Baden

Kombiprojekt Naturschutzzone Matteneich: «Gewinner sind nicht nur die Frösche»

Thomas Egloff und Roland Temperli (kantonale Abteilung Landschaft und Gewässer), Marco Kaufmann (Projektverfasser) und Jakob Richi (Richi AG, v. l.).

Thomas Egloff und Roland Temperli (kantonale Abteilung Landschaft und Gewässer), Marco Kaufmann (Projektverfasser) und Jakob Richi (Richi AG, v. l.).

Der Kanton hat die Naturschutzzone Matteneich in Künten vorgestellt, die Lebensraum für zahlreiche Amphibien und Kleintiere bietet.

«Das Kombiprojekt Naturschutzzone Matteneich ist zwar etwas unkonventionell – am Schluss jedoch konnte eine gute Lösung gefunden werden», sagte Thomas Egloff von der Sektion Natur und Landschaft der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer bei einer Begehung.

Bei diesem Projekt, das von der Richi AG aus Weiningen und dem Kanton Aargau umgesetzt worden ist, standen die Verbesserung der Rekultivierung einer einstigen Kiesgrube und die Umgestaltung des Areals zu einem Laichgebiet für Amphibien im Vordergrund.

Böschungen wurden flacher ausgebildet

Das gut eine Hektare umfassende Gebiet, nordwestlich des Ortsteils Sulz der Gemeinde Künten, befindet sich im Eigentum des Kantons und liegt in einer Naturschutzzone. Ziele des Projektes waren neben der Schaffung neuer Laichgewässer für bedrohte Amphibienarten – insbesondere für den Laubfrosch – die Erstellung von Brutgelegenheiten für Uferschwalben. Zudem sollte ein Trittstein- und Vernetzungsobjekt für Kleintiere entstehen.

«Anhand eines Geländemodells ist eine Modulierung des Geländes erreicht worden, die annähernd dem einstigen Prallhang der Reuss entspricht», so Marco Kaufmann von der Hunziker, Zarn & Partner AG (Aarau), die das Projekt verfasst hat.

Im Hinblick auf den künftigen Unterhalt des Gebietes sind aber die beiden Böschungen flacher ausgebildet worden. Zudem ist sichergestellt, dass kein Oberflächenwasser aus dem Naturschutzgebiet auf das tieferliegende Landwirtschaftsland abfliessen kann.

Noch fehlen die Schwalben

Insgesamt sind vier Laichgewässer für Amphibien mit einer Gesamtfläche von 1850 Quadratmetern erstellt worden. Durch einen Lehmkörper können zudem spontan weitere temporäre Tümpel und Pfützen entstehen.

Markantestes Element der neuen Naturschutzzone Matteneich ist – neben den beiden grossen Tümpeln – zweifellos die drei Meter hohe Sandaufschüttung mit der Uferschwalben-Brutwand. «Mit diesem Projekt ist die Chance gepackt worden, die in Stetten bestehenden Brutgelegenheiten für Uferschwalben zu ergänzen», sagte Roland Temperli, der stellvertretende Leiter Unterhalt Naturschutzgebiete in der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Im Gegensatz zu den Laubfröschen – die bereits während der Bauarbeiten die neuen Feuchtgebiete in der Matteneich entdeckt hatten – sind die Uferschwalben noch nicht «eingezogen». «Das braucht noch etwas Geduld», erklärte Roland Temperli.

«Das Landschaftsbild hat gewonnen»

Stein- und Asthaufen verleihen der Naturschutzzone zusätzlich Struktur. Rund um das Gebiet sind Hecken und Strauchgruppen gepflanzt worden. Auf drei Vierteln der Fläche hat man eine extensive Blumenwiesen-Saatmischung ausgebracht.

«In den ersten Jahren», so Roland Temperli, «wird der Kanton für den Unterhalt der Naturschutzzone Matteneich sorgen. Vorgesehen ist, dass die extensive Bewirtschaftung – Mähen oder Beweidung mit Tieren von Robustrassen – später einem Landwirt übertragen wird.»

Und Thomas Egloff stellte fest: «Gewinner des Projektes sind nicht nur Frosch & Co. Gewonnen hat auch das Landschaftsbild.» Das zeigt sich anhand alter Aufnahmen des Gebietes, auf dem einst mehrere Kiesgruben betrieben worden sind. Gewinner sind aber auch die Landwirtschaft und die Gemeinde durch die Verkleinerung des Flurwegnetzes.

Die Wogen haben sich geglättet

Thomas Egloff verschwieg aber auch die lange Leidensgeschichte des Vorhabens nicht. So war die Umzonung gegen den Willen des damaligen Gemeinderates durch den Kanton angeordnet worden. Ebenso die Landumlegung, die erst möglich wurde, nachdem die Richi AG eine Schlüsselparzelle erworben hatte.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Thomas Egloff: «Die spätere Zusammenarbeit mit der Gemeinde war stets pragmatisch und ohne Differenzen.» Und Jakob Richi (Richi AG) stellte fest, dass alles schön geworden sei.

Er wand dem Aargau ein Kränzchen für die gute Zusammenarbeit und gab zu bedenken: «Ohne den früheren Kiesabbau wären diese wertvollen Naturschutzflächen nicht entstanden.»

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