Kaum ein Lokal hat in den letzten Jahren so viele Menschen bewegt wie das «Royal». Bereits zweimal wurde das ehemalige Kino vor dem Abbruch bewahrt. Zuletzt gelang dem Kollektiv Royal dank Protestmarsch, Crowdfunding und Tausenden von Unterschriften die Verlängerung des Mietvertrags für die nächsten 20 Jahre. Der Kampf um das «Royal» zeigt, wie sehr sich kulturelle Institutionen immer wieder rechtfertigen müssen: gegenüber Vermietern; gegenüber Politikern und Geldgebern; gegenüber Teilen der Bevölkerung. Im Fall des «Royals» ist es eine Erfolgsgeschichte, die basisdemokratisch geschrieben wurde.

Diese Woche startet das «Royal 2.0» in die vierte Saison. Das vielfältige und gehaltvolle Programm zeugt davon, dass das Kulturhaus nie aufgehört hat, seine Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen: Konzerte stehen neben politischen Diskussionsrunden, Filmvorführungen neben Kunstausstellungen, Lesungen neben einem Live-Hörspiel, Cabaret und Theater. Das ist Kultur in allen Facetten.

Das «Royal» hat neuen Ort für Kunst gefunden

Aber der Reihe nach: Den Auftakt machte am Mittwoch die Kunstvernissage von Isabel Peterhans. Sie übersetzt Sprichwörter aus aller Welt wortwörtlich ins Deutsche und in humorvolle Illustrationen, die im royalen Schaufenster zu sehen sind. Mit dem Schaufenster hat das Badener Kulturhaus einen Ort für bildende Kunst gefunden, und mit den «Vernissagen ein Format, womit den Künstlerinnen und Künstlern der gebührende Dank und die Wertschätzung gezollt werden können», sagt Anina Riniker vom Kollektiv Royal.

Die Vernissage gehört zur Veranstaltung «Royal Fish», einem audiovisuellen Spätprogramm des «Fantoches». Von Mittwoch bis Samstag lassen sich die Animationsfilmtage bei musikalischen Screenings, Konzerten und VJ-Battles im «Royal» feierlich ausklingen. Klangvoll geht es im Herbst dann weiter mit teilweise schon jetzt ausverkauften Konzerten. Etwa das Konzert der Indiemusiker «Black Sea Dahu» (11. 10.) und «Radical Face» (17. 11.), der Lokalmatadoren «One Sentence Supervisor» (5. 10.) und Yokko (25. 10). Ein besonderes Erlebnis für die Ohren dürfte zudem das Live-Hörspiel «Hörrausch» (14. 11.) werden.

Das Kulturhaus bietet Platz für politische Diskussionen

Neben Kunst und Musik ist das «Royal» auch ein Ort für politische Diskussionen und Meinungsbildung. In der kommenden Saison wird entlang der «Royal»-Themen über die politische Teilnahmslosigkeit (10. 9.) mit Anna Rosenwasser und Rebekka Wyler sowie zu hohe Mieten (11. 9.) mit Cédric Wermuth und Jacqueline Badran diskutiert. Aber auch die Energiepolitik (19. 9.) wird anhand historischer Film- und Fernsehbilder zum Thema «Zündstoff Energie» und anschliessender Expertenrunde debattiert.

In Anlehnung an sein früheres Leben zeigt das Kulturhaus auch heute immer wieder Filme. Die Reihe «Royalscandalcinema» widmet sich dabei bewusst Filmen, die in der Vergangenheit oder in anderen Teilen der Welt an Tabus gerüttelt haben oder gar unter Zensur gestellt wurden. Diesen Herbst ist es der Film «Padmaavat – ein Königreich für die Liebe», ein indisches Filmdrama, das letztes Jahr für Morddrohungen, Massenproteste und brennende Kinos auf dem indischen Subkontinent gesorgt hatte, weil der Film Konflikte zwischen Hindus und Muslimen thematisiert. Den nötigen Kontext und die Einbettung des Films gibt der Historiker und Kolonialgeschichtsexperte Harald Fischer-Tiné.

So weit eine Auswahl der Veranstaltungen der kommenden Veranstaltungen. Sie dürfte Beweise genug liefern, dass sich das «Royal» seinen Platz in der Stadt nicht nur verdient hat, sondern sich diesen immer wieder von Neuem verdient.