Baden

Kein Licht für dunkle Treppe? Kritik an den Oelrain-Plänen der Stadt

Offizieller Umweg, wenn der Promenadenlift nicht fährt: Die Treppe am Oelrain, von Bärlauch und Lerchensporn gesäumt.

Offizieller Umweg, wenn der Promenadenlift nicht fährt: Die Treppe am Oelrain, von Bärlauch und Lerchensporn gesäumt.

Das Baugesuch für eine Beleuchtung der dunklen Treppe am Oelrain sorgt für Irritationen – Licht im Wald störe immer, betont die Badener Stadtökologie.

Gibt es am Oelrain in Baden bald eine Beleuchtung oder nicht? Das ist derzeit unklar. Am Steilhang über der Limmatpromenade spriessen jetzt Bärlauch und Lerchensporn. Der Oelrain ist in einen Blumenteppich aus Grün, Weiss und Violett getaucht. Die Abende werden von Tag zu Tag heller. Im Winterhalbjahr ist es hier aber bisweilen stockfinster. Der Römer-Quartierverein und die Gemeinde Ennetbaden machen sich deshalb für eine Beleuchtung stark, weil die Treppe am Oelrain als offizielle Fussverbindung gilt, wenn der Promenadenlift nicht fährt. Ein Baugesuch der Abteilung Tiefbau für vier neue Kandelaber an der Treppe liegt noch bis zum 2. April bei der Stadt auf.

Das Vorpreschen der Stadt, ohne die Initianten einzubeziehen, hat sowohl beim Quartierverein als auch bei vielen Badenern und Ennetbadenern für Irritationen gesorgt. Das eigentliche Problem an der Sache: Der Oelrain ist als Waldzone geschützt, im Wald darf nicht gebaut werden. Viele stellen sich dabei die Frage, ob man hier wirklich von «Wald» sprechen kann, da der Hang mitten in der Stadt liegt. Und nicht zuletzt gibt es bereits zwei Laternen in dieser Zone. Der Promenadenlift wurde 2007 ebenfalls in den Oelrainhang hineingebaut – für den Liftturm wurde aber extra ein Stück Bauzone eingezont.

«Grünfläche mitten in der Stadt»

Auch der ehemalige Badener Stadtplaner Hans Wanner wunderte sich, als er vom Baugesuch las. «Für mich ist es absolut unverständlich, warum sich die Vertreter der Stadt nicht frühzeitig mit den Initianten aus dem Römer-Quartierverein und aus Ennetbaden zusammengesetzt haben», sagt Wanner. «Ausserdem hätte sich die Stadtverwaltung doch auch schon im Voraus mit den zuständigen Stellen beim Kanton zusammensetzen und eine mögliche Lösung besprechen können.» Wenn das Baugesuch vom Kanton erst einmal abgelehnt sei, könne es sehr schwierig werden, hier noch eine gute Lösung zu finden, weiss Wanner aus Erfahrung. «Das Ziel müsste in diesem Fall doch eigentlich sein, dass es dank eines sorgfältig geplanten Projekts möglichst keine Einsprachen gibt und eine rasche Realisierung möglich ist.» Er versteht wie der Vorstand des Römer-Quartiervereins auch nicht, warum die Abteilung Tiefbau vier hohe Laternen plant, nachdem die Initianten eine möglichst dezente und umweltschonende Beleuchtung am Geländer oder auf Fusshöhe vorgeschlagen haben.

Was Hans Wanner ausserdem betont: «Gerade im Hinblick darauf, dass der Stadtrat explizit den Limmatraum aufwerten will, müsste es hier doch eine sichere und zuverlässige Fussverbindung geben.» Schliesslich sei der Oelrain trotz allem eine Grünfläche mitten im Siedlungsgebiet zwischen Bahnhofplatz und Limmatpromenade.

Ein Argument gegen eine Beleuchtung ist der Schutz von Flora und Fauna am Oelrain. In den alten Bäumen am Hang und an der Promenade leben unter anderem Wildbienen, Hornissen und der Grosse Abendsegler, eine Fledermausart. Wie genau die vier Laternen (Kostenpunkt: 40'000 Franken) aussehen sollen, ist aus dem Baugesuch indessen nicht ersichtlich.

Licht als Beeinträchtigung

Sarah Niedermann, Stadtoberförsterin und Leiterin der Badener Stadtökologie, sagt zur Problematik: «Beim Oelrain-Wald handelt es sich von Gesetzes wegen um Wald, der in einer Naturschutzzone liegt.» Auf die Frage, ob es am Oelrain tatsächlich Tiere oder Pflanzen gebe, die unter einer dezenten Beleuchtung leiden würden – es fällt schliesslich auch jetzt schon viel Kunstlicht vom Bahnhofplatz auf den Oelrain – sagt Niedermann: «Grundsätzlich sind Beleuchtungen im Wald eine Beeinträchtigung des Natur- und Lebensraums. Dies gilt für direkte Beleuchtungen im Wald und auch für Streulicht aus angrenzenden Siedlungsgebieten.» Weiter äussert sich die Stadtoberförsterin zurzeit nicht zu den Details des Baugesuchs: «Das Verfahren liegt derzeit beim Kanton und es ist seine Sache, die Ausgangslage im Rahmen der Gesetze zu prüfen.»

«Wollen keine Verhinderer sein»

Auch der zuständige Stadtrat Philippe Ramseier (FDP) bleibt dabei: «Wir haben das Baugesuch der Norm entsprechend eingegeben und hoffen, dass es bewilligt wird.» Aber man dürfe nicht vergessen, dass der Kanton sich an das Waldgesetz halten müsse. «Gesetz ist Gesetz», wiederholt Philippe Ramseier. «Wichtig ist, dass man hier eine gute Lösung findet. Gerade eben, weil wir die Limmatpromenade aufwerten wollen.»

Vielleicht sei das Vorgehen der Stadt tatsächlich zu zögerlich gewesen, aber der Stadtrat wünsche sich, wie die Initianten, eine gute Lösung für alle. «Wir wollen sicher keine Verhinderer sein», betont Ramseier. Falls das Gesuch vom Kanton abgelehnt werde, werde er sich gerne mit dem Römer-Quartierverein und den Ennetbadenern zusammensetzen, um im Team weiterführende Lösungen zu diskutieren.

Das Limmatufer aufzuwerten ist ein erklärtes Ziel des Stadtrats: Seit 2011 gibt es den «Masterplan Limmatraum». Die Treppen am Oelrainhang existieren bereits viel länger, hier flanierten schon im 19. Jahrhundert die Kurgäste vom Bahnhofplatz zur Limmatpromenade. 1928 verkaufte die Ortsbürgergemeinde den Oelrain und den Theaterplatz an die Einwohnergemeinde Baden (Kostenpunkt auch da: 40 000 Franken). Damals muss der Oelrain noch deutlich idyllischer gewesen sein. Die riesige Parkhauszufahrt mit ihren Betonpfeilern kam jedenfalls erst um 1970 dazu.

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