«Atmosphäre»

Komitee erntet Kritik, weil Wettinger Jubiläumsfest noch nicht abgesagt ist – doch auch andere warten ab

Wegen des Coronavirus ist die Durchführung vom «Atmosphäre»-Fest unsicher.

Wegen des Coronavirus ist die Durchführung vom «Atmosphäre»-Fest unsicher.

Der Entscheid, das Wettinger Jubiläumsfest noch nicht abzusagen, sorgte für Kopfschütteln. Doch die Organisatoren sind nicht die einzigen, die noch den Entscheid des Bundesrats abwarten, wie es nach dem 19. April weitergeht.

Dieses Jahr feiert Wettingen seinen 975. Geburtstag. Deshalb soll vom 14. bis 23. August unter dem Motto «Atmosphäre» ein grosses Fest stattfinden – inklusive Open Air im Tägi. Festbudget: 2,8 Millionen Franken.

Wegen des Coronavirus ist die Durchführung aber unsicher. Das Festkomitee hatte vor kurzem in einer Medienmitteilung verkündet, dass man abwarten möchte, über welche Massnahmen der Bundesrat für die Zeit nach dem 19. April verfüge, bevor man einen endgültigen Entscheid treffe. Dann werde das OK die neue Lage beurteilen und in Abstimmung mit der Gemeinde Wettingen über die Durchführung entscheiden. Die Vorbereitungen für das Fest würden derzeit immer noch auf Hochtouren laufen. Das sorgte in den sozialen Medien aber für Kritik, hatten offensichtlich einige erwartet, dass das Fest zumindest um ein Jahr verschoben würde.

Die Organisatoren ernteten auf Facebook virtuelles Kopfschütteln. «Wie viel Fäschtbudget werden die Menschen haben im August, nach fünf bis sechs Monaten Kurzarbeit?» hiess es unter anderem. Auch Vize-Einwohnerratspräsident Lutz Fischer-Lamprecht (EVP) verfasste einen Kommentar: «So bleibt das Damoklesschwert der Absage bestehen! Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein OK einer Beiz einen Entscheid fällt, der Kosten auslöst.» Arwo-Geschäftsführer Roland Meier äusserte ebenfalls in einem Kommentar seinen Unmut: «Für mich ist das zögerliche Verhalten des OK nicht nachvollziehbar. Viele haben jetzt und in den nächsten Monaten andere Sorgen als so ein Fest.» Sie würden auf jeden Fall aktuell keine Energie ins Fest stecken.

Branchenverband rät von Absagen ab

Jürg Koller, Kommunikationsverantwortlicher des OKs, hat zwar etwas Verständnis für die Kritik, aber: «Wir wollten die Beteiligten nicht weiter im Ungewissen lassen, weshalb wir uns entschieden, vorgängig über den Stand der Dinge zu informieren.» Ausserdem seien sie nicht die einzigen, die noch keine endgültige Entscheidung getroffen haben. Unter vielen anderen auch die Organisatoren des Open Airs St. Gallen, des Gurtenfestivals oder des Argovia-Fäschts, das im Juni auf dem Birrfeld stattfinden soll. Spätestens Anfang Mai müsse über die definitive Durchführung entschieden werden, sagte Marco Kugel, Leiter Events bei CH Media – das Unternehmen betreibt Radio Argovia –, in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende.

Den Entscheid des Bundesrats abzuwarten, empfiehlt auch der Schweizer Branchenverband der Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA). «Es macht keinen Sinn, jetzt schon abzusagen», sagt Präsident Christoph Bill. Werde der Bundesrat die ausserordentliche Lage verlängern, würde auch eine gesetzliche Basis geschaffen, um den finanziellen Schaden im Rahmen zu halten. Wenn Veranstalter ihre Events von sich aus absagen, seien sie in den allermeisten Fällen rechtlich in einer schlechteren Ausgangslage und mit Forderungen von allen Anspruchsgruppen konfrontiert, weil die Grundlage der höheren Gewalt fehlt.

«Aber die Zeit drängt», sagt Bill. Nach einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern der SMPA werde spätestens 60 Tage vor dem Veranstaltungsbeginn der Punkt erreicht, an dem die grossen finanziellen Verpflichtungen verbindlich eingegangen werden müssen und damit die nicht mehr rückforderbaren Kosten sehr stark steigen. «Wir können nicht länger warten und pochten deshalb auch in einem Brief an den Bundesrat darauf, dass er die Massnahmen für Veranstaltungen mit deutlich mehr Vorlaufzeit und rollend definiert», so Christoph Bill.

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