Baden

Leere Restaurants, volle Bars, Party auf der Ruine: So feiern die Badener trotz neuem Corona-Regime

Während die einen Restaurants weniger Besucher verzeichnen, haben die anderen geschlossen. Dafür müssen mehrere Bars nach 22 Uhr Gäste wegweisen, da sie das Kontingent von 50 Personen erreicht haben. Derweil lässt sich eine Gruppe Jugendlicher die Partystimmung nicht nehmen.

Samstagabend auf den Badener Gassen: Die Menschen schlendern durch die Badstrasse, sitzen oder stehen draussen vor den Bars, die Zigarette in der einen und den Drink in der anderen Hand. Dass der Bundesrat am Tag zuvor die Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus nochmals drastisch verschärft hat, davon spürt man in der Stadt nicht viel. Zumindest auf den ersten Blick.

Etwas über 30 Gäste sitzen in den braunen Sesseln in der «Café-Bar Mediterran American» des Lokals Colombo, unterhalten sich, lachen. Fast alle der Holztische sind besetzt. Doch: An einem gewöhnlichen Samstagabend zählt die Café-Bar nach 20 Uhr doppelt so viele Besucher. Und: Seit Freitag sind beide Restaurants an der Bahnhofstrasse geschlossen, nur die Café-Bar im Erdgeschoss ist offen, wo ab sofort Essen serviert wird. 

Dies gelte bis mindestens Ende April, steht auf einem Anschlag am Eingang. «Somit können wir sicherstellen, dass sich maximal 50 Personen in unserem Lokal befinden», heisst es weiter. Eine Vorgabe, die der Bundesrat am Tag zuvor für alle Restaurants, Bars und Clubs in der Schweiz erliess. «Dass wir heute jemanden wegschicken müssen, ist wohl nicht nötig», sagt eine der Mitarbeiterinnen.

Impressionen aus der Badener Innenstadt

Impressionen aus der Badener Innenstadt

Während die einen Restaurants weniger Besucher verzeichnen, haben die anderen geschlossen. Dafür müssen mehrere Bars nach 22 Uhr Gäste wegweisen, da sie das Kontingent von 50 Personen erreicht haben. Derweil lässt sich eine Gruppe Jugendlicher die Partystimmung nicht nehmen.  

Kaum anstehen im Mc'Donalds

Ähnlich sieht es im «Hirschli» an der Badstrasse aus. Gerademal drei Personen sitzen in der Sushi-Box, wo normalerweise etwas über 20 Gäste die japanische Spezialität geniessen und wo ohne Reservation kaum ein Platz zu ergattern ist. Auch das dazugehörige Restaurant und die Bar wären an einem normalen Wochenende bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor dem Fastfood-Riesen Mc‘Donalds am Schlossbergplatz tummeln sich immerhin knapp 15 Jugendliche mit Pommes Frites, Burger und Energy-Drink – aber drinnen herrscht gähnende Leere.

Anders in der benachbarten Burger-Bar Manito. Das Lokal ist beinahe voll, knapp 20 Personen sitzen dicht gedrängt nebeneinander. «Ich nehme den Corona-Virus schon ernst», meint eine junge Frau aus Killwangen. «Aber in Panik breche ich jetzt nicht aus.»

Und ein Jugendlicher vor dem Mc’Donalds sagt: «Ich sorge mich mehr um meine Eltern und Grosseltern.» Ansonsten sei für ihn alles wie immer. Dass Clubs wie etwa die Veranstaltungs- und Partylocation LWB, das Konzertlokal Nordportal (ohne das Restaurant Fjord) oder der Kulturbetrieb Royal bis Ende April geschlossen sind oder das «Gate 54» nur die Raucherecke offen hat, störe ihn nicht. «Ich gehe ohnehin nicht an Partys.»

«Blinddarm» für einmal ohne viel Partyvolk

Es ist 21 Uhr. Direkt um die Ecke würden sich jetzt schon ein Dutzend Partygänger im «Blinddarm» vor dem «Laden 5» auf ihren Clubbesuch einstimmen, die Bar wäre schon fast voll. Nicht so heute Abend: Zwei junge Männer stehen draussen an einem Tischchen und rauchen, ein Ehepaar aus Fislisbach und ein 36-jähriger Wettinger teilen sich daneben ein zum Tisch umfunktioniertes Fass. «Ich ass vorher im Restaurant Gottardo, dabei habe ich nicht einmal einen Platz reserviert», sagt der Wettinger fast etwas ungläubig. Wegen des Corona-Virus auf ihren Ausgang verzichten wollen die drei nicht. «Gesunder Respekt ist wichtig», sagt der 48-jährige Fislisbacher. Aber Zuhause bleiben deswegen komme nicht in Frage.

Hinter ihnen zählt der Türsteher mit einem Zählapp jeden Gast, der das Lokal betritt oder verlässt. «Mit dem Personal sind zurzeit 27 Gäste drinnen», sagt er. Am Freitag musste er noch den einen oder anderen wegschicken, da der «Laden 5» schon voll war. Alle hätten aber Verständnis gezeigt. Ob er heute wieder jemanden den Eintritt verweigern müsse, das könne er noch nicht mit Sicherheit sagen.

Menschenmenge vor dem «Time»

Kurz vor 22 Uhr ein paar Meter weiter auf der anderen Seite des Schlossbergplatzes: Vor dem «Time» tummeln sich bereits fast 30 Personen. Knapp die Hälfte gehört zu einem Musikverein und ist für das gemeinsame Nachtessen aus der ganzen Deutschschweiz nach Baden gereist. Der Corona-Virus bringe sie nicht aus der Ruhe, sagen sie. «Der Durst geht vor», ergänzt ein Appenzeller mit einem Schmunzeln. Zwar sei schade, seien die Clubs geschlossen. «Aber es gibt immer gute Alternativen.»

37 Personen seien zurzeit im «Time», sagt der Türsteher. Anders als andere Türsteher in der Stadt verlässt er sich beim Zählen auf sein Gedächtnis. «Ich gehe auch regelmässig rein und kontrolliere nochmals nach», sagt er. An einem normalen Samstagabend wären es 200 Gäste. Dem DJ wurde abgesagt. Wie stark die Gastroszene einstecken muss, will er aber nicht kommentieren.

Mr Pickwick und Walter müssen Gäste wegschicken

Rund 100 Meter entfernt am Löwenplatz werden die ersten Barbesucher weggewiesen: Sowohl das Pub Mr. Pickwick als auch die Bar Walter haben das Kontingent von 50 Personen erreicht und lassen niemanden mehr rein. Während im «Piwi» aber noch reichlich Platz vorhanden wäre und zahlreiche Stühle umgekehrt auf den Tischen stehen, scheint die Bar Walter ziemlich voll.

Normalerweise hätten 80 Personen Platz, sagt Betreiberin Nicole Brack. Um die Vorgaben des Bundes einhalten zu können, hat sie aber den Raum im Untergeschoss geschlossen. Klar laufe es nicht so wie gewöhnlich. Jammern will sie aber nicht. «Wir haben trotzdem einen guten Abend», sagt sie. Schön sei, dass viele der Stammgäste reserviert hätten, um einen Platz in der Bar auf sicher zu haben.

Auch die Barbesucher sind entspannt. «Es tut doch gut, wieder zu erkennen, dass nicht alles selbstverständlich ist, und wert zuschätzen, dass doch noch irgendwo etwas läuft», sagt ein 47-jähriger Lengnauer.

Party kurzerhand auf die Ruine Stein verlagert

Wie beispielsweise auf der Ruine Stein: Rund 30 Jugendliche feiern dort vor 23 Uhr zu lauter Musik tanzend den Geburtstag eines Freundes. «Wir wären eigentlich in einen Zürcher Club gegangen», sagt eine Teenagerin. Da dieser aber geschlossen sei, hätten sie die Party auf die Ruine verlagert.

Nebenan geniessen drei Jugendliche die Aussicht auf die Stadt. Etwas, das sie auch vor dem Ausbruch des Corona-Virus regelmässig taten, versichert einer von ihnen. Der ganze Hype um den Virus sei vor allem Panikmacherei. Für den Nachhauseweg im Zug wird aber auch er sich eine Mundschutzmaske aufsetzen.

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