Quartiere in Baden

Kappelerhof: Villen, Wohntürme und Reihenhäuser statt Bauernhöfe

Der Kappelerhof wuchs im 20. Jahrhundert rasant: Der Weiler wurde durch die Biscuitfabrik Schnebli zum Badener Stadtquartier.

Der Kappelerhof zählt zu den Badener Quartieren, deren Geschichte akribisch aufgezeichnet worden ist. Zum 100-Jahr-Jubiläum des Quartiervereins erschien 2010 eine Festschrift, die das Leben im «Kappi» sehr schön beschreibt. Aufschlussreich ist auch das Buch «Badener Kräbeli – Die Geschichte der Biscuitsfabrik A. Schnebli & Söhne». Die Fabrik hat das Quartier über Jahrzehnte geprägt. Erst durch sie gab es ab 1905 einen gewaltigen Wachstumsschub.

Das seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägte Gebiet des heutigen Kappelerhofs bestand lange aus fünf Bauernhöfen. Der Weiler hiess Oberwil, im Gegensatz zum unteren Wil bei Turgi. Ein Meilenstein war die Errichtung der katholischen Wallfahrtskapelle Mariawil beim eigentlichen Kappelerhof, im Auftrag des Hans Kappeler, «sässhafft uff dem Hoff Oberwÿl», wie es damals hiess.

Die Kapelle Mariawil im Sommer, um 1910.

Die Kapelle Mariawil im Sommer, um 1910.

Der Name des Quartiers kommt notabene nicht von der Kapelle, sondern von der Familie Kappeler. Die erste Kapelle wurde 1603 von Johann Georg von Hallwyl, dem Bischof von Konstanz, geweiht. 1662 wurde sie durch den heutigen barocken Bau ersetzt. Bei einer Renovation um 1765 wurden die Kosten so massiv überschritten, dass die Kapelle in die Abhängigkeit der Stadtpfarrkirche geriet.

Die zehn Quartiere der Stadt Baden:

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Das Bauerngut Kappeler (später Müller) wurde lange als Gasthaus geführt. Es wurde 1968 abgerissen und durch das neue Hotel Kappelerhof (heute La Cappella) ersetzt. Das Bauerngut Kappeler-Bebié wiederum lag dort, wo heute das Gasthaus zur Brugg steht und der Doppelhof Meier/Keller jenseits des Müllerbächlis. Hier entstand 1967 das Wohn- und Geschäftshaus «Quelle». Eine Besonderheit war die Einsiedelei am Martinsberg. Laut dem Schriftsteller David Hess soll hier noch um 1817 ein «Waldbruder» in der Einsamkeit gelebt haben, der Wanderer mit Kaffee und Wein versorgte. Davon zeugt bis heute der Klausnerweg.

Erstes Kraftwerk im Aargau

1891 folgte die grosse Pioniertat: Die Elektrizitätsgesellschaft Baden wurde gegründet, das neue Kraftwerk Kappelerhof war das erste im Aargau. Ausgestattet von BBC war es ein Modell für spätere Kraftwerke und versorgte die Stadt Baden erstmals mit elektrischer Beleuchtung. Vom Kraftwerk profitiert das Quartier bis heute auch durch die Staustufe, die den Kappisee entstehen liess. Im Elektromuseum der Regionalwerke kann man diese Geschichte hautnah miterleben. Das Gaswerk der damaligen Städtischen Werke im Roggebode ist dagegen längst verschwunden.

Das Gaswerk der Städtischen Werke Baden im Roggebode um 1916. Dahinter die Häuser, die nach 1900 im oberen Kappelerhof entstanden.

Das Gaswerk der Städtischen Werke Baden im Roggebode um 1916. Dahinter die Häuser, die nach 1900 im oberen Kappelerhof entstanden.

Bemerkenswert ist auch die frühe Gründung des Quartiervereins. 1910 wurde er ins Leben gerufen, erster Präsident war Biskuitfabrikant Adolf Gustav Schnebli, der mit Marie Müller, der Tochter von Bauer und Gastwirt Leonz Müller vom Kappelerhof verheiratet war. Der Verein befasste sich damals mit so elementaren Dingen wie der Asphaltierung der Bruggerstrasse, der Kanalisation und Elektrifizierung des Quartiers.

1938 gab es die erste Busverbindung in die Stadt, 1944 wurde das Schulhaus eingeweiht. 1947 entstand mit der Gastarbeitersiedlung im Brisgi eine «Stadt in der Stadt». Ab 1950 baute die Genossenschaft Lägern ihre ersten Wohnsiedlungen im Quartier. Das Verschwinden der alten Bauernhöfe, die Überbauung «Quelle» mit der Quartierpost, der neue «Kappelerhof» sowie die Hochhäuser an der Fluhmattstrasse und im Roggebode veränderten um 1970 den Kappi nachhaltig. 1972 stellte die Firma Schnebli ihren Betrieb ein.

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