Baden

«Kurtheater ausser Haus» geht ins Royal: «Das passt super»

Drei sind einer zu viel: Theater Marie im Royal.

Drei sind einer zu viel: Theater Marie im Royal.

Das «Kurtheater ausser Haus» war mit dem Theater Marie im Kulturhaus zu Gast. Bilanz: Das war ein sehr gelungenes Experiment.

Kurtheater-Leiterin Lara Albanesi steht höchstpersönlich im Foyer des Kulturhauses Royal an der Haselstrasse in Baden und lässt die Besucher ein. Ausverkauft ist die Vorstellung, was bei nur 80 Plätzen aber auch schnell der Fall ist.

«Lässig», ruft eine Besucherin beim Blick in den Saal des früheren Kinos. Derweil sitzen die Schauspieler Herwig Ursin, Diego Valsecchi und Barbara Heynen schon auf der Bühne und warten, bis es losgeht.

Ton in Ton sind ihre Kostüme und die graubraune Tapete gehalten, mit welcher die Bühne drapiert. Sie verschmelzen optisch schier damit. Selbst die mitgebrachten Taschen sind im selben Dekor gehalten.

Es wird viel gesungen

Wobei man schon mitten drin ist im Sujet von «Bitte nicht schütteln!» der freien Aargauer Gruppe Theater Marie: der Einzelne in der Gemeinschaft, das Ich in der Gruppe, der Mensch im Spannungsfeld zwischen Uniformität und Individualität.

Es ist ein «konfliktscheues Theater mit viel Gesang», wie es im Untertitel heisst. Und gesungen wird viel auf der Bühne.

Dabei unterstreicht so gut wie jeder Song, dass der Mensch sein Selbstwertgefühl meist in der Interaktion mit anderen sucht: «You’re nobody till somebody loves you», der Oldie aus dem Jahr 1944, den das Trio immer wieder anstimmt, bringt es wohl auf den Punkt.

Die Flucht ins Animalische ist auch keine Lösung

Und geliebt werden geht eben oft nur damit, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, zu verheimlichen, was man wirklich denkt. Auch die Flucht ins Animalische, von der Truppe symbolhaft mit dem Aufstülpen eines Zebrakopfes versinnbildlicht, ist keine Lösung, wenn der unverdaute Fernsehstreit weiterhin auf den Magen schlägt.

Mal befinden sich die Akteure in einer Art Zwiesprache untereinander. Mal posaunen sie Plattitüden heraus – Witze, Werbesprüche, Poesiealbumreime. Und hier ernten sie die meisten Lacher. Am Schluss wird das Harmoniestreben selbst Anlass zum Streit, dann, wenn sich das alte Sprichwort bewahrheitet: Drei sind einer zu viel.

Eine neue Kulturlocation

«Bitte nicht schütteln!» ist ein höchstvergnügliches, gut einstündiges Kammerspiel, das nach der Premiere im September im Aarauer Theater Tuchlaube im Royal Baden jetzt zum zweiten Mal zur Aufführung kam. Und das eben im Rahmen von «Kurtheater ausser Haus». Kurtheater-Leiterin Lara Albanesi findet: «Das passt super ins Royal.»

Das frühere Kino war erstmals Spielstätte bei «Kurtheater ausser Haus». Und Albanesi sieht darin eine Chance, sich gegenseitig neue Perspektiven zu eröffnen: Kurhaustheater-Abonnenten entdecken eine für sie neue Kulturlocation.

Lange verbunden mit Royal

Die Royal-Klientel nimmt wahr, was das grosse Badener Haus mit seinen 600 Plätzen so alles im Repertoire hat. «Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht», sagt Lara Albanesi.

Und findet es fast ein bisschen schade, dass 2020, wenn das Kurtheater nach dem Umbau neu eröffnet, das dezentrale Spielkonzept zu Ende gehen wird. «Aber die eine oder andere Kooperation wird es auch in Zukunft geben.»

«Mit dem Kurtheater verbindet uns eine enge Zusammenarbeit, viele unserer Projekte entstehen in Koproduktion», so Patric Bachmann, beim Theater Marie für die Dramaturgie zuständig. Auch mit dem Royal sei man schon länger verbunden. «Das ehemalige Kino hat einen unverwechselbaren Charme. Wir spielen sehr gerne hier.»

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