Was tun, wenn das Kind morgens mit Fieber aufwacht, die Eltern jedoch dringend zur Arbeit müssen? Laut «Blick» wird in solchen Situationen das Kind oft «mit Zäpfli vollgestopft» und trotzdem in die Krippe gesteckt. Wie sieht die Situation diesbezüglich in der Umgebung Baden aus?

Barbara Bochsler, Geschäftsführerin der Kinderkrippen Hoi Börzel und Hoi Gömper in Baden, bestätigt: «Ja, das Problem ist tatsächlich sehr verbreitet. In solchen Situationen wünsche ich mir von den Eltern vor allem Ehrlichkeit. Dass man uns Bescheid gibt, wenn das Kind ein Zäpfchen bekommen hat. Man kann dann individuell abklären, ob das Kind bleiben kann oder nicht.»

Zusätzlicher Stress für die Kinder

Sie habe jedoch ein Stück weit auch Verständnis dafür, dass die Eltern zum Teil hohem Druck vonseiten der Arbeitgeber ausgesetzt sind. Allerdings bedeute es für die Kinder zusätzlichen Stress, krank in der Krippe zu sein. Und die Wirkung eines Zäpfchens lasse ja um die Mittagszeit herum bereits nach.

Auch beim Verein Kinderkrippen ABB hat man sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. Er hat zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe zusammen mit Ärzten gegründet und Ausschlusskriterien für kranke Kinder definiert. Diese dürfen also, je nach Zustand, trotz Ansteckungsgefahr in die Krippe gebracht werden. «Ja, es kann vorkommen, dass ein bereits medikamentös behandeltes, krankes Kind bei uns in der Kinderkrippe abgegeben wird», sagt Jeannette Good, Geschäftsführerin des Vereins. «Die Eltern informieren uns, falls dies der Fall sein sollte. Wir setzen in dieser Hinsicht auf Transparenz. Wichtig für uns ist, dass das Kind trinkt, isst und einigermassen am Alltagsleben teilnehmen kann.» Was die Gefahr der Ansteckung betrifft, die gebe es immer, meint Good. «Denn in den allermeisten Fällen besteht die Ansteckungsgefahr bereits vor dem ersten Auftauchen der Symptome.» Um dem entgegenzuwirken, stehen in verschiedenen Räumen der Krippen Desinfektionsspender, und auf hygienische Richtlinien wird speziell geachtet.

Wo Eltern ehrlich sind

Es gibt jedoch in der Umgebung auch diverse Kinderkrippen, welche dieses Problem gar nicht kennen. «Die Eltern bei uns sind sehr zuverlässig. Ausnahmefälle gibt es natürlich immer. Allerdings ist ‹krank sein› auch immer Definitionssache. Ein bisschen Schnupfen oder Husten ist kein Problem, Kinder mit Fieber jedoch gehören nach Hause», sagt Fatemeh Meyami, Krippenleitung der Kindertagesstätte Möndli in Spreitenbach. Sollte das Kind tatsächlich krank sein, würden schnellstmöglich die Eltern kontaktiert, damit das Kind abgeholt werde.

Auch im Chinderhuus Spatzennäscht in Wettingen und in der Kita Bäredörfli in Baden kommt es selten vor, das kranke Kinder abgegeben werden, verraten uns die jeweiligen Krippenleitungen. «Wir haben ehrliche Eltern. Ausserdem werden die Regeln klar kommuniziert», meint Stephan Kegel, Leiter der Kita Bäredörfli in Baden. Es gebe ein Merkblatt für die Eltern, worin klar definiert werde, wie Eltern und Kita in dieser Situation mit dem Kind umgehen. In diesem Merkblatt steht unter anderem, mit welchen Krankheiten ein Kind auf keinen Fall in die Krippe kommen sollte, wie beispielsweise Grippe mit Fieber oder Windpocken. Auch wird betont, dass kranke Kinder sich in einer Gruppe nicht wohlfühlen und von ihren wichtigsten Bezugspersonen gepflegt werden sollten. Ein wichtiger Punkt, denn Fakt ist, dass Betreuende in einer Krippe oder Kita meistens gar nicht dafür ausgebildet sind, kranke Kinder zu pflegen. Prophylaktisch für die Krippen gelten in dieser grippeverseuchten Zeit dieselben Regeln wie überall: Hände waschen nach dem Nasenputzen.