Was lieben Pinguine? Opern. Die Hartnäckigen haken nach: Stimmt das? Ihnen sei ins Ohr geflüstert: Betrachtet die Tiere genauer. Fällt euch etwas auf? Ja? Bravo. Dann habt ihr erkannt, dass die Pinguine Frack tragen. Einen solchen tragen sie immer, wenn sie Besonderes erwarten – das Opernschiff aus Wien mit den drei Tenören. Diese laden die Pinguine zu einer Gala an Bord ein und singen für sie Arien aus Giuseppe Verdis Oper «La Traviata» – die befrackte Fangemeinde ist im siebten Himmel. Was für eine entzückende Geschichte – wie geschaffen für eine Vertonung, die jede Generation in den Konzertsaal bringt.

Cristoforo Spagnuolo, Dirigent und Mitbegründer des Stella Maris Orchestra, war von Elke Heidenreichs Geschichte «Am Südpol, denkt man, ist es heiss» derart angetan, dass er beschloss, sie vertonen zu lassen – von Schülerinnen und Schülern einer Kompositionsklasse der Kantonsschule Wettingen. Ihre Aufgabe: Verdis Musik so zu arrangieren und zu komponieren, dass Kinder von Musikschulen in Wettingen, Brugg und Windisch auf die neuen Klänge abfahren werden.

Isabel Adarraga (19), Jana Seebass (18) und Dominik Merz (20) lächeln, wenn sie vom Südpol-Projekt erzählen. Sie und zwölf weitere Kolleginnen und Kollegen haben sich im Dezember letzten Jahres in eine Arbeit gestürzt, die «schlichtweg einmalig» sei, wie sie beteuern. Angespornt, motiviert und mit kritischer Anteilnahme begleitet wurden sie dabei vom Jazzmusiker Rafael Baier und von Cristoforo Spagnuolo. Da Verdis «La Traviata» in Elke Heidenreichs Buch eine wichtige Rolle spielt, war von Beginn an klar: «Zum einen muss ein gewisser Wiedererkennungswert da sein; zum andern soll Verdis Musik nicht einfach für das Stella Maris Orchestra adaptiert werden», erklärt Dominik Merz, und Isabel Adarraga sowie Jana Seebass fügen hinzu: «Wir alle haben, basierend auf Verdis Musik, jedoch auch neue, völlig eigenständige Stücke komponiert.» «Und so», meldet sich Dominik Merz erneut zu Wort, «haben wir eine Musik komponiert, die sich einfach schön anhört.» Damit dürfte sie jedermann ansprechen, der die explizit als Kinder- und Familienkonzert deklarierte Veranstaltung besucht.

Der Name deutet es an: Kinder nehmen nicht nur eine passive Rolle als Zuhörer, sondern eine aktive als Mitwirkende ein. Sie sitzen mit ihren Instrumenten neben den Musikerinnen und Musikern des Stella Maris Orchestra und setzen geräuschhafte und rhythmische Akzente: indem sie erzählen, singen und spielen – «und damit einen tollen Einblick ins Orchester erhalten», betonen Isabel Adarraga, Jana Seebass und Dominik Merz. Dass 17 Kinder mitmachen, freut das komponierende Trio, denn: «Im Stella Maris Orchestra spielen 17 Musikerinnen und Musiker.» Natürlich kommen die Kinder nicht unvorbereitet zum Konzert. Sie üben seit Wochen für einen Anlass, der laut Cristoforo Spagnuolo vor allem eines will: «Die Lust am Musizieren mit Kindern teilen – und dies unabhängig von ihrem spieltechnischen, sozialen oder kulturellen Hintergrund.» Am Freitag, 1. April (kein Scherz), ist Premiere von «Am Südpol, denkt man, ist es heiss».

Blicken Isabel Adarraga, Jana Seebass und Dominik Merz auf die vergangenen Monate zurück, sprechen sie nicht etwa von ihrem gewaltigen Effort, den sie geleistet haben, sondern von anderem: «Das Coaching war schlicht fantastisch. Wir haben uns nie alleine gefühlt.» Wenn Komponieren bei aller Last also derart viel Lust bereitet: Könnten sie sich eine Komponistenlaufbahn vorstellen? «Nein», winken sie lächelnd ab. Für Dominik Merz steht immerhin fest: «Ich möchte Gesang studieren.»