«Ich denke freiheitlich und handle unternehmerisch», sagt Gina Kern von sich selbst. Auf ihrer Website für den Nationalratswahlkampf – mit dem einprägsamen Slogan «Kern nach Bern» – schreibt sie zudem: «Als Kommunikationsprofi, Mutter und Unternehmerin bin ich breit vernetzt. Eine solide Basis für leidenschaftliches, wirkungsvolles Politisieren im Nationalrat.» Dass die 44-Jährige für ein Amt in Bern kandidiert, ist nicht selbstverständlich.

Erst im Herbst 2017 wurde Gina Kern für die FDP in den Gemeinderat von Ehrendingen gewählt. Als sie nun für die Nationalratskandidatur angefragt wurde, zögerte sie nicht lange: «Ich musste eine Nacht darüber schlafen, habe dann aber gesagt, ich packe das an!» Parteipolitisch aktiv war sie bis zu ihrer Wahl in den Gemeinderat nie. Aber sie sagt: «Ich komme aus einer liberal geprägten, sehr politisch denkenden Familie. Als Journalistin wollte ich aber ganz bewusst politisch unabhängig bleiben.» Mit der Wahl in den Gemeinderat beschloss Kern, nicht mehr journalistisch tätig zu sein: «Zwei Hüte zu tragen finde ich schwierig.»

«Die Arbeit ist extrem spannend»

Im Gemeinderat gehe es selten um Partei-, sondern fast immer um Sachpolitik. «Die Arbeit für die Gemeinde ist extrem spannend und macht mir viel Freude. Hier lerne ich das politische Handwerk von Grund auf.» Dinge wie ein funktionierendes Kollegialitätsprinzip und den Dialog mit der Bevölkerung könne man nirgends besser lernen als auf kommunaler Ebene. Sie schätze es, eigene Ideen einzubringen und etwas gestalten zu können. So hat Gina Kern als Bildungsvorsteherin etwa angeregt, dass die Zuständigkeit für die Tagesstrukturen in Ehrendingen von einem Verein in die Gemeindeverwaltung überführt wurde.

Kern ist in Niederrohrdorf und in Baden-Dättwil aufgewachsen. In Baden ist sie auch Mitglied der FDP-Stadtpartei, weil es in Ehrendingen keine Ortspartei gibt. Sie ist heute als Kommunikationsberaterin tätig und führt ein eigenes Immobilienunternehmen. Bis vor kurzem betrieb sie auch ein Online-Portal für den Pferdesport. Denn: Sie ist begeisterte Reiterin und hat im eigenen Stall in Ehrendingen vier Pferde stehen.

Als Journalistin hatte Gina Kern einst bei Tele Züri und beim «Tagesfernsehen» im Schweizer Fernsehen angefangen. Sie arbeitete unter anderem bei der Aargauer Zeitung, bei Radio Argovia und insbesondere als Nachrichten- und Sportredaktorin bei «Blick» und «Sonntagsblick». Sie schrieb über Tennis, über Ski und auch über den Pferdesport.

Zusammenarbeit mit der EU

Wenn Gina Kern in den Nationalrat gewählt wird, will sie sich in Bern insbesondere für eine gute Bildung und Forschung einsetzen. Als Unternehmerin sei für sie zudem eine gute Zusammenarbeit mit der EU zentral, sie will sich dementsprechend auf Parteilinie für das Rahmenabkommen engagieren. Und nicht zuletzt sagt sie: «Mir ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr wichtig. Gut ausgebildete Frauen müssen dringend im Arbeitsprozess bleiben können. Gleiche Chancen für Frauen im Berufsleben sollten eine Selbstverständlichkeit werden.»

Sie schätze es sehr, dass die FDP Aargau eine ausgeglichene Kandidatenliste für die Nationalratswahlen, mit acht Frauen und acht Männern, aufgestellt hat. Kern sieht ihre Chancen realistisch: «Auch wenn ich mich sehr gerne im Nationalrat engagieren möchte, ist die Chance nicht allzu gross, dass ich gewählt werde.» Sie startet für die FDP auf dem Listenplatz 11. Aber sie denkt schon weiter: «Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, mich – nebst dem Gemeinderat – auch im Grossen Rat zu engagieren.»