Ein Polizeieinsatz in der Gartenbeiz des Restaurants Frohsinn am Freitag vor zwei Wochen erhitzt die Gemüter. Das Wirtepaar Mehmet und Emine Baydar erhielt nach mehreren Lärmklagen der Anwohner eine Busse in der Höhe von 100 Franken, weil sie sich nicht an die Nachtruhe gehalten hatten. Die Gäste, darunter der ehemalige SVP-Einwohnerrat Daniel Frautschi, wehrten sich gegen das ihrer Meinung nach unverhältnismässige Vorgehen der Polizei und wandten sich an Behördenmitglieder und Medien. Die AZ berichtete am Donnerstag.

Nun meldet sich eine der betroffenen Anwohnerinnen bei der AZ zu Wort. Sie will anonym bleiben: «Ich bin nicht die Einzige, die sich über die Lautstärke in der Gartenbeiz aufregt. Es ist auch nicht die Musik, die stört. Es sind vielmehr die Gäste, die es auch nach 22 Uhr noch sehr «lustig» haben, und je später es wird, desto lauter sind sie. Viele hier machen die Faust im Sack und rufen gar nicht erst die Polizei, auch wenn sie es gerne tun würden.»

Gestörter Schlaf

Das Thema ist heikel. «Es ist natürlich verständlich, dass man einen schönen Sommerabend in einem Restaurant geniessen möchte», schreibt die Anruferin in einer Stellungnahme an die AZ – im Namen aller Anwohner, die sich gestört fühlen: «Nichtsdestotrotz ist es so, dass sich das Restaurant Frohsinn in einem Wohnquartier befindet und daher nicht bis spät nachts ein konstant hoher Lautstärkepegel aufrechterhalten werden kann.»

Sie möchten einfach normal leben und jetzt im Hochsommer nachts das Fenster öffnen können, um zu lüften: «Aber seit zwei, drei Jahren steigt die Lautstärke der Gäste kontinuierlich an. Wir können nicht schlafen – und es gibt Menschen, die müssen am nächsten Tag wieder arbeiten.»

Gespräch gesucht

Die Anwohner betonen im Schreiben, dass die Polizei auch schon letztes Jahr im Frohsinn aufgrund diverser Lärmklagen vorbeiging. Auch haben die Anwohner direkt beim Wirtepaar das Gespräch gesucht: «Frau Baydar wurde damals darum gebeten, die Nachtruhe einzuhalten. Sie sagte, dass sie wisse, welche ihrer Gäste zu laut seien.» Genützt habe es leider nichts: «Am selben Abend ging es in gleich hoher Lautstärke weiter wie an vielen Abenden zuvor.»

Andere Anwohner hätten sich auch schon telefonisch ans Wirtepaar gewandt, wenn die Lautstärke unerträglich geworden sei: «Das war aber wirkungslos, da entweder die Betreiber das Telefon nicht abnahmen oder angeblich niemand vom Wirtepaar da war.» Manche Anwohner leben schon über 20 Jahre hier und hätten eine solche Situation noch mit keinem Wirt erlebt. Sie wünschen sich nur eines: «Es wäre schön, wenn man auch auf uns Rücksicht nehmen und die bestehenden Gesetze einhalten würde.»

Hoffnung auf Besserung

Offenbar zeigte die Busse bereits Wirkung: «Der nächtliche Lärm ist zumindest etwas zurückgegangen. Wir hoffen immer noch auf ein Einsehen der Wirtsleute und auf ein friedliches Miteinander.»
Sie würden sich aber nicht mehr scheuen, die Polizei zu rufen, sollte die Nachtruhe in Zukunft wieder nicht eingehalten werden: «Die Aufgabe der Polizei ist nicht nur der Schutz der Bevölkerung, sondern auch sicherzustellen, dass die Gesetze eingehalten werden. So wie wir uns an die allgemeine Nachtruhe zu halten haben, so hat das auch ein Restaurant in einem Wohnquartier.»