Grossratswahlen

«Kinderbetreuung ist Sache der Frau»: Dieser 19-Jährige steht auf Platz 1 der Badener EDU-Liste

Bezeichnet die Bibel als sein Lieblingsbuch: Andrea-Michael Vecchio am Badener Limmatufer.

Bezeichnet die Bibel als sein Lieblingsbuch: Andrea-Michael Vecchio am Badener Limmatufer.

Jung, gläubig und rechtskonservativ: Die EDU setzt auf den Wettinger Andrea-Michael Vecchio. Der 19-Jährige trat der Kleinpartei im März bei.

Gerade mal im März ist der in Wettingen aufgewachsene Andrea-Michael Vecchio einer Partei beigetreten, um sich politisch aktiv zu betätigen. Dazu hat er die rechtskonservative Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) des Bezirks Baden als seine Hauspartei gewählt.

Aktuell stellt die EDU Aargau zwei Grossräte aus den Bezirken Kulm und Zofingen, die der SVP-Fraktion angeschlossen sind. Die Partei setzt sich «für eine Ordnung nach biblischen Grundsätzen» ein, «für das Leben» und «für die Familie». Sie bezieht Position gegen Abtreibungen und Sterbehilfe.

Christliche Werte sind ihm sehr wichtig

Die Badener Bezirkspartei liess es sich für die Grossratswahlen vom 18. Oktober nicht nehmen, mit dem 19 Jahre jungen Vecchio eine frische Kraft zuoberst auf die Liste zu setzen. Dieser freut sich über die Vorschusslorbeeren. «Ich konnte es schon kaum erwarten, mit 18 Jahren endlich abstimmen zu dürfen», sagt der Student, der bei seinen Eltern lebt, die britische Matura absolviert und in Baden die Handelsschule besucht.

Später möchte Vecchio Wirtschaftspsychologie studieren. Von klein auf habe er die «Tagesschau» mitverfolgt, die bei seiner Familie jeden Abend lief. Je älter er wurde, desto vertiefter interessierte er sich für das Geschehen auf der Welt und in der Schweiz.

Auch wenn Vecchio Kirche und Politik nicht vermischen möchte, so sind ihm, der regelmässig eine evangelische Freikirche besucht, christliche Werte sehr wichtig. Deshalb musste auch die Partei, der er sich anschliessen wollte, diese Werte vertreten. Die Richtung einer Evangelischen Volkspartei (EVP) stimmte aber nicht mit seinen Überzeugungen überein: «Diese Partei ist mir zu links gerichtet, ich ordne mich dem rechten Spektrum zu», sagt Vecchio. Er setze sich für wirtschaftsfreundliche Lösungen und für eine angemessene Migrationspolitik ein.

Überzeugt von klassischer Rollenverteilung

Wie er tickt, ist auch seinem Profil auf der Online-Wahlhilfeplattform Smartvote zu entnehmen. Hier können ­Kandidatinnen und Kandidaten zu zwölf Themenschwerpunkten Fragen ­beantworten. Besonders unter dem Punkt Werthaltung zeigt sich seine konservative Ader: So hält er unter anderem die Kinderbetreuung grundsätzlich für die Aufgabe der Frau. «Das ist einfach meine Überzeugung, die ich aber niemandem aufzwingen würde», sagt Vecchio.

Er könne sich mit den Grundwerten seiner Hauspartei identifizieren, vertrete aber bei Nebensächlichkeiten auch mal abweichende Ansichten: «Ich mag den Austausch, den wir in der Partei pflegen. Nicht jeder muss die gleiche Meinung haben.» Er sieht seine politischen Schwerpunkte, in denen er etwas bewegen möchte, hauptsächlich bei Verkehrs-, Bildungs- und Familienfragen.

Alleinerziehende sind ihm ein Herzensthema

So will er sich speziell für die Limmattalbahn einsetzen: «Sie soll bis Baden weitergeführt werden, so wie vom Kanton vorgeschlagen.» Das habe sicherlich auch damit zu tun, dass er einfach ein Flair fürs Tramfahren habe, sagt er lachend. «Aber hauptsächlich, weil es für die Zukunft sinnvolle Lösungen braucht. Die Limmattalbahn ist eine davon.» Es werde immer dichter in der Schweiz und die Züge würden immer voller.

Ein Herzensthema sind ihm auch Alleinerziehende sowie Mütter, die für die Kinderbetreuung zu Hause bleiben: «Ich will, dass Familienarbeit wieder mehr wertgeschätzt und steuerlich berücksichtigt wird.» So wie arbeitende Eltern die externen Betreuungskosten auch abziehen dürften.

Ausserdem möchte er sich für bessere Bildungschancen von Schwächeren einsetzen und die Integration von Ausländerinnen und Ausländern fördern. Er wünscht sich zwar eine begrenzte und kontrollierte Einwanderung, aber: «Die Menschen, die schon hier sind, sollen die gleichen Chancen haben, sich aber auch mit den Schweizer Werten identifizieren.»

Im Wahlkampf ist es ihm wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel im Zug. Da habe er keine Hemmungen, er könne mit allen reden, solange es sich um eine konstruktive Diskussion handle. Er werde von anderen als guter Redner bezeichnet, könne aber auch sehr gut zuhören. «Und wenn mir etwas am Herzen liegt, dann setze ich mich voll und ganz dafür ein.»

Das sind alle Grossratskandidaten aus dem Bezirk Baden:

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