Baden
Künstler servieren kulturelle Häppchen im Halbstundentakt

Die fünfte «KulTour» hat die Stadt Baden in Beschlag genommen. Ein Rundgang zeigt, wie vielfältig Kultur ist. Da trifft zum Beispiel Tanz auf Panflötenklänge. Oder mittelalterliche Töne erklinen plötzlich im Treppenhaus eines Parkhauses.

Patrick Hersiczky
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Künstler servieren kulturelle Häppchen im Halbstundentakt
11 Bilder
Tanzenend der Junihitze entgegenhalten
Rot ist die Farbe der KulTour und rot der Faden, der fuehren sollen
Musikalische und fröhliche Eröffnung auf dem Schlossbergplatz
Pianoklänge, die den Gartensaal der Villa Boveri verzaubern
Kultur auch auf Stelzen
Farbige Plastik in der Baederstrasse weissen den Weg
Kinder geniessen das heruntergekuehlte Thermalwasser
Abkühlung auf dem Kurplatz
Baden ist eben Baden
Das rote Band, das Eintritt gewährt

Künstler servieren kulturelle Häppchen im Halbstundentakt

Patrick Hersiczky

11.15 Uhr, Schlossbergplatz. Baden ächzt an diesem Junitag unter der Hitze. Dann auch noch dies: Für Aussenstehende trägt sich Seltsames zu. Menschen mit roten Bändern in den Haaren oder an den Händen und eine rot geschminkte Frau auf Stelzen tanzen vor dem Stadtturm.

Wer an diesem Vormittag die Stadt jedoch genauer betrachtet, findet überall die rot eingehüllten Hinweise. Die fünfte «KulTour» ist offiziell eröffnet. Und das heisst: 62 Künstler an 43 Orten verteilt. Diese offerieren Kulturhäppchen im Halbstundenakt und das zum Teil bis zu zwölf Stunden lang. «Wir haben etwa zwei Jahre Vorbereitungsarbeit geleistet», sagt Projektleiterin Steffi Kessler. Die Sponsorensuche gestaltete sich dieses Mal etwas schwieriger. «Die Firmen wählen genauer aus», sagt Stefie Kessler. Dennoch haben die Organisatoren das Budget von 277’000 Franken zusammengebracht. Schwierig für die Sponsorensuche sei es, dass der Anlass nur alle drei Jahre stattfindet, so Kessler.

Mix aus Amateuren und Profis

Das Organisationskomitee hat darauf geachtet, dass es unter den Künstlern einen guten Mix von Amateuren und Profis gibt. Ein Rundgang zeigt, wie vielfältig Kultur sein kann. Während beim Tränebrünneli an der Limmat Panflötenklänge begleitet von Tanzeinlagen zu hören sind, vergnügen sich Kinder auf dem Kurplatz in einem Planschbecken – natürlich gefüllt mit Thermalwasser, das jedoch etwas heruntergekühlt werden musste.

Oder da ist auch die Slam-Poetin Patti Basler, die Zuschauereingaben in Wortakrobatik verzaubert. Ein spezielles Erlebnis bot Fantoche, das internationale Festival für Animationsfilme: Die im Stadtturm gezeigten Kurzfilme haben jeweils nur einen einzigen Zuschauer.

Mittelalter im Treppenhaus

Daneben gibt es Literatur wie etwa die Kriminalgeschichte mit dem Titel «Spanische Brötli». Wer sich für literarisch sattelfest hält, kann sich im Teatro Palino einem Quiz stellen. Kultur heisst aber natürlich auch Musik. So fragt sich manch ein Parkhausbenützer im Ländli, woher die mittelalterlichen Klänge wohl stammen können. Im Treppenhaus singt das Ensemble «Musica Antiqua» Stücke aus der mittelalterlichen Volksmusik. Aus dem Gartensaal der Villa Boveri ertönen wenig später feinste Klavierklänge, die mit bis zu sechs Händen gespielt werden.

Für die Organisatoren ist die «KulTour» jedoch nicht nur eine Veranstaltung; sie soll auch verbindend wirken. An jedem Programmheft ist deshalb ein rotes Gummiband befestigt, das zum Gummitwist einladen soll. Für dieses Spiel braucht es bekanntlich einen Partner. Auch das ist Kultur.