«Jeder Zehnte hat Zöliakie – aber nur bei jedem Hundertsten wird die richtige Diagnose gestellt», sagt Kantischülerin Franziska Peterhans. Ihre Kollegin Bianca Schellenberg ist eine der wenigen, bei denen die Krankheit erkannt wurde. «Vor zwei Jahren erhielt ich die Diagnose, nachdem ich monatelang Bauchschmerzen hatte», erzählt Schellenberg. «Seither muss ich mich streng glutenfrei ernähren. Das heisst: kein normales Brot, keine Pasta, kein Gebäck.»

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Sie schlug ihren drei Kolleginnen vor, eine Maturaarbeit über dieses Thema zu schreiben. «Wir wollten nicht einfach eine Arbeit machen, die dann in der Schublade verschwindet – sie soll für die Gesellschaft nützlich sein», sagt Kathrin Weber. Weil Auswärtsessen für Zöliakiebetroffene ein Spiessrutenlauf sein kann, entstand die Idee, einen Restaurantführer zu erarbeiten.

Angst vor dem Restaurantbesuch

«Mit einer Umfrage wollten wir herausfinden, mit welchen Problemen diese Menschen in Restaurants konfrontiert werden», sagt Katrin Vogt. «Es zeigte sich, dass viele Betroffene nicht entspannt essen können. Sie haben Angst, dass sie ein glutenhaltiges Gericht vorgesetzt bekommen, obwohl sie das Personal auf ihre Krankheit hingewiesen haben.» Schellenberg bestätigt: «Wenn ich auswärts essen gehe, mache ich mir lange vor dem Restaurantbesuch viele Gedanken: Was kann ich essen, muss ich dem Personal meine Situation erklären, erhalte ich dann wirklich ein glutenfreies Gericht?»

Im Anschluss an die Befragung kontaktierten die Schülerinnen Restaurants in der Region. «Unser Ziel war, dass diese Restaurants glutenfreie Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts anbieten und diese auf der Karte entsprechend kennzeichnen», sagt Vogt. Einige dieser Gaststätten kochten bereits früher glutenfrei – aber nur auf Anfrage. Und: «In vielen Restaurants passierten dabei manchmal Missgeschicke», erzählt Peterhans, «die Croûtons auf dem glutenfreien Salat oder das Biskuit auf dem Glace sind Klassiker.»

Wirte machen mit

Elf Restaurants haben sich bereit erklärt, ihre Menükarte den Bedürfnissen zöliakiebetroffener Menschen anzupassen – sei es durch Menüs wie Risotto, die ohne weiteres glutenfrei zubereitet werden können, oder durch die Anschaffung spezieller glutenfreier Produkte. «Diese sind zwar teurer, aber wir sind uns sicher, dass die Restaurants unter dem Strich profitieren», so Peterhans. «Schliesslich ist es gute Werbung für sie, wenn sie auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen.» Die Gastwirte hätten sich kooperativ gezeigt, sagen die Schülerinnen. «Einige Wirte fragten uns nach Menüvorschlägen und übernahmen diese dann gleich», sagt Schellenberg.

Die Schülerinnen sind sichtlich stolz auf ihren Restaurantführer. Die Note für ihre Arbeit haben sie noch nicht erhalten, dafür viele positive Rückmeldungen von Personen, die dank dem Führer nun entspannt auswärts essen gehen können.