Baden

Liegenschaft an bester Lage: Das Gammelhaus der Millionen-Erbin verärgert die Stadt

Die Stadt würde es begrüssen, wenn am Brenntweg 2 ein Neubauprojekt entstehen würde.

Die Stadt würde es begrüssen, wenn am Brenntweg 2 ein Neubauprojekt entstehen würde.

Die Liegenschaft am Brenntweg in Baden ist seit Jahren unbewohnt. Sie gehört einer Immobilienfirma, hinter der eine Frau mit klingendem Namen steckt.

Böse Zungen nennen es den Schandfleck von Altbaden: das gelbe Haus am Brenntweg 2, eingeklemmt zwischen Badstrasse und Coop City. Die Badener Architekten Dorer & Füchslin haben das Haus im Heimatstil 1907 als Magazingebäude und Wohnhaus für den Schuhhändler Dosenbach erbaut. Die Liegenschaft sowie das Nachbargebäude am Eisenbahnweg 3 und das Eckhaus an der Badstrasse, wo Ochsner Sport eingemietet ist, gehören der Schwert AG.

Hinter dieser Immobilienfirma steckt unter anderem die millionenschwere Dosenbach-Erbin Elisabeth Dosenbach, die auch in Zürich Immobilien an bester Lage wie etwa dem Rennweg besitzt. Zur Einordnung: Dort kostete 2018 der Quadratmeter bis zu 98 500 Franken. Diese Zahl basiert auf Handänderungen beim Grundbuchamt Zürich.

Haus für Zwischennutzung ideal gelegen

Das Haus ist seit Jahren unbewohnt und in einem desolaten Zustand, hat aber genau deshalb das Interesse des Kollektivs der Villa Kunterbunt geweckt. Die acht jungen Männer des Villa-Kollektivs haben bereits ein leerstehendes Haus an der Kehlstrasse während mehrerer Monate zwischengenutzt.

Beim Haus am Brenntweg hat das Villa-Kollektiv schnell erkannt, dass die Lage in der Altstadt mit ihren vielen Gastrobetrieben ideal für kulturelle Aktivitäten geeignet wäre. So hat sich Jon Dünnenberger vom Villa-Kollektiv erneut beim Grundbuchamt nach dem Eigentümer erkundigt und diesen kontaktiert: «Wir haben der Schwert AG einen Brief geschrieben, aber leider eine negative Antwort erhalten. Man hat uns mitgeteilt, dass das Haus sich nicht zur Zwischennutzung eigne, da es nicht beheizbar ist und die Elektroinstallationen nicht mehr auf dem neusten Stand sind.»

Fast schon Dauerthema ist diese Liegenschaft auch bei der Stadt Baden: «Wir von der Abteilung Planung und Bau wie auch Stadträtin Sandra Kohler haben in den letzten Jahren mehrmals versucht, Frau Dosenbach zu kontaktieren, letztmals Anfang 2019», erklärt Jarl Olesen, Leiter Planung und Bau, «leider haben wir nur mit Mitarbeitern der Schwert AG sprechen können, nicht aber mit Frau Dosenbach persönlich.»

Die AZ hatte zwar das grosse Glück, mit der öffentlichkeitsscheuen Dosenbach-Erbin persönlich zu sprechen, darf sie aber nicht namentlich zitieren. Ihre Aussagen entsprechen aber ohnehin den Recherchen. Nur so viel: Momentan ist bei der Schwert AG kein weiteres Projekt geplant.

Die Behörden können nur aktiv werden, wenn etwa die Sicherheit von Passanten wegen herunterfallender Dachziegel gefährdet ist. «Dies ist aber momentan nicht der Fall. Dennoch würden wir es sehr begrüssen, wenn an dieser Stelle ein Neubauprojekt entstehen könnte», so Olesen. Der Brenntweg 2 liegt in der sogenannten Zentrumszone 5.

Das bedeutet, dass man ein fünfgeschossiges Gebäude mit mindestens 30 Prozent Wohnanteil errichten könnte. Der Brenntweg 2 ist zwar wie die anderen Gebäude in diesem Geviert inventarisiert, könnte aber durch einen gestalterisch guten Neubau ersetzt werden.

Die Schwert AG hat dies 2007 prüfen lassen: Das Büro Burkhard Meyer hat eine Machbarkeitsstudie für eine Überbauung für Brenntweg 2, Eisenbahnweg 3 und die Badstrasse 35 (Ochsner Sport) gemacht. Vom Brenntweg bis zum Eisenbahnweg prüfte man entlang des Coop City ein gleich hohes Gebäudevolumen.

Einzig das andere Eckhaus an der Badstrasse 33 (Rent a Box, Kebabstand) gehört nicht zum Immobilienimperium der Schwert AG. Diese Liegenschaft ist dennoch in die baulichen Gedankenspiele eingeflossen.

«Hätten an diesem Schandfleck etwas Schönes bauen können»

Dieses Projekt ist aber nicht über eine Voranfrage hinausgegangen. Das Geviert mit seinen sanierungsbedürftigen Liegenschaften hat aber auch das Interesse von Investoren geweckt: Vor zwei Jahren hatte niemand Geringeres als Dölf A. Köpfli, der einst fast am gleichen Ort das 60-Millionen-Projekt «Metropol» plante, mit der Dosenbach-Erbin Kontakt: «Ich habe Elisabeth Dosenbach für den Brenntweg 2, Eisenbahnweg 3 sowie die Badstrasse 35 ein Kaufangebot gemacht», so Köpfli, «leider hat sie abgelehnt. Wir hätten an diesem Schandfleck von Altbaden etwas Schönes bauen können.»

Für den Immobilieninvestor Köpfli ist aber auch klar: «Bauen in der Altstadt ist sehr schwierig und komplex.» Dennoch ist Köpfli vom Potenzial dieser Lage immer noch überzeugt: «Die Mieten sind zwar sehr hoch, aber es gibt immer solvente Leute, die an dieser attraktiven Lage diesen Preis zahlen wollen.» Bis sich aber Investoren, Eigentümerin und Behörden finden, wird das Haus am Brenntweg also noch länger ein Mahnmal baulicher und planerischer Unstimmigkeiten bleiben.

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