Baden

Junge Köche übernehmen Küche im Restaurant Piazza: «Gourmet-Angebot in Baden ist eher klein»

Rebecca Pigoni und Gino Miadragovic beim Anrichten ihrer Gerichte. Letzterer hat schon für Starkoch Andreas Caminada gearbeitet.

Rebecca Pigoni und Gino Miadragovic beim Anrichten ihrer Gerichte. Letzterer hat schon für Starkoch Andreas Caminada gearbeitet.

Im Restaurant Piazza erhalten Nachwuchstalente die Möglichkeit, ihr Können auf die Teller zu bringen. «Young Gourmet Talents» nennt sich der Anlass, der am Samstagabend in besagtem Restaurant über die Bühne ging.

Ein Duo von der Rande, Schwarzwurzelsuppe, Saibling mit Stachys und Kräutern und eine Dessert-Variation aus Earl Grey, Schokolade, Birne und Verjus. Beim Lesen dieses Menüs läuft nun bestimmt jedem das Wasser im Mund zusammen. So aussergewöhnlich die einzelnen Gänge auch klingen mögen, es handelt sich dabei nicht um Kreationen von Starköchen wie Jamie Oliver oder Gordon Ramsay, sondern sie stammen aus der Küche des Restaurants Piazza am Theaterplatz in Baden. «Das Gourmet-Angebot in Baden ist eher klein», findet Gastgeberin und «Piazza»-inhaberin Romina Ettisberger. Deshalb rief sie kurzerhand einen Event für die etwas gehobenere Küche ins Leben.

«Young Gourmet Talents» nennt sich der Anlass, der am Samstagabend in besagtem Restaurant über die Bühne ging. Organisiert wurde er von Ettisberger und vom Badener Gastrofotografen Adrian Ehrbar, dessen Bekanntheit in der Gastroszene einige Kontakte ermöglicht hat. «Wir sind beide Jungunternehmer», erzählt Ettisberger. «Und so wie wir zusammenspannen können, möchten wir anderen Jungen ebenfalls zum Erfolg verhelfen.» Deswegen kochen am Anlass ausschliesslich Jungköche. Solche, die in ihren Betrieben im Schatten der dortigen Küchenchefs und Starköche beinahe untergehen, solche, die sich in ihrer Karriere erst am Anfang befinden, solche, die noch nicht so im Rampenlicht stehen. Sie durften unter der Vorgabe des Restaurants, dass alle Produkte lokal und saisonal sein müssen, je einen eigenen Gang kreieren. Ergeben hat sich daraus ein Sechs-Gang-Menü – und eine Kombination aus völlig verschiedenen Philosophien.

Jungtalente aus Deutschschweiz

Ann-Sophie Bernhard suchte sich für ihren Gang die Vorspeise aus. Die 20-Jährige ist ein vielversprechendes Talent, das ihr letztes Lehrjahr im Kurzentrum AarReha in Schinznach-Bad absolviert und bereits auch in der Jugendnationalmannschaft kocht. Ihre Zukunft möchte sie weiterhin bei einem Sternekoch verbringen. Den Fischgang kreierte Rebecca Pigoni, die derzeit Küchenchefin im Hotel Schönbühl in Hilterfingen BE ist. Die 30-Jährige möchte sich bald selbstständig machen. Der dritte Jungkoch im Bunde ist Gino Miadragovic, der unter anderem bereits für Starkoch Andreas Caminada gearbeitet hat und allgemein schon viel in der Gastroszene rumgekommen ist. Der 29-Jährige hat sich für das Dessert entschieden und zauberte am Samstagabend eine Dessert-Kreation auf die Teller. Die restlichen Gänge, das Amuse-Bouche, die Suppe, der Hauptgang sowie der Käsegang, wurden vom Küchenteam und der Leitung von Christoph Zillig gekocht.

«Uns war wichtig, dass die Jungköche unsere Philosophie weitertragen», sagt Gastgeberin Romina Ettisberger. «So kommen alle Produkte aus der Schweiz: Das Rindscarpaccio stammt von einem Black- Angus-Rind aus dem Zurzibiet, der Saibling aus dem bernischen Sigriswil.» Aber auch für die Begleitung des Gourmet-Menüs hat sich die Gastgeberin für regionale Produkte entschieden: So stammt einer der Rotweine von einem Wettinger Jungwinzer. Ebenfalls speziell dürfte das «Grape Ale» sein, das als Apéro serviert wurde: Es handelt sich dabei um ein Bier mit Weinanteil. «Viele haben das Gefühl, Gourmet-Essen besteht aus Kaviar und Trüffel», sagt die Gastgeberin und lacht. «Dabei kann man aus regionalen und saisonalen Produkten genauso schmackhafte Kreationen zaubern.»

Kulinarik und Kultur vereinen

Der Abend ist Teil der Kulturreihe, die die junge Gastronomin vor drei Jahren ins Leben rief. Das Kochen mit jungen Talenten wurde am Samstagabend zum ersten Mal durchgeführt. «Wir möchten das in Zukunft gerne ein- bis zweimal im Jahr machen», sagt Ettisberger. Das Interesse bei den Jungköchen sei gross: «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten, aber der Platz in der Küche würde für mehr als drei zusätzliche Köche nicht ausreichen.» Dank den guten Verbindungen der Gastgeberin und Adrian Ehrbar in der Gastronomieszene konnte das Restaurant bereits viele Kontakte für die Zukunft knüpfen.

Im Jahr 2015 hat die 31-jährige Romina Ettisberger das «Piazza» übernommen. Seither findet immer von Oktober bis März die Kulturreihe statt, die im Zeichen von Genuss und Kultur steht. «Mein Herz schlägt für die Gastronomie und die Musik», sagt Ettisberger. «In diesen Anlässen kann ich meine beiden Passionen vereinen.» Bei den Gästen kämen die Events gut an: «Viele schätzen die tolle Stimmung», weiss Ettisberger. Das liege einerseits daran, dass die Anlässe im kleinen Rahmen im Restaurant stattfinden. Dieses bietet Platz für rund 50 Personen. Aber auch das vielseitige Angebot und die Kombination zwischen gutem Essen und kultureller Unterhaltung freuten die Gäste. Den Abschluss dieser Reihe bildet das «Musique Diner» am 30. März, an welchem die Gastgeberin auch singen wird.

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