrie her. Auch Kuhn sagt, dass es dem Unternehmen in Spreitenbach wirtschaftlich schon länger nicht gut laufe. Drei Faktoren hätten jetzt zur wahrscheinlichen Schliessung des Spreitenbacher Standorts geführt. «Erstens besteht im ganzen europäischen Marktfeld ein riesiger Preisdruck respektive eine nötige Marktkonsolidierung», so Kuhn. In einem solchen Umfeld könne nur bestehen, wer absolut produktiv und rentabel produzieren könne. «Doch leider war genau dies in Spreitenbach auch aufgrund veralteter Infrastruktur nicht mehr möglich.» Und als dritten Grund gibt Stefan Kuhn den Wegfall eines «Grosskunden» an. All diese Faktoren hätten leider dazu geführt, dass man wohl nicht um die Schliessung des Spreitenbacher Standorts umhinkomme. «Wir werden jetzt in den kommenden Wochen mit der Personalkommission Konsultationsgespräche führen», sagt Kuhn. Man werde versuchen, einen Grossteil der Mitarbeitenden durch Schaffung alternativer Arbeitsplätze an anderen Standorten aufzufangen. «In St. Gallen werden wir aber nur einen kleinen Teil der Mitarbeitenden aufnehmen können, vorausgesetzt, ihre Bereitschaft, hier zu arbeiten und einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen oder umzuziehen, ist gegeben.»

Auch die Unia hat vom Stellenabbau erfahren

Immerhin am Ende der Medienmitteilung spricht das schwedische Mutterhaus Klartext: «Die mögliche Stilllegung der Produktion bei Limmatdruck/Zeiler würde mit dem Risiko einer Massenentlassung im Sinne des Schweizer Rechts einhergehen.» Man sei sich dieses negativen Aspekts für die rund 150 betroffenen Mitarbeiter in Spreitenbach bewusst. «Für Mitarbeitende ohne direkte Anschlusslösung soll deshalb ein Sozialplan Unterstützung in der beruflichen Neupositionierung bieten», heisst es am Schluss.

Ob die Gemeinde von der drohenden Schliessung wusste, war nicht in Erfahrung zu bringen. Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) wollte keine Stellung nehmen. Und bei der Gewerkschaft Unia, Region Aargau-Nordwestschweiz, heisst es: «Wir haben heute von dem drohenden Stellenabbau erfahren und sind in Kontakt mit unseren Mitgliedern. Mehr können wir derzeit noch nicht sagen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1