Gutscheinbüchlein mit «2 für 1»- Angeboten haben sich in zahlreichen Städten längst als beliebte Weihnachtsgeschenke etabliert. Pünktlich zur Adventszeit erscheinen nun auch in Baden zwei Gutscheinbücher: Das «Zweifach» und das «2 für 1». Allerdings war das so nie geplant. Als die Initianten die Doppelung bemerkten, war es bereits zu spät. Das Problem: «Der Markt in Baden ist zu klein, als dass beide Anbieter Gewinn machen könnten», befürchtet der Badener «Zweifach»-Mitherausgeber Michel von Burg. Er und sein Geschäftspartner brachten das «Zweifach» letztes Jahr zum ersten Mal heraus. Nun müssen sie sich gegen das «2 für 1» des Aarauers Frank Roth behaupten.

Auch ein Treffen, das aufgrund der Recherchen der «Schweiz am Sonntag« vor einigen Tagen zustande kam, brachte keine Lösung. Die beiden Parteien überlegten sich, ihre Büchlein zusammenzulegen. Doch die Diskussionen scheiterten, die Projekte waren bereits zu weit fortgeschritten und stehen kurz vor dem Druck. Auch eine künftige Zusammenarbeit komme eher nicht zustande, hiess es.

Juni 2014: Michel von Burg , der vor einem Jahr mit seinem Geschäftspartner das «Zweifach» lancierte, erhält von Freunden erste Hinweise, dass jemand aus Aarau in der Region Baden den Markt für die Gutscheine am Abgrasen ist. «Ich bekam Anrufe und Mails, ob wir das seien, die wieder ein Gutscheinbuch machen», erzählt von Burg. «Ich war im ersten Moment geschockt. Ich verstehe nicht, weshalb jemand, der in Aarau ein Gutscheinbuch macht, plötzlich nach Baden kommt.»

Als von Burg und sein Geschäftspartner Attila Horvath vor einem Jahr das allererste «Zweifach» lancierten, vereinten sie 40 Restaurants, Bars, Geschäfte und Wellnessburgen aus Baden und Umgebung. Diese boten im «Zweifach» zwei Produkte zum Preis von einem oder 50 Prozent auf einen Einkauf an. Für das erste «Zweifach» mussten von Burg und Horvath bei den Gewerblern für ihre Idee weibeln. Denn die gaben sich misstrauisch gegenüber dem Büchlein. «Wir mussten hier und da Kompromisse bei den Angeboten eingehen, um die Badener Gewerbler mit ins Boot zu holen.»

Damit das Büchlein attraktiv daherkommt, fuhren die beiden mit Fahrrädern die Region ab und schossen Fotos. Diese druckten sie auf die Rückseite der Gutscheine. «Wir machen das Büchlein als Hobby und hatten bei der Produktion der ersten Ausgabe viel Spass», sagt von Burg. Auch wenn sie mit der ersten Ausgabe einen Verlust einfahren mussten: «Uns war das von Anfang an klar. Jedes Gutscheinbuch macht im ersten Jahr Verluste», erklärt von Burg. Dieses Jahr hätten die beiden mehr Budget für Werbung gehabt; Inserenten für die Gutscheine zu finden, wäre um einiges leichter geworden; man hätte anfangen können, eine Stammkundschaft aufzubauen — hätte.

Bereits 2012 spielte Frank Roth , der in Aarau das «2 für 1» vertreibt, mit dem Gedanken, für Baden ein «2 für 1» zu produzieren. Im Frühling dieses Jahres fing er an, seinen Pläne in Taten umzusetzen: «Ich fragte Bekannte in der Tanzschule Salsabrosa in Baden, wo ich zweimal pro Woche tanze, ob es bereits ein solches Büchlein gibt», erzählt Roth. «Doch keiner wusste von einem solchen Gutscheinbuch.» Bei der Stadt oder Info Baden nachzufragen, daran habe er nicht gedacht, obwohl er sein «2 für 1» in Aarau auch beim Tourismusbüro Aarau Info vertreibt. «Aber selbst, wenn ich dadurch erfahren hätte, dass es das ‹Zweifach› gibt, hätte ich meine Pläne für Baden nicht geändert». So fingen Roth und seine zwei Mitarbeiter an, Badener Gewerbler zu akquirieren, die ihre Angebote im «2 für 1» abdrucken.

Doch die Gewerbler waren verwirrt: Wie von Burg fragten sie auch Roth, ob er der Gleiche sei, der schon letztes Jahr das Büchlein machte. «Da merkte ich, dass die Stadt schon ein Gutscheinbuch hatte, ich ging aber zuerst davon aus, dass es dieses nicht mehr geben wird, weil die Gewerbler nichts von einer zweiten Ausgabe des ‹Zweifach› wussten.» Das war im Juni.

Beide Herausgeber dachten damals noch nicht daran, miteinander zu sprechen oder gar ein gemeinsames Projekt aufzuziehen, um sich nicht gegenseitig den Markt zu ruinieren. «Mich motivierte die Konkurrenz, noch attraktivere Angebote zu akquirieren, um sicher ein besseres Büchlein zu haben als die anderen», sagt Roth. Auch von Burg erinnert sich: Mein Geschäftspartner und ich überlegten kurz, ob wir ihm das Feld überlassen sollen, doch unser Hobby aufgeben wollten wir nicht.» Roth beteuert, auch für ihn sei das «2 für 1» ein Hobby. Allerdings ein Hobby mit Ambitionen. «Ich plane, im kommenden Jahr in Freiburg oder Chur ein weiteres «2 für 1» zu lancieren», sagt er.

Nun erscheinen beide Büchlein Ende November. Roth will mindestens 1000 Stück verkaufen. Von Burg zweifelt: «Mehr als je 500 Stück werden es nicht. Für uns ist das aber in Ordnung, damit könnten wir unsere Kosten decken.» Die Badener Konsumenten werden auf jeden Fall an den Gutscheinbüchlein nicht vorbeikommen, zumal beide Parteien viel Werbung ankündigten.