Dunkel erheben sich die Baumkronen in den wolkenverhangenen Himmel hinter der noch leeren Freiluftbühne im Kurpark. Unheimlich und beschützend zugleich umrahmen sie das Bühnenbild auf dem in wenigen Momenten «Ein Sommernachtstraum» von William Shakespeare aufgeführt werden soll. Inszeniert wurde das Stück von Theaterregisseur Elias Perrig. Die Schauspieler sind vom mobilen Theater Kanton Zürich. Ein dunkler, verwunschener Wald bildet auch den zentralen Schauplatz, der wohl meist aufgeführten Komödie überhaupt. In diesen Wald nahe der Stadt Athen flüchten sich nachts die Verliebten Hermia und Lysander, denn Hermia ist auf den Willen ihres Vaters Theseus, Herzog von Athen, Demetrius versprochen. Schutz und Zuflucht der jungen Liebe soll der Forst gewähren.

«Denn», flüstert Lysander seiner Geliebten am Vorabend vieldeutig zu, «so weit reicht das Gesetze Athens nicht.» Der Sache auf die Spur gekommen und entflammt vor Eifersucht, folgt Demetrius dem heimlichen Paar. Im Schlepptau hat er Helena, die, blind vor Liebe zu Demetrius, leider unerwidert, hinter ihm durchs dunkle Gehölz stolpert.

Im Wald gelten andere Gesetze

Wo die Gesetze der Stadt nicht gelten, man ahnt es, herrschen andere, dunklere Mächte. Die schlaflosen Liebenden rennen geradewegs in die Hände des stets singenden, stets Schabernack treibenden Waldgeistes Puck. Der Waldgeist, die rechte Hand des Elfenkönigs Oberon, ist gerade dabei, für den Elfenkönig einen Liebestrank zu brauen. Das Liebeschaos wird komplett, als Puck den Trank nicht nur, wie ihm befohlen, der verkrachten Elfengemahlin Titania, sondern auch den jungen Menschen einflösst. Fortan kennt die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Stand und (gleichem) Geschlecht erst recht keinen Unterschied mehr.

Seiner Bezeichnung als Lustspiel machte die Inszenierung alle Ehre. Das Theater des in Hamburg geborenen Schweizers Elias Perrigs wurde diesen Donnerstag zum letzten Mal aufgeführt. Mit viel Sprachwitz und Humor, der mitunter obszön, aber nie geschmacklos war, vermochten es die Schauspieler über das gesamte Stück die vollen Zuschauerrängen zu fesseln – und das, obwohl der Saisonstart des Kurtheaters selbst nicht gerade ein Sommernachtstraum war.

Shakespeare im 21. Jahrhundert

Theaterregisseur Perrig überführt das Stück, das vermutlich 1595 geschrieben wurde, ins 21. Jahrhundert. So wird die Liebesversessenheit Helenas von Demetrius als «Stalking» bezeichnet, und die fremdgehende Titania trägt Leopardenmuster und wasserstoffblonde Haare. Die zahlreichen selbst referenziellen Stellen im Stück sind oft mit unterschwelligem Humor durchsetzt. Dadurch verwischen sie die Grenzen zwischen Dramentext, Theateraufführung und Wirklichkeit.

So kommentiert Puck sein Liebestrank-Malheur in theatralischer Selbstzufriedenheit mit: «Ich bin nicht unfroh, lief es verkehrt, es hat gewissen Unterhaltungswert.»

Mit «Ein Sommernachtstraum» startete die Spielzeit des «Kurtheaters Ausser Haus» in die neue Saison. Am 13. und 14. September geht es bereits weiter mit «Eroica», einer musiktheatralischen Inszenierung der 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in der Alten Schmiede des «Werkk».