Baden

Kurtheater wird leergeräumt – Flüchtlinge packen mit an: «Ich bin froh, dass ich helfen kann»

Nächste Woche fällt in Baden der Spatenstich für den Umbau des Kurtheaters – bei den Räumungsarbeiten helfen acht Asylsuchende mit.

Für das Kurtheater Baden ist der langersehnte Moment gekommen: 15 Jahre nach der ersten Projektstudie sind die Vorbereitungen für die Umbau- und Erweiterungsarbeiten am Schauspielhaus gestartet. Seit Anfang April ist das Team um Kurtheaterleiterin Lara Albanesi daran, die Technik abzubauen und die Einrichtung zu verstauen.

Tonnenweise Material wie Bühnendekorationen, Stühle, Kabel, Scheinwerfer und Lampen wurden bereits in verschiedene Lagerräume in der Region untergebracht. «Nächste Woche müssen wir das Theater und das Studiogebäude vollständig ausgeräumt haben», sagt Kurtheater-Mitarbeiterin Katja Stier. Denn: Der Spatenstich für das von Boesch Architekten geplante Umbauprojekt erfolgt nächsten Donnerstag.

Bei den Räumungsarbeiten kann das Kurtheater-Team auf die Unterstützung von acht Asylsuchenden aus der Region zählen. «Wir haben beim Kanton einen Antrag für die Durchführung eines gemeinnützigen Beschäftigungsangebots für Asylsuchende gestellt. Es freut uns sehr, dass er gutgeheissen wurde», sagt Stier.

Auf diese Weise könne das kleine Budget, das für die Räumungsarbeiten zur Verfügung stehe, sowie die Frist eingehalten werden. Sieben Franken pro Tag erhalten die acht Männer, die aus Eritrea, Afghanistan und Irak stammen, für ihren Einsatz. «Wir sind dankbar, dass wir unterstützt werden», sagt Stier. Die Asylsuchenden seien motiviert, arbeitswillig und würden mit dem Team super zusammenspannen.

«Bin froh, dass ich helfen kann»

Das bestätigt Zeray Gebrigzabhir aus Eritrea: «Wir haben es sehr gut untereinander.» Der 26-Jährige ist mit seiner Frau geflüchtet und seit drei Jahren in der Schweiz. Sein Kind ist eineinhalb Jahre alt und in der Schweiz geboren. Mit Ausweis N (Asylsuchende beziehungsweise Personen, die in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt haben und im Asylverfahren stehen) hat er keine Arbeitserlaubnis und darf nur an solchen gemeinnützigen Einsätzen teilnehmen.

«Es ist das erste Mal, dass ich an einem Beschäftigungsprogramm teilnehme. Ich bin froh, dass ich helfen kann.» Auch der 19-jährige Hossyen Ghasemi unterstützt das Team bei der Räumung. «Es gefällt mir sehr gut», sagt der Afghane, der bereits einmal als Statist auf der Bühne des Kurtheaters aufgetreten ist.

Kurtheaterleiterin Lara Albanesi erachtet das Beschäftigungsprogramm als ideal. «Wir können voneinander profitieren, gleichzeitig aber auch voneinander lernen. Es ist ein schönes Miteinander.» Dadurch, dass die Asylsuchenden dem Team unter die Arme greifen, liegt das Team im Zeitplan. «Ende April werden wir unsere bisherigen Büros im Studiogebäude ins Museum Langmatt zügeln», sagt Albanesi. Danach wird der Anbau abgebrochen.

Freude beim Team ist gross

Für Albanesi und ihr Team ist es eine aufregende Zeit. Denn vieles läuft derzeit parallel: Zügeln, das neue Theaterprogramm aufstellen, den Rampenverkauf organisieren und das Bauprojekt begleiten. «Es geht Schlag auf Schlag, aber wir freuen uns sehr», sagt Albanesi. Ob sie emotional sei, dass das Haus umgebaut wird? «Nein, die Freude überwiegt.» Noch habe sie es nicht richtig realisiert. «Immer wieder wurde uns gesagt: Nächstes Jahr wird umgebaut. Dass es nun soweit ist, macht uns glücklich», sagt die Kurtheaterleiterin.

Der Spielbetrieb wird trotz Umbau- und Erweiterungsarbeiten weitergehen: Unter dem Slogan «Kurtheater ausser Haus» werden die Produktionen an verschiedenen Standorten in der Stadt Baden aufgeführt, unter anderem in der Alten Schmiede, in der «Langmatt» oder im Nordportal. «Das Programm für die Theatersaison 2018/19 werden wir am 13. Juni bekannt geben», sagt Albanesi. Die Gestaltung liegt wiederum beim Dramaturg Armin Kerber. Im Frühjahr 2020 soll dann das umgebaute Kurtheater unter einer neuen künstlerischen Leitung wiedereröffnet werden.

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