Bereits zum zweiten Mal innert sechs Monaten geht der Verein ABB Kinderkrippen in die Offensive und wirbt für Kinderbetreuung in seinen 16 Krippen in der Region. Die Massnahmen kommen nicht von ungefähr. Die Kinderkrippen bekommen den Stellenabbau bei General Electric (GE) zu spüren. 1000 Stellen hat GE in Baden bereits gestrichen, weitere 1100 sollen kontinuierlich abgebaut werden. «Bei den betreuten Kindern von GE-Mitarbeitenden spüren wir bereits einen Rückgang und es wird voraussichtlich noch mehr zurückgehen», sagt Jeannette Good, Geschäftsleiterin des Vereins ABB Kinderkrippen. Jahrelang stammten rund 40 Prozent der betreuten Kinder in den ABB Kinderkrippen aus GE-Familien, doch inzwischen hat diese Zahl abgenommen.

Nun hat der Verein reagiert. «Wir haben uns um die Mitgliedschaft im Krippenpool Region Baden beworben und gehören seit letztem Sommer dazu», sagt Good. Damit könne der Verein sein Angebot einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen. Obwohl das Betreuungsangebot seit je allen Eltern offenstand, konnten nur Vereinsmitglieder wie ABB oder auch GE-Mitarbeitende von Plätzen profitieren, die durch den Arbeitgeber subventioniert werden. Die Vereinsmitglieder hätten nach wie vor einen prioritären Anspruch auf offene Krippenplätze, heisst es seitens des Vereins. Durch den Anschluss am Krippenpool erhalten nun aber auch Eltern aus den Gemeinden Baden, Ennetbaden Obersiggenthal und Wettingen Subventionsbeiträge ihrer Wohngemeinden, wenn sie ihre Sprösslinge in einer ABB-Kinderkrippe betreuen lassen. Wobei sich dies mit dem neuen Kinderbetreuungsgesetz, das ab dem nächsten Schuljahr in Kraft tritt, erübrigt. Denn das Gesetz verlangt, dass Eltern je nach ihrer wirtschaftlichen Situation direkt Subventionsbeiträge erhalten, unabhängig davon, in welcher Krippe sie ihr Kind betreuen lassen – immer unter der Bedingung, dass die Krippe oder Kita die nötigen Qualitätsstandards erfüllt. Man habe aber nicht auf das neue Kinderbetreuungsgesetz warten wollen. «Wir wollten frühzeitig auf die Situation reagieren und unsere Krippen noch stärker für die breite Bevölkerung öffnen», sagt Good, und fügt an: «Die ABB-Kinderkrippen sind immer noch gut besetzt.»

Starke Konkurrenz

Die Entlassungen bei GE bekommen auch die anderen Kinderkrippen beziehungsweise Kindertagesstätten zu spüren. Amanda Wildi, Geschäftsleiterin der Fachstelle für familien- und schulergänzende Kinderbetreuung (K&F) in Ennetbaden, sagt: «Es dürften einige Plätze frei werden, nicht nur durch den Wegzug von ehemaligen GE-Mitarbeitenden, sondern auch durch Zuliefererfirmen, die vom GE-Abbau in Mitleidenschaft gezogen werden und ebenfalls Stellen abbauen.» Dieser Prozess sei aber sehr schwer einzuschätzen. Komme hinzu, dass durch die Öffnung der ABB-Kinderkrippen für Nichtmitglieder andere private Kitas eine starke Konkurrenz erhalten werden. «Dort dürften Plätze frei werden», sagt Wildi.

Good macht kein Geheimnis daraus: «In den vergangenen Jahren wurden die Geschäftsmodelle der Kinderkrippen professionalisiert und einem gesunden Wettbewerb ausgesetzt. Da braucht es nicht nur Innovation und gute Qualität, sondern auch Präsenz.» Das gelte auch für einen nicht gewinnorientierten Verein. Denn der Betrieb einer qualitativ guten Krippe lasse sich finanziell nur aufrechterhalten, wenn sie mehr oder weniger ausgelastet sei.

Der Haken an freien Kitaplätzen

Viele freie Kitaplätze: Das klingt für Eltern, die nach einem Betreuungsplatz für ihre Kinder suchen, im ersten Moment wie Weihnachten. Doch die Sache hat einen Haken. «Sobald ein Überangebot an Kitaplätzen herrscht, kann es schnell passieren, dass einzelne Kitas nicht mehr rentieren, weil sie zu wenig ausgelastet sind», erklärt Wildi. «Das kann man momentan in der Stadt Zürich beobachten, wo ein Überangebot an nicht subventionierten Kitaplätzen herrscht und demzufolge Kitas verkauft oder geschlossen werden.»

Wie die Situation in der Region ist und ob allenfalls ein Überangebot an Plätzen besteht, lässt sich nur schwer einschätzen. Aus Goods Sicht ist der Markt in der Region Baden gut gedeckt. Auch die Geschäftsleiterin des Krippenpools, Barbara Käser, sagt, «der Bedarf an Plätzen ist momentan gedeckt und wir vernehmen von Kitabetreibern, dass sie weniger Zuwachs haben.» Eine Einschätzung sei sehr schwierig, da sich die Nachfrage nach Krippenplätzen laufend verändert. «Eine Herausforderung für die Krippen ist, dass sie mit dieser Situation umgehen und flexibel darauf reagieren können.»