Industrie
Lego-Erben investieren in Baden: «Wir glauben an den Standort»

Den dänischen Spielzeug-Milliardären gehören zwei ehemalige ABB-Gebäude in Baden. Für den Turbinenhersteller Ansaldo ist das ein Glücksfall.

Andreas Fahrländer
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Denkmalgeschützt und frisch renoviert: Der neue Sitz von Ansaldo an der Haselstrasse, links am Trafoplatz das Haus Kreuzweg 11.

Denkmalgeschützt und frisch renoviert: Der neue Sitz von Ansaldo an der Haselstrasse, links am Trafoplatz das Haus Kreuzweg 11.

HO/Kirkbi

Was hat der grösste Spielzeugkonzern der Welt mit der Stadt Baden zu tun? Einiges: In den letzten zwei Jahren haben die Erben des dänischen Spielzeugherstellers Lego viel Geld in Baden investiert. Ihr Immobilienunternehmen Kirkbi Real Estate hat die ehemaligen ABB-Gebäude an der Haselstrasse 18 und am Kreuzweg 11 am Trafoplatz gekauft.

«Der Kauf und die Renovation der Gebäude in Baden war für uns eine bedeutende Investition», sagt Bruno Koller, Portfoliomanager bei der Schweizer Niederlassung von Kirkbi in Baar. Wie viel die beiden Gebäude gekostet haben, teilt das Unternehmen nicht mit. Aber: «Wir haben uns ganz bewusst für diese Investition entschieden, weil wir an den Standort Baden glauben.» Wie die «Handelszeitung» diesen Monat schrieb, gehört die Deutschschweiz zu den «strategischen Orten» der Lego-Erben.

Hinter Kirkbi steht die Familie von Kjeld Kirk Kristiansen. Der 71-jährige Enkel des Lego-Erfinders Ole Kirk Kristiansen war bis 2004 CEO von Lego. Heute ist er Präsident des familieneigenen Vermögensverwalters Kirkbi, das 75 Prozent am Lego-Konzern hält. Das Finanzmagazin Forbes schätzt Kristiansens Vermögen derzeit auf 4,7 Milliarden Dollar. Er und seine Kinder investieren schon längst nicht mehr nur in farbige Bauklötzchen.

Kjeld Kirk Kristiansen, Lego-Erbe und Milliardär.   

Kjeld Kirk Kristiansen, Lego-Erbe und Milliardär.   

imago Images/Ritzau Scanpix

Ein neues Café am Trafoplatz

Die Investition in Baden ist für den Wirtschaftsstandort ein Glücksfall. Im Haus an der Haselstrasse eröffnet Ansaldo Energia Schweiz nächsten Donnerstag einen neuen Hauptsitz. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Weil das Unternehmen aus den alten ABB-Pavillons an der Römerstrasse ausziehen musste (hier entstehen Wohnungen), war lange unklar, ob Ansaldo in Baden bleiben kann. Die Tochterfirma des italienischen Stromkonzerns übernahm 2016 das Gasturbinengeschäft von Alstom in Baden. Beim Gebäude an der Haselstrasse handelt es sich um das ehemalige Zentrallabor der Brown, Boveri & Cie. Es wurde 1956 vom Zürcher Architekten Roland Rohn entworfen und steht unter städtischem Denkmalschutz. Kirkbi Real Estate hat es seit dem Kauf vor einem Jahr aufwendig saniert und die schützenswerte Fassade wieder dem Originalzustand angeglichen. Ansaldo belegt hier ab Anfang Mai die gesamte Bürofläche von 7000 Quadratmetern.

Das ehemalige ABB-Gebäude am Kreuzweg 11 gehört seit dem Sommer 2017 ebenfalls zu Kirkbi Real Estate. Das Haus wurde 1928 als Kleinmechanik-Halle der BBC gebaut und Ende der 1980er-Jahre aufgestockt. Bis letztes Jahr war hier die Finanzabteilung von ABB Schweiz. Heute ist das sechsstöckige Gebäude ein gemischtes Geschäftshaus, Kirkbi hat auch hier viel Geld investiert. Rund die Hälfte der Büroflächen ist mittlerweile belegt. Im Obergeschoss ist das Badener IT-Unternehmen Avectris eingemietet. Das Untergeschoss wurde soeben neu vermietet. «Die Räume werden ihren industriellen Touch behalten», sagt Koller. «Es wird eine gute, durchmischte Nutzung geben.» Hier ziehen ein Reisebüro und ein neues Café mit einer kleinen Gartenwirtschaft auf dem Trafoplatz ein, wie Koller verrät.

Enge Verbindung zur Schweiz

Der Hauptsitz von Kirkbi liegt wie jener von Lego im dänischen Billund in Jütland. In Baar im Kanton Zug hat das Unternehmen seit Jahren eine Niederlassung. Die Verbindungen der Familie Kristiansen zur Schweiz und zu Baar sind alt: Hier entstand 1968 ein Produktionsstandort von Lego. Bis 2005 wurden hier zeitweise 30 Prozent aller Legosteine für den Weltmarkt hergestellt. Heute befindet sich noch ein Teil des Vertriebs in der Schweiz. Die Familie Kristiansen ist unter anderem auch mit 15 Prozent am Schweizer Stromtechnikkonzern Landis + Gyr beteiligt.

Insgesamt besitzt Kirkbi laut der «Handelszeitung» 25 Immobilien im Wert von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Franken. Die Häuser stehen in der Deutschschweiz (dazu zählt auch das Hotel Valbella Inn in Lenzerheide-Valbella), in Kopenhagen, London, München und Hamburg. An diesen fünf Standorten will das Familienunternehmen auch in Zukunft in Immobilien investieren.

Das gilt auch für Baden: «Wir können uns durchaus vorstellen, hier weiter zu investieren», sagt Bruno Koller. Zuerst steht nächste Woche aber mit der Eröffnung des neuen Ansaldo-Standorts ein freudiges Ereignis an. Die Niederlassung an der Haselstrasse ist eine Win-win-Situation für Kirkbi, für Ansaldo – und nicht zuletzt eben für den Wirtschaftsstandort Baden.

Historische Bilder von Baden:

Baden historische Bilder
38 Bilder
So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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