Wenn Mozart, Rossini, Tschaikowski und Grieg auf dem Konzertprogramm stehen, erscheint hinter dem Vorhang normalerweise ein Sinfonieorchester mit Geigen, Bratschen und Celli. Das Publikum in der Aula Margeläcker in Wettingen wartete am Sonntagabend gespannt. Eine Klarinette erschien auf der Bühne, nochmals eine, und noch eine. Bald eine ganz kleine Klarinette, bald eine ganz grosse. Diese wunderliche Besetzung nennt sich nicht Orchester, sondern Klarinettenchor.

Streicher imitieren

Wer nicht jedes Instrument bei seinem Namen nennen kann, weil er solch kuriose Hölzer nie zuvor gesehen hatte, durfte über die Altklarinetten, Bassetthörner und Kontrabassklarinetten dennoch staunen. Die schwungvolle Eröffnung des Konzertes mit Rossinis Opern-Ouvertüre «L’italiana in Algeri» liess die 330 Finger des Chors auf 6 verschiedenen Klarinettenformen tanzen.

Jeder kennt die Melodie Mozarts aus der Sinfonie in g-Moll, das «Allegro con brio» – umso schwieriger war es für die Musizierenden, in diesem Satz die Streichinstrumente überzeugend zu imitieren. «Irgendwann muss man ja noch Luft holen», sagt die Klarinettenspielerin Annemarie Stössel.

Nebst den «grossen Werken von grossen Namen» stellte der musikalische Leiter Roland Käppeli in diesem Jahr die Klarinette als Soloinstrument ins Zentrum. Käppeli hatte eigenhändig sechs Solomelodien in einem Arrangement zusammengeführt. «Die Gegensätze und Möglichkeiten sowie den virtuosen Charakter einer Klarinette wollte ich vorstellen», sagt er.

Die magische Klarinette

Klassik, Jazz und Folklore – das Spektrum dieses Holzblasinstrumentes ist riesig. «Il clarinetto magico» war sowohl für den Solisten und Klarinettisten Sven Bachmann wie auch für den Klarinettenchor eine Herausforderung – innert weniger Takte mussten sie Tonart, Rhythmus und musikalischen Stil wechseln. Höchste Virtuosität war in Käppelis Arrangement gefragt. Als mitreissendes Finale erklang die wohl bekannteste Zigeunermelodie «Csardas». Besonders die witzigen und tänzerischen Passagen setzte Sven Bachmann mit seiner Flexibilität gut um.

Wie der Blumenwalzer von Tschaikowskis Ballett «Der Nussknacker» erklang, schien die Soloklarinette als Mädchen Macha im Spitzenröckchen über die Bühne zu tanzen. Die Peer Gynt Suite Nr. 1 von Edvard Grieg entspricht der Klarinette mit ihrem weichen, hölzernen Klang. Wenn ein ganzer Klarinettenchor die «Morgenstimmung» oder «Ases Tod» spielt, berührt das schmerzvolle, wehmütige und tiefgründige in Griegs Musik umso mehr. Dem Klarinettenchor ist anzurechnen, dass er mit seinem Programm den Zuhörern manche klassischen Melodien näher bringen konnte. Der eine oder andere wird ein eingängiges Thema summend mit nach Hause genommen haben.