Baden
Künstlerinnen mit Kultstatus stellen in der Langmatt aus

2021 zeigen eine der angesagtesten Malerinnen Grossbritanniens und eine Literaturnobelpreisträgerin ihr Schaffen im Badener Museum.

Ursula Burgherr
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Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller wird das Museumsjahr 2021 in der Langmatt abschliessen

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller wird das Museumsjahr 2021 in der Langmatt abschliessen

Badener Tagblatt

Die kostbaren Malereien sind abgehängt, die Möbel ausgeräumt. Ein Reinigungstrupp bohnert das Parkett, putzt die Kristallleuchter und entstaubt die Vorhänge. Das Museum Langmatt wird für die neue Saison auf Vordermann gebracht, die am 27. Februar startet. „Wir arrangieren die Sammlung von Sidney und Jenny Brown völlig neu“, bekundet Museums-Direktor Markus Stegmann.

Noch nie war es so schwierig ein Programm aufzugleisen wie dieses Jahr. „Wir müssen wegen Corona mit allem rechnen“, meint der Kunsthistoriker. Viele Veranstaltungen wurden von den Innenräumen nach draussen in den Park verlegt. Vernissagen zu den Ausstellungen gibt es keine, sondern Eröffnungstage, damit sich das Publikum besser verteilt.

Die erste Ausstellung vom 28. Februar bis 24. Mai bestreitet die Engländerin Rose Wylie. Mit ihren Bildern zwischen surrealem Pop, Graffiti, und Streetart-Comic hat sie in ihrer Heimat inzwischen Kultstatus erreicht und ist Mitglied der Royal Academy of Arts. Dabei ist Wylie 86 Jahre alt und wurde erst vor knapp 20 Jahren entdeckt. Gemalt hatte sie zwar schon immer, ihre Karriere aber zugunsten ihrer Familie und einem klassischen Mutter- und Hausfrauendasein untergeordnet. Stegmann hat den Star der britischen Kunstszene besucht und war überrascht: „Sie lebt total bescheiden in einem uralten baufälligen Handwerkerhäuschen in Kent und sitzt trotz des hohen Alters immer noch täglich an ihrer Staffelei.“

Auch junge Schweizer Newcomer stellen aus

In den ehemaligen Kellerräumen des Museums Langmatt, wo früher die Bediensteten arbeiteten, geht vom 25. April bis 31. Oktober die Neuauflage der seit vier Jahren bestehenden Serie „Raumfahrt“ über die Bühne. Sie fokussiert sich auf junge, noch relativ unbekannte Schweizer Newcomer. Maya Hottarek, Matheline Marmy und Timo Paris arbeiten vor allem installativ. Ihre Werke thematisieren düstere Vorahnungen und das prekäre Verhältnis von Mensch und Natur. „Das apokalyptische Bild der Welt ist in der jungen zeitgenössischen Kunst zentral – nicht zuletzt auch wegen des schwierigen vergangenen Jahres“, meint Stegmann.

In den Haupträumen folgt auf Wylie vom 30. Mai bis 22. August die in Deutschland viel beachtete Malerin Vivian Greven. In ihren Arbeiten spielen Nacktheit und Körperlichkeit eine grosse Rolle. Mit ihrem Stil lehnt sich die Düsseldorferin an die traditionelle Kunst der Renaissance und Antike an. „Ihre Figuren leuchten von innen heraus und sind von einer geheimnisvollen, manchmal beinahe religiös wirkenden Energie beseelt“, zeigt sich Stegmann begeistert.

Zeitgleich mit Greven stellt der Bündner Künstler Not Vital im Park seine Heuballen-Skulpturen aus und tritt mit archaischen Keramik-Stelen in Dialoge mit kostbarem chinesischem Porzellan aus der Han-Dynastie der Sammlung.

Krönender Abschluss mit Herta Müller

Den Ausstellungsreigen beschliesst ab 5. September die in Rumänien geborene Autorin Herta Müller, die 2009 den Literaturnobelpreis verliehen bekam. Die Schriftstellerin schreibt nicht nur vielbeachtete Bücher, sie macht auch seit mehr als 30 Jahren postkartengrosse Collagen und zeigt diese erstmals in der Schweiz. Dafür schneidet sie Worte aus Publikumszeitschriften aus und klebt sie zu Gedichten zusammen. 140 Textcollagen werden in der Galerie der Langmatt zu sehen sein. Sie erzählen von der schweren Vergangenheit Müllers, die in ihrem Heimatland ständiger Überwachung und Repression ausgesetzt war. Sie flüchtete schlussendlich nach Berlin.

Erstmals in der Schweiz zu sehen: Herta Müllers Collagen

Erstmals in der Schweiz zu sehen: Herta Müllers Collagen

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Auch für die kleinen Museums-Besucherinnen und Besucher gibt es Neues zu entdecken. Per App können sie sich unter dem Motto „Finde Harry!“ auf digitale Schnitzeljagd machen und den jüngsten Sohn der Familie auf einem spannenden Rundgang durch den Park mit überraschenden Stationen suchen. Im Innenbereich wird das Atelier der einstigen Hausherrin Jenny Brown wiederhergestellt und vermittelt dem Publikum einen persönlichen Einblick in die Welt der Sammlerin.

Weitere Infos zum Programm 2021: www.langmatt.ch