Jahrelang hiess es: Ehrendingen wächst und wächst und wächst. Seit der Jahrtausendwende, damals gab es noch Ober- und Unterehrendingen, ist die Einwohnerzahl um rund 40 Prozent auf rund 4800 gestiegen. Damit dürfte vorerst Schluss sein: Der Gemeinderat hat kürzlich seine Legislaturziele und ein Leitbild verabschiedet, das eine «qualitative Entwicklung und den Erhalt der schönen Landschaft» vorsieht. Was das genau heisst, erläutert Gemeindeammann Urs Burkhard (CVP): «Unser Ziel ist, dass die Bevölkerung pro Jahr um nicht mehr als ein Prozent wächst.»

Für nächstes Jahr würde das einen Zuwachs von rund 50 Personen bedeuten. Das sind etwa gleich viele wie in den letzten beiden erfassten Jahren, 2017 und 2016. Aber wenn man die 50 Zuzüger mit dem Durchschnitt von 2012 bis 2017 vergleicht, zeigt sich: Es handelt sich um eine Halbierung des Wachstums. Denn in dem Zeitraum zogen im Durchschnitt pro Jahr rund 100 Personen zu.

Bauland ist aufgebraucht

«Wir haben schlicht keine Baulandreserven mehr. Deshalb kann es keinen grossen Wachstumsschub geben», sagt Burkhard. «Unsere Infrastruktur, etwa die Abwasserleitungen und das Strassennetz, würden das auch nicht verkraften. Ein Wachstum von einem Prozent wäre ideal.» Dafür müsse das Dorf verdichtet werden. «Das passiert automatisch, wenn die Häuser die Besitzer wechseln und neue Immobilien gebaut werden», sagt Burkhard. Die Bauzone könne wegen Bestimmungen des Bundes und des Kantons nicht vergrössert werden.

Die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO), die das Ehrendinger Erscheinungsbild für die nächsten Jahre massgeblich bestimmen wird, ist im Moment noch in Überarbeitung. Sie sieht in einigen Quartieren neu dreigeschossige Gebäude vor. Ursprünglich wollte der Gemeinderat sie im Winter der Bevölkerung zur Abstimmung vorlegen. Sie verzögerte sich wegen vieler Eingaben und soll nun an der Sommer-Gemeindeversammlung verabschiedet werden.

Durch das moderate Wachstum hofft der Gemeinderat auf das Umsetzen eines weiteren Ziels: Den Steuerfuss auf maximal den jetzigen 110 Prozent zu belassen. «Das ist unsere Obergrenze», sagt Burkhard. «Wir sind offen, den Steuerfuss zu senken, wenn es finanziell möglich ist.»

Limmat- oder Surbtal?

Eine weitere grundlegende Frage ist: Will sich Ehrendingen in Richtung Baden oder in Richtung der anderen Surbtaler Gemeinden orientieren? Im Leitbild des Gemeinderates steht, man wolle eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Gemeinden des oberen Surbtals (laut Burkhardt vor allem Schneisingen und Lengnau) pflegen sowie seine eigene Zenrumsfunktion stärken. Burkhard will das nicht als Votum gegen Baden verstanden wissen. Die meisten Nachbargemeinden lägen eben im Surbtal. «Aber wir sind und bleiben sehr stark Baden-orientiert.

Ehrendingen will sich nicht abschotten.» Burkhard nennt als Beispiel die polizeiliche Zusammenarbeit, bei der die Stadtpolizei Baden die Aufgaben der Gemeindepolizei übernimmt. Ein Legislaturziel des Gemeinderates ist, den Aufgabenkatalog der Stadtpolizei Baden in Ehrendingen zu überprüfen. Konkret heisst das laut Burkhard: «Wir möchten mehr Polizeipatrouillen in Ehrendingen, weil die Präsenz eine beruhigende Wirkung hat.»

Bei der Feuerwehr will man dagegen eine engere Zusammenarbeit mit Schneisingen. Kontakte haben stattgefunden. Die politische Gemeinde will eigenständig bleiben. Eine Fusion mit Nachbargemeinden steht heute nicht zur Debatte.