Jacqueline Bosco, ihr Mann Benno und Klaus Rüegsegger sitzen auf einem Keramikhügel der «Exacte Landschaft» bei der Kantonsschule Baden. «Es ist jammerschade, dass unser Kunstwerk abgerissen werden soll», sagt Rüegsegger. Die Künstler haben deshalb Anfang Januar Regierungsrat Alex Hürzeler einen Brief geschrieben. «Wir wollen nicht einfach so akzeptieren, dass die ‹Exacte Landschaft› verschwinden muss.»

Die drei Künstler gehören dem fünfköpfigen Team an, welches das 24 Mal 16 Meter grosse Kunstwerk in den Jahren 1981 und 1982 entworfen und erbaut hat. «Die Landschaft soll ein Ort des Spiels und der Begegnung werden», hiess es in den Skizzen zum Projekt. Jetzt aber empfiehlt der Regierungsrat in seiner Vorlage an den Grossen Rat, die «Exacte Landschaft» abzubauen und an deren Stelle ein Provisorium mit zusätzlichen Schulzimmern zu errichten. Den Entscheid fällt der Grosse Rat am 17. Januar. Ohne neue Bauten gibt es an den Mittelschulen im Raum Baden/Wettingen ab dem nächsten Schuljahr zu wenige Klassenzimmer.

Ausdruck der 80er-Jahre

«Die Meldung, dass das Kunstwerk abgerissen werden soll, schockiert uns», sagt Jacqueline Bosco. «Wir haben immer noch sehr grosse Freude an der ‹Exacte Landschaft›. Das Kunstwerk ist ein ‹deutlicher Ausdruck der 80er-Jahre›.»

Ende November hatte es noch ganz danach ausgesehen, als ob die zusätzlichen Schulzimmer auf einem der roten Sportplätze bei der Kanti errichtet würden. Das Provisorium war bereits ausgesteckt. Im Bericht zur Grossratsbotschaft heisst es nun aber: «Es musste der Standort der ‹Exacte Landschaft› gewählt werden, die abgebaut wird. Mit diesem Standort ist eine Lage gewählt, welche die Ensemblewirkung der ganzen Anlage nicht beeinträchtigt und nach Ablauf der Nutzungsdauer wieder eine sinnvolle Freifläche generiert.»

«Sportanlagen gibt es Hunderte, es gibt aber nur eine ‹Exacte Landschaft›», sagt Klaus Rüegsegger. «Dass das Provisorium derart fantasielos platziert wird, das ist zu viel», schreiben die Künstler. «Aus unserer Sicht ist die Platzierung des Provisoriums auf dem Hartplatz, wie ausgesteckt, die beste Lösung.» Die Gruppe schlägt in ihrem Brief an den Regierungrat einen Kompromiss vor. Das Provisorium könne auf dem vorgesehenen Quadranten gebaut, müsste aber anders als vorgesehen platziert werden. «Das Provisorium könnte parallel zur ‹Exacte Landschaft› aufgestellt werden.» So könnte das rechtwinklige Kunstwerk als Zugang zum Provisorium dienen. Die Künstler bitten den Regierungsrat, diesen Vorschlag zu prüfen. «Wir sind überzeugt, dass sich diese Anstrengung lohnt: für die Schule und für eine nachhaltige Baukultur.»

Ein desolates Bild

Die ‹Exacte Landschaft › habe nie die Wertschätzung erfahren, die sie verdient hätte, sagen die Erschaffer weiter. «Sie ist in einem schlechten Zustand. Ein desolates Bild. 30 Jahre lang hat man sie vernachlässigt.» Die von Vandalen beschädigte Vitrine mit dem vom Wind umgeblätterten Gedichtbuch zum Beispiel sei nie repariert worden. «Es würde sehr wenig brauchen, um der ‹Exacte Landschaft› neuen Glanz zu verleihen.»