Stephanie Haensler ist als Komponistin noch jung – und doch schon sehr etabliert: 2012 gewinnt sie den ersten Zuger Kompositionspreis und nur ein Jahr später den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb der Zürcher Hochschule der Künste. 2016 wird sie Preisträgerin des Kompositionswettbewerbs des Lucerne Festival in Zusammen- arbeit mit dem Schweizer Tonkünstlerverein.

Noch im gleichen Jahr gelingt ihr an der Münchner Biennale der internationale Durchbruch: Von der wichtigen Plattform für neues Musiktheater erhält Haensler den Auftrag für ein szenisches Werk, das sich in moderner Form mit dem Thema Erinnerung, auch an vergangene Musik, auseinandersetzt. Nach der Uraufführung schreiben Münchner Medien: «Diese Musik steckt voller Vitalität und inspirierender Reibungen.»

2017 folgt der nächste Karriereschritt: Die Camerata Zürich betraut sie zum 60-Jahr-Jubiläum mit einem Auftragswerk für Streichorchester. Ihr Werk «durch streifen» darf sie an den Zürcher Festspielen präsentieren. Daneben schreibt Haensler weitere Auftragswerke, etwa für das Ensemble Recherche Freiburg, das Ensemble Resonanz Hamburg und das Ensemble TaG Winterthur.

Komponieren wie eine Bildhauerin

Ihre Ausbildung erhält Stephanie Haensler an der Zürcher Hochschule der Künste: Violine bei Robert Zimansky, einem der vielseitigsten Musiker unserer Zeit, und Komposition bei der deutschen Professorin Isabel Mundry. «Bei ihr war ich zeitweise die einzige Studentin. Sie als Dozentin zu haben, hat dazu beigetragen, dass ich als Komponis-
tin an mich glaube», so Haensler.

Das Kreative liegt ihr im Blut. In ihrer Familie wurde viel musiziert, gestaltet und gelesen. Als Jugendliche interessierte sie sich für die bildende Kunst. Dieses visuelle Herangehen prägt auch ihre Kompositionen. «Am Medium Klang fasziniert mich besonders das Räumliche, Komponieren hat für mich etwas Bildhauerisches.»

Neben ihrer Arbeit als Komponistin – «damit wird man nicht reich» – spielt Stephanie Haensler als Geigerin in verschiedenen Kammermusikformationen. Auch hier reizt sie das Spiel zwischen alter und neuer Musik. Dazu unterrichtet sie an Musikschulen: «Das ist ein guter Mix, der mich inspiriert.»

Zeitgenössische Musik von Frauen

Ihr grösster Wunsch: mehr Frauenpower Die Nominierung für den NAB-Award freut Stephanie Haensler vor allem, weil sie so die zeitgenössische Musik ins Gespräch bringen kann, besonders die von Komponistinnen: «Auch heute noch werden Werke vorwiegend von männlichen Komponisten gespielt – dabei gibt es auch hervorragende weibliche Komponistinnen! Ich hoffe, dass meine Nomination dazu beiträgt, dass sich daran etwas ändert.»

Wenn sie mit ihrer Nominierung für den NAB-Award der jüngeren weiblichen Generation Mut machen kann, ginge damit ihr grösster Wunsch in Erfüllung. (az)

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