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Klimaziele: Die Stadt Baden senkt Treibhausgas-Ausstoss – doch sie ist nicht überall ein Musterknabe

Kraftwerk Kappelhof: Kunden der Regionalwerke Baden können Strom aus rein erneuerbaren Energien beziehen.

Kraftwerk Kappelhof: Kunden der Regionalwerke Baden können Strom aus rein erneuerbaren Energien beziehen.

Der Treibhausgas-Ausstoss ist in den vergangenen fünf Jahren gesunken - in einem Bereich ist die Stadt nicht auf Kurs.

Die Schweiz will bis 2050 klimaneutral werden: Der Ausstoss an Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) oder Methan soll unter dem Strich auf null reduziert werden, wie Umweltministerin Simonetta Sommaruga diese Woche mitteilte. «Wir dürfen keine Zeit verlieren», sagte sie. Den Treibhausgas-Ausstoss zu senken, hat sich auch die Stadt Baden zum Ziel gesetzt: Vorletztes Jahr wurde mit dem neuen Energiekonzept beschlossen, die Emissionen bis 2026 im Vergleich zum Jahr 2013 um 30 Prozent zu verringern. Seit wenigen Tagen sind nun die Zahlen einer Zwischenbilanz öffentlich bekannt.

Man sei bei der Reduktion der Treibhausgase auf Kurs, teilt die Stadt mit. Pro Einwohner ging der Ausstoss von Treibhausgas zwischen 2013 und 2018 von 6,9 Tonnen auf 5,9 Tonnen CO2 und somit um 13,6 Prozent zurück. «Verbesserungen wurden hauptsächlich in den Bereichen Wärmeversorgung, Verkehr und Stromversorgung erreicht», erklärt Christian Vogler, Koordinator Energie der Stadt Baden. Gemessen werde die Treibhausgasentwicklung mit einem ausgeprägten Monitoring beziehungsweise rund dreissig Indikatoren. Weil die Ziele pro Person angegeben werden, ist das Wachstum der Bevölkerung berücksichtigt.

Positiv wirkte sich aus, dass die Zahl der immatrikulierten Personenwagen in Baden seit 2017 leicht rückläufig und der Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehr gesunken ist, wenn auch nur leicht, wie dem Lagebericht zur Umsetzung des Energiekonzepts zu entnehmen ist. Gleichzeitig stieg der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen leicht von 0,2 auf 0,5 Prozent; stärker nahm die Zahl der Hybridfahrzeuge zu.

Zum verringerten Treibhausgasausstoss trug weiter bei, dass in Baden diverse Ölheizungen durch Erdgasheizungen oder Wärmepumpen ersetzt wurden: Die Zahl der Ölheizungen verringerte sich von 750 auf 600. Entsprechend ist der Heizölverbrauch in Baden seit fünf Jahren stark rückläufig, er sank in dieser Zeit um fast einen Viertel. Der Effekt fällt ins Gewicht, denn rund vierzig Prozent der Badener Treibhausgase entfallen auf Öl- und Gasheizungen. Positiv auf das Resultat des Zwischenberichts wirkte sich überdies aus, dass die Versorgung des Wärmeverbunds Dättwil im Jahr 2017 von vollumfänglicher fossiler Energie auf rund 85 Prozent Holzenergie umgestellt wurde.

Energieverbrauch der Badener steigt

Weniger erfreulich sieht die Entwicklung beim Primärenergieverbrauch aus, der in Baden bis 2026 ebenfalls um mindestens 15 Prozent gesenkt werden soll. «Primärenergie beinhaltet neben der zum Beispiel in einem Haushalt verbrauchten Energie zusätzlich den Aufwand, der für die Bereitstellung und den Transport dieser Endenergie verbraucht wird», erklärt Christian Vogler. Von 2011 bis 2016 sank der Verbrauch zwar von 7327 Watt pro Person auf 5054 Watt; in den vergangenen drei Jahren stieg er aber wieder auf 5900 Watt pro Person an. «Dies ist vorwiegend auf Veränderungen beim Strommix und den zunehmenden Flugverkehr zurückzuführen», erklärt Vogler. Ein Strommix, bestehend ausschliesslich aus erneuerbaren Energien, würde die Treibhausbilanz tief halten und zusätzlich den Primärenergieverbrauch massiv entlasten. Mit zusätzlichen Anstrengungen seien die Ziele der Stadt beim Primärenergieverbrauch aber immer noch erreichbar, teilt die Stadt mit.

Diese Woche kam die weltweit geführte Klimadebatte auch im Badener Einwohnerrat zur Sprache: Dieser hat beschlossen, drei Ideen für eine nachhaltigere städtische Energiepolitik weiterzuverfolgen: die Nachtabschaltung der Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden der Stadt wie etwa des Stadtturms, eine höhere Vergütung für Solarstrom, der ins Netz der Regionalwerke gespeist wird, sowie eine Erhöhung des Biogasanteils bei Heizgaskunden der Regionalwerke. Nun wird sich der Stadtrat mit der Frage befassen, ob die Vorschläge umgesetzt werden sollen.

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