Die Stadt trauert. Nicht um einen hohen Politiker oder einen finanzkräftigen Firmenboss, sondern um ihren «Rose»-Wirt. Freitagnacht ist das Herz von Urs Eggenschwiler (58) bei der Arbeit in der Küche stillgestanden. Vielleicht musste es für ihn einfach so kommen. Er, der ein Leben lang ein verbissener Krampfer, liebenswerter Mensch und herzensguter Familienvater war, hätte nach der Badenfahrt die Kochschürze in der «Rose» an den Nagel gehängt. Es wäre ihm – obwohl er mit Ehefrau Béatrice Pläne für danach geschmiedet hatte – zwar nicht leicht gefallen. Doch er wollte loslassen, denn die intensiven Jahre, besonders die letzten sechs in Baden, nagten an seiner Substanz.

Das Schicksal ging in allen Fazetten bei ihm ein und aus, fast wie die Gäste. Vor rund sieben Jahren erfüllte er seiner Béatrice einen Herzenswunsch, schenkte ihr ein Motorrad und machte sich selber grosse Vorwürfe, als sie damit kurze Zeit später schwer verunfallte. Ein paar Jahre später begann die Hüfte zu rebellieren, eine Operation war unumgänglich. Seit einiger Zeit hatte ihm nun sein Knie immer mehr zu schaffen gemacht. Und vor Ostern musste er seinen treuen Begleiter einschläfern lassen – Hund Nicki, der ihn auf den gemeinsamen Spaziergängen wieder Boden fassen liess.

Der Gastrobetrieb wurde immer mehr zu einer grossen Belastung, die er ohne seinen treuen Helfer Ratnan kaum bewältigt hätte. Doch wer in der «Rose» etwa ein und aus ging, spürte sofort, dass ihm das Wohl und die Zufriedenheit der Gäste sehr viel bedeuteten. Oft war es für Urs Eggenschwiler eine persönliche Gratwanderung: Einerseits wollte er gepflegte Gastronomie bieten, andererseits sah er sich in der sozialen Verantwortung. «Auch wenn ich damit kaum Umsatz mache: Aber wo soll denn jener Gast hin, der ein, zwei Stunden vor seinem Einerli sitzt?», hat er vor langer Zeit gesagt. Beides bedeutete für ihn Kultur – die Beiz als sozialer Ort der Begegnung und als kulinarische Genussstätte.

Als Berner in Baden heimisch

An der Stadt Baden hatte Urs Eggenschwiler bereits um 1983 den Narren gefressen; damals arbeitete er in der Küche des früheren Restaurants Gambrinus, heute McDonald’s. Zwölf Jahre lang trieb es ihn durch die Schweizer Wirtelandschaft, bis er 1995 zurück nach Baden ins «Schwyzerhüsli» kam. Die Badener Gepflogenheiten erfasste er sofort. Von Beginn an liess er sich für die Fasnacht begeistern. Während 22 Jahren zogen bei ihm Dutzende von Schnitzelbänken vorbei. Aus der wilden Spelunke machte Eggenschwiler ein Restaurant, in dem man gediegen essen konnte. Im ersten Geschoss wurde fein aufgetischt, als es unten rund um den Stammtisch noch längere Zeit ruppig zu- und herging. Und wenn Urs und Béatrice damals vereint im Einsatz waren, spielten im Obergeschoss neben der Küche ihre beiden Buben.

Als Feldschlösschen das «Schwyzerhüsli» verkaufen wollte, kam für die Eggenschwilers der Augenblick, Nägel einzuschlagen. Den Kaufpreis von 1,45 Mio. Franken hätten sie verkraften können. Dann gab Feldschlösschen trotz Vorverkaufsvertrag einer Restaurant-Kette, die noch 100 000 Franken drauflegte, den Vorzug. So zog im «Schwyzerhüsli» italienischer Fastfood ein. Die Eggenschwilers zügelten ihre Berner Freundlichkeit und den Duft nach Fondue in die «Rose» an der Weiten Gasse. Sie wurden in der Altstadt rasch heimisch und freuten sich über deren Neugestaltung, zumindest als diese beendet war.

Das Restaurant "Rose" in der Badener Altstadt (Archvbild)

Das Restaurant "Rose" in der Badener Altstadt (Archvbild)

An der Glasfront der «Rose» hängt die Trauerbotschaft. Vielen Menschen in Baden geht der überraschende Tod von Urs Eggenschwiler sehr nahe. Kumaran Ramalingam vom «Fiori»: «Ich bin sehr traurig. Urs war ein so toller Mensch, den ich vor 15 Jahren kennen lernen durfte. Seit 4 Jahren sind wir an der Weiten Gasse Nachbarn und Freunde zugleich. Wenn ich seine Hilfe brauchte, war er immer für mich da.» Seit Juli 2012 war die Rose Stammlokal der Offiziersgesellschaft.

Präsident Caspar Zimmermann: «Urs Eggenschwiler, selber Fourier a.D. und Sohn eines Offiziers, hat uns in dieser Zeit nicht nur bewirtet, sondern mit seiner Herzlichkeit und Kameradschaft der Offiziersgesellschaft Baden ein Zuhause gegeben.» Für die Spanischbrödlizunft war die «Rose» Schnitzelbankbeiz und Stützpunkt des Umzugskomitees. Brödlimeister Bernhard Schmid: «Es macht uns sehr betroffen, wie unvermittelt und viel zu früh Urs von uns gehen musste. Die Badener Fasnacht und die Spanischbrödlizunft haben immer auf Urs und Bea Eggenschwiler zählen dürfen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, und wir werden Urs stets ein ehrendes Andenken bewahren.»