Baden

Klassik im Kulturcafé: Diese Sängerin bringt den Barock in die Bars

Nicole Wacker in «One night with Barbara». Ihr zweiter Auftritt wird in Baden sein.

Nicole Wacker in «One night with Barbara». Ihr zweiter Auftritt wird in Baden sein.

Die Badenerin Nicole Wacker widmet ihr Konzert im Kulturcafé ihrem langjährigen Vorbild Barbara Strozzi.

Sie verliess Baden, um klassische Sängerin zu werden. Nun führt sie ein langjähriger Traum in ihre Heimatstadt zurück: Am Samstag wird Nicole Wacker im Kulturcafé im Gestühl das Konzert «One night with Barbara» geben. Es ist Teil ihrer Konzertreihe mit dem Namen «BarockBar» – ein Konzept, das die Arien der Barockzeit in eine Bar bringt.

Die 24-Jährige ist mit klassischer Musik aufgewachsen: «Meine Mutter ist Statistin im Opernhaus Zürich und war damit ein Vorbild für mich und meine zwei Geschwister, dem Kinderchor des Opernhauses beizutreten». Eine Karriere als klassische Sängerin zeichnete sich in der Kantonsschule Wettingen ab. Ihre Gesangslehrerin Susanne Oldani motivierte sie, beim kantonalen Spitzenförderungsprogramm Musik Aargau teilzunehmen. Das Programm ist an Schüler der Kantonsschule mit besonderem Talent und Ehrgeiz gerichtet.

Meisterkurse, Gastauftritte und Preise

Dieses Programm ermöglichte Wacker einen erleichterten Zugang zum Studium. Bei den drei Hochschulen, deren Aufnahmeprüfungen sie absolvierte – Luzern, Bern und Zürich – wurde sie überall angenommen. Entschieden hat sie sich schliesslich für die Hochschule der Künste in Bern: Ausschlaggebend dafür war ihr Professor: «Christian Hilz kann sehr gut mit meiner Person und Stimme umgehen.»

Seit dem Beginn ihres Studiums für klassischen Gesang 2015 nahm Wacker an verschiedenen Meisterkursen der «Austria Barock Akademie» teil. Dadurch hatte sie die Gelegenheit, mit bekannten und erfahrenen Musikern zusammenzuarbeiten. Bald trat sie unter anderem in Wien und Stockholm auf. Ihren Bachelor of Arts im klassischen Gesang schloss sie 2018 ab – noch im selben Jahr gewann sie zwei Preise in der Ukraine. Derzeit macht Wacker ihren Master of Arts in Music Performance.

Eine psychische Herausforderung

Hinter all diesen Erfolgen steckt enorm viel Disziplin: Wacker übt bis zu drei Stunden am Tag. Doch reines Stimmtraining sei nicht genug. Zusätzlich stünden noch Sport für die Körperspannung und Ausdauer sowie mentales Training auf dem Programm: «Das geht vom Ablauf der Musik und wie man singt über die Atmung bis hin zum Übersetzen des Textes, um diesen besser lernen zu können.»

Das alles leistet Wacker neben ihrem Studium. Manchmal würde das Üben für Konzerte zwar mit dem Studium einhergehen. Doch sie sei durchaus schon an ihre Belastungsgrenze gestossen. Sich ständig zu präsentieren und bewertet zu werden, sei eine psychische Herausforderung. «Der eigene Druck, man müsse besonders sein und Charisma haben, begleitet einen ständig.»

Besonders Gesang sei etwas sehr Persönliches, da man ihn mit dem eigenen Körper ganz ohne Instrumente erzeugt – umso härter, wenn es nicht läuft, wie es soll. Einmal hatte Wacker sogar den Gedanken, aufzuhören. Und doch hätte sie nichts anderes glücklich gemacht:«Ich liebe klassische Musik einfach – sie gibt mir eine wahnsinnige Erfüllung und ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich bisher machen durfte.»

Venezianische Komponistin als Inspiration

«Mit ihrer lyrischen Stimme begab sich Wacker mit Haut und Haar in die Figur hinein», schrieb der «Mannheimer Morgen» 2019 über die Sängerin. Tatsächlich sei es ihr wichtig, der Figur in einem Stück so nah wie möglich zu sein. Eine Frau, zu der Wacker eine besondere Zuneigung hat, ist die Komponistin und Sopransängerin Barbara Strozzi – diese war auch die Inspiration zu ihrer Reihe «BarockBar». Erstmals in Kontakt mit der Venezianerin aus dem 17. Jahrhundert kam Wacker durch die «Austria Barock Akademie».

Diese achte besonders darauf, auch Musik von Frauen aufzuführen. Denn lange sei ihnen die Ausbildung zur professionellen Musikerin verwehrt worden und ihre Stücke hätten nicht dieselbe Aufmerksamkeit bekommen, wie die von Männern. Barbara Strozzi hingegen, die 1619 bis 1677 lebte, sei aus der Masse herausgefallen. Sie lebte in der blühenden Barockstadt Venedig, was ihr ermöglicht habe, eine berühmte Sängerin zu werden. Ganz untypisch für Frauen ihrer Zeit trat sie in abendlichen Gesellschaften mit Musik und Diskussionen auf.

«Dafür stand sie jedoch sehr stark unter Beschuss der damals männerdominierten Gesellschaft», erklärt Wacker. Strozzi sei als Kurtisane betitelt worden und ein Leben lang eine Einzelgängerin gewesen. Doch davon habe sie sich nicht unterkriegen lassen. «Die Eigenwilligkeit in ihrer Musik hat mich gepackt und auch zu meinem eigenen musikalischen Schaffen inspiriert», so Wacker.

Ihr Konzert «One night with Barbara» widmet sie der Komponistin, die zu einem Vorbild für sie geworden ist. Ihre Arien seien nicht für die Bühne, sondern für sogenannte Akademien geschrieben worden. Im Barockzeitalter hätten sich dort Intellektuelle untereinander ausgetauscht. «Man diskutierte auch, was es wirklich für gute Musik braucht und wie man sie verbessern kann», so Wacker.

Bar statt Bühne für Nähe und Austausch

In ihrem Konzert möchte sie die Zuschauer in genau diese Situation versetzen. Die Bar anstelle einer Bühne ist dabei Teil ihres Konzepts: Ähnlich wie es damals Barbara Strozzi tat, geht Wacker während ihren Konzerten umher und spricht mit dem Publikum. Auch im Publikum sollen Gespräche entstehen.
Das Kulturcafé Baden eigne sich wegen seiner artistischen Atmosphäre perfekt für die Umsetzung der «BarockBar».

«Strozzis Musik ist übertrieben, lustvoll und plakativ – somit kann sie in den Zuschauern auch Emotionen auslösen», sagt die Sängerin. Ihr Anliegen ist es, mehr Intimität und Nähe in Konzerte zu bringen und klassische Musik für jeden zugänglich zu machen: «Man soll nicht denken, man sei nicht intellektuell genug oder müsse der High Society angehören, um diese Art von Musik zu hören.» Ihr Ziel: Berührungsängste mit klassischer Musik überwinden.

Mehr zu Nicole Wacker: nicolewacker.com

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