Klassik
Die Badener Konzertreihe Marina Korendfeld feiert Jubiläum - 400 Konzerte in 25 Jahren

Carol Bauer und Marina Korendfeld haben vor 25 Jahren die Badener Konzertreihe Marina Korendfeld am Küchentisch gegründet. Im Gespräch erzählen sie, wie es dazu kam und was noch kommt.

Elisabeth Feller
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Die beiden Musikpädagoginnen Marina Korendfeld und Carol Bauer sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Die beiden Musikpädagoginnen Marina Korendfeld und Carol Bauer sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Bild: Sandra Ardizzone

Hätte der Wind Backen, müsste er sie gewaltig aufgeplustert haben. Er bläst Tischsets, Gläser und Besteck auf den Restauranttischen hinweg. Doch gegen Menschen reicht die Kraft nicht, also findet das Treffen mit Marina Korendfeld und Carol Bauer wie geplant draussen statt. Musikfreundinnen und -freunden sind die beiden längst ein Begriff: vor 25 Jahren haben sie die Konzertreihe Marina Korendfeld gegründet, ohne die das Badener Kulturleben nicht mehr denkbar ist.

Seit 1996 treffen sich Interessierte vornehmlich, aber nicht nur in der Villa Boveri, um Kammermusik, Volksmusik oder Jazz zu lauschen. Die programmliche Bandbreite sucht ihresgleichen. Nicht verwunderlich, «denn wir mischen uns prinzipiell nie in die Programme unserer Künstler ein; sie sind völlig frei in der Gestaltung», betont Marina Korendfeld, «Wir sind so etwas wie Versuchskaninchen für unsere Künstlerinnen und Künstler.»

Die Konzertreihe wurde über dem Küchentisch gegründet

Dass sie je einmal Konzerte organisieren würden, hätten die beiden Musikpädagoginnen Carol Bauer und Marina Korendfeld nie gedacht. Doch vor einer halben Ewigkeit trafen sie sich in der Schule Neuenhof. «Ich war gerade aus dem Ausland gekommen», erzählt Carol Bauer, «war Musikgrundschullehrerin und wurde eines Tages von einer ebenfalls neuen Klavierlehrerin angesprochen. ‹Wollen wir gemeinsam einige Projekte mit unseren Schülern machen›? fragte sie mich. Zur selben Zeit gab eine junge russische Pianistin ein Konzert in der Aula. Wir beide besuchten es und waren begeistert. Auf unsere Einladung kam die Pianistin dann ein Jahr später wieder: das war die Geburtsstunde der Konzertreihe.» − «Gewissermassen über den Küchentisch», fügt Marina Korendfeld lachend hinzu: «Wir haben 400 Konzerte in 25 Jahren organisiert.»

Die beiden Gründerinnen bezeichnen sich als «eingespieltes Team», was man ihnen deshalb abnimmt, weil sie sich dank ihrer unterschiedlichen Temperamente perfekt ergänzen. Wie Friedrich Nietzsche teilen auch die beiden Frauen die Überzeugung: «Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.»

Ein Herzensanliegen ist die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler

Deshalb lassen sie sich immerzu überraschen, welche Musikerinnen und Musiker dieses Leben für sie bereithält. «Vieles kommt zufällig zustande, anderes dank Begegnungen und Gesprächen», sagt Marina Korendfeld und erwähnt als Beispiel den aus Odessa stammenden Pianisten Alexey Botvinov. Er gehört ebenso zu den Stammgästen wie der Bratschist Gilad Karni, die Cellisten Alexander Neustroev und Christoph Croisé, der Perkussionist Pierre Favre, der Cembalist Naoki Kitaya, der Geiger Sebastian Bohren und der Blockflötist Maurice Steger.

Ein Herzensanliegen ist Carol Bauer und Marina Korendfeld aber auch die Unterstützung ganz junger Musikerinnen und Musiker. Diese finden Villa Boveri genauso eine Plattform wie etwa der russische Alexander Boldachev, der mit seiner Harfe während der Pandemie zu Fuss durch die Schweiz wanderte.

Keine Konzertplanung ohne Kaffee

Glücksfälle? Die gibt es. Zu ihnen zählt eine Zufallsbegegnung im Zug. Carol Bauer kam auf der Fahrt mit einer Mutter ins Gespräch, die von ihrem Sohn erzählte, der bei den Zürcher Sängerknaben sang. Das liess Carol Bauer und Marina Korendfeld hellhörig werden: 2016 luden sie den Chor in die Katholische Stadtkirche Baden ein, um das 20-jährige Bestehen der Konzertreihe Marina Korendfeld zu feiern. Als die Organisation der Konzerte schliesslich «nicht mehr über den Küchentisch ging», wurde dank Hans Lutz und Sepp Schmid der Gönnerverein «Freunde der Konzertreihe» gegründet, «über dessen Unterstützung wir unendlich dankbar sind», betonen Bauer und Korendfeld.

Pianist Oliver Schnyder 2019 zu Gast in der Villa Boveri.

Pianist Oliver Schnyder 2019 zu Gast in der Villa Boveri.



Salome Meier

Ohne ein gutes Gespräch mit Kaffee geht’s nicht. Wie manche Tassen Marina Korendfeld einst mit dem Pianisten Oliver Schnyder getrunken hat, ist nicht überliefert. «Er war so unkompliziert», staunt die Konzertorganisatorin noch immer, «er hat schlicht ‹Ja› gesagt, als ich ihn nach Konzerten gefragt habe».

Seither gehören die drei Januar-Abende mit diesem Künstler zu jenen Anlässen, die sich Musikfreunde schon ein Jahr zuvor in ihren Agenden eintragen. Die Konzerte im diesjährigen Winter mussten Pandemie-bedingt zwar ausfallen, werden nun aber im Mai in der Reformierten Kirche Wettingen nachgeholt. Welche Komposition wäre für das 25-Jahr-Jubiläum der Konzertreihe Marina Korendfeld erfüllender als Johann Sebastian Bachs «Goldbergvariationen», die Oliver Schnyder erstmals im Konzert spielen wird und über die er sagt: «Sie ist ein Geschenk an die Menschheit.»

Konzertreihe Marina Korendfeld. Maiabende mit Oliver Schnyder, 21.−23.5. Kirche Wettingen. www.korendfeld.ch

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