Markus Wopmann (62) setzt sich für misshandelte Kinder ein, seit er als junger Assistenzarzt ein dreijähriges Kind betreute, das an den schweren Misshandlungen starb. 1991 gründete der Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Baden die Kinderschutzgruppe Baden, die er auch leitet. Er ist zudem Präsident der Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Kinderkliniken.

Der Würenloser zieht nach rund drei Jahrzehnten seines Engagements für misshandelte Kinder eine durchaus hoffnungsvolle Bilanz. «Es scheint, dass die schweren körperlichen Misshandlungen bei Kindern eher zurückgehen. Da hat zum Glück bei vielen Eltern ein Umdenken stattgefunden.» Einen Grund dafür sieht er auch in dem immer grösseren Hilfsnetzwerk, das in den letzten Jahrzehnten für die Betroffenen aufgebaut worden ist.

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NAB Award 2017 Nomination: Markus Wopmann im Porträt.

Fachleute aus mehreren Bereichen

Das Kantonsspital Baden führt eine multidisziplinäre Kinderschutzgruppe, da diese anspruchsvolle Arbeit nur in einem Team von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen professionell geleistet werden kann. «In Baden haben wir neben der Kindermedizin, der Kinderpsychiatrie und -psychologie und der Sozialarbeit auch einen Staatsanwalt in der Gruppe, das ist eine enorme Bereicherung und Hilfe.» Die Fachgruppe Kinderschutz wird immer dann eingeschaltet, wenn der Verdacht auf Misshandlung oder sexuellen Missbrauch besteht. Erhärtet sich der Verdacht, wird sorgfältig abgewogen, ob die Situation mit der Familie geklärt werden kann oder ob das Einschalten einer Behörde nötig ist. «Manchmal braucht es Mut, sich zu exponieren, da wir uns nicht immer beliebt machen und die Leute uns mitunter feindselig begegnen.»

Gewalt ist keine Lösung

Der 62-jährige Arzt hat in den vergangenen 30 Jahren viel Schlimmes gesehen und weiss, wie es zu Kindsmisshandlungen kommen kann: «Es hat oft mit Überforderung der Eltern zu tun. Als Vater von zwei erwachsenen Söhnen habe ich selber erlebt, dass man als Eltern immer wieder an Grenzen kommt. Viele Erwachsene wurden zudem früher selbst geschlagen und haben so quasi gelernt, dass Gewalt dazugehört – obwohl sie absolut keinen erzieherischen Effekt hat. Denn Schläge verlieren sehr schnell ihre Wirkung, sodass ihre Intensität immer gesteigert werden muss. Ein Teufelskreis.»

Die Belastung durch diese emotional berührende Arbeit ist laut Wopmann sehr hoch. «Ich versuche, trotz allem eine professionelle Distanz zu wahren.» Sehr unterstützend ist für ihn auch der Rückhalt in seiner Familie. «Zudem beansprucht die Kinderschutzarbeit nur einen Teil meiner Arbeit. Die restliche Zeit beschäftige ich mich mit ganz normaler Kindermedizin. Das ist für mich ein guter Ausgleich mit vielen schönen Erlebnissen.»

Jetzt will er gewinnen

Die Nominierung für den NAB-Award ist für Markus Wopmann eine Überraschung. Der Kinderarzt freut sich sehr, dass er damit eine breite Öffentlichkeit auf seine Arbeit aufmerksam machen kann. Erfrischend ehrlich fügt er schliesslich noch an: «Ich sage es ganz offen: Wenn ich jetzt schon dabei bin, dann packt mich der Ehrgeiz, und ich will gewinnen. Denn damit kann ich noch mehr für die misshandelten Kinder tun!» (pd)