Baden

Ladestationen für Elektrofahrzeuge: Sinneswandel der Stadt?

Im städtischen Parkhaus Gartenstrasse wurden im untersten Geschoss zwei Parkplätze mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert.

Parkplatz mit Ladestation für Elektroautos

Im städtischen Parkhaus Gartenstrasse wurden im untersten Geschoss zwei Parkplätze mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert.

Die neuen Ladestationen für Elektrofahrzeuge sorgen bei der GLP Baden für Stirnrunzeln. Vor zwei Jahren sagte der Stadtrat noch, die Schaffung solcher Stationen sei nicht Aufgabe des Staates.

Die Stadt Baden hat gemeinsam mit den Regionalwerken Baden und einer Waadtländer Firma in den Parkhäusern Bahnhof und Gartenstrasse je zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge geschaffen. Seit Anfang Monat sind sie nun in Betrieb.

Diese Nachricht überrascht die GLP Baden. «Vor gerade einmal zwei Jahren haben sich Stadt- und Einwohnerrat in der Beantwortung eines Vorstosses von GLP-Einwohnerrätin Fiona Hostettler dagegen ausgesprochen, dass die öffentliche Hand Ladestationen fördere», schreibt der Badener Einwohnerrat und Grossrat Sander Mallien in einer Mail an die Redaktion. Und jetzt würde sich «die Stadt» damit brüsten, solche Ladestationen geschaffen zu haben; dies ohne jeglichen Hinweis auf den Anstoss von Fiona Hostettler.

Einwohnerrätin Fiona Hostettler hatte 2016 eine Anfrage dazu eingereicht, damals noch als Bürgerin. Sie freut sich: «Super, dass die Stadt doch noch aktiv wird.» Die Zeitungsnachricht habe sie grundsätzlich positiv überrascht. «Ich bin froh, dass etwas gegangen ist.» Trotzdem würde es sie interessieren, was hinter dem Sinneswandel der Stadt steckt. Sie ist sich sicher, dass ihre damalige Anfrage zur Schaffung der neuen Ladestationen beigetragen habe.

Konkrete Handlungen gewünscht

Rückblende: Hostettler erklärte an der Einwohnerratssitzung im Dezember 2016, dass es «ohne Ladeinfrastruktur keine Elektromobilität gibt.» Baden strebe bis 2026 einen Anteil von mindestens fünf Prozent Elektrofahrzeugen und anderen Alternativen an. Sie wies darauf hin, dass der Stadtrat ausserdem gesagt habe, Autos müssten mittelfristig vermehrt ausserhalb des eigenen Zuhauses geladen werden. Bis 2025 werde in Baden ein Bedarf von total 366 Ladestationen erwartet, davon fast 100 ausserhalb des Wohngebiets. Der Wunsch nach öffentlich zugänglichen Ladestationen in weniger als zehn Jahren werde ohne konkrete Handlungen nicht in Erfüllung gehen, war sie sich damals schon sicher.

Die Antwort des damaligen Stadtammanns Geri Müller (team baden) auf ihre Anfrage klang nicht sehr positiv: Es sei nicht Aufgabe des Staates, Ladestationen anzubieten. Im Stadtgebiet und in der Region Baden hätte es einen enorm motorisierten Individualverkehr und deshalb sei die Strategie der Stadt, dass man mehr mit dem öffentlichen Verkehr, Fuss- oder Radverkehr bewältige. Die fünf Prozent aus dem neuen Leitbild der Mobilitätsstrategie würden ausserdem auch Elektrovelos beinhalten und dafür sei eine Station gefördert worden — die Velostation — an der man selbstverständlich nachladen könne. Das Leitbild sehe zwar einige Massnahmen vor, allerdings keine konkreten Ladestationen. Initiative und Antrieb dafür müssten von Privaten erfolgen.

«Stadt muss dranbleiben»

Die Initiative übernahm dann schliesslich doch die Stadt, anfangs 2018. «Ein Sinneswandel hat nicht stattgefunden», erklärt Stadtrat Philippe Ramseier (FDP), der bei der Schaffung der neuen Ladestationen die Fäden zog. Es sei damals zwar noch abgeblockt worden, doch die neue Zusammensetzung der Regierung habe — dem Energie Goldlabel folgend, das die Stadt seit 2006 trägt — zu diesem Schritt geführt.

«Die Stadt muss dranbleiben», appelliert Hostettler an die Verantwortlichen. Nur so sei es möglich, das hehre Ziel der Stadt bis 2026 zu erreichen und Anreize zu schaffen, um Menschen dazu bewegen zu können, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

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