Vor etwas mehr als zwei Monaten wurden in Baden die diesjährigen Umweltwochen unter dem Motto «starten statt warten» lanciert. Noch bis am 20. Januar 2020 widmen sich die Umweltwochen der Frage, was Nachhaltigkeit bedeutet. «Zentral ist die Frage, wie jeder Einzelne Ressourcen einsparen und welchen Beitrag er zum Klimaschutz leisten kann», sagt Barbara Finkenbrink, Projektleiterin der Umweltwochen, die von der Abteilung Stadtökologie organisiert werden.

Ein wichtiges Element der Umweltwochen ist die wandernde Litfasssäule, auf der viele interessante, aber eben auch zum Nachdenken anregende Informationen angebracht sind. Etwa: Wenn alle Menschen so leben würden wie Schweizer, bräuchte es drei Erden. Oder: Jährlich werfen Frau und Herr Schweizer 2,3 Millionen Tonnen Esswaren weg, was pro Kopf rund einer Mahlzeit pro Tag entspricht. Vor allem aber sind auf der Info-Säule auch Alltagstipps enthalten. «Wer einen Beitrag für Nachhaltigkeit und Klimaschutz leisten will, muss nicht sein ganzes Leben umkrempeln», verdeutlicht Finkenbrink. Im Gegenteil: Oft liesse sich schon mit kleinen Veränderungen im Alltag etwas bewirken.

Die Projektleiterin betont, dass man mit den Umweltwochen jetzt nicht einfach auf den fahrenden Zug der aufkommenden Klimaschutz-Bewegung aufspringe. «Wir hatten das Thema eigentlich schon für letztes Jahr geplant, uns dann aber für den Klimaschutz als Ganzes entschieden.» Heute sei sie froh darum. «Erstens muss man erst einmal wissen, wie es um das Klima als Ganzes steht, ehe man über Nachhaltigkeit sprechen kann.»

Zweitens habe ihr die aktuelle Diskussion und das Bewusstsein der Bevölkerung auch erlaubt, frecher und mutiger zu sein. So steht etwa als Tipp auf der Säule: «Für Renitente: Unnötige Verpackung einfach mal konsequent im Laden zurücklassen». Einen solchen Tipp zu geben, hätte sie sich vor ein, zwei Jahren wohl nicht getraut. «Heute bin ich überzeugt, dass es gerade bei einem solch wichtigen Anliegen einen Tick zivilen Ungehorsams braucht», sagt Finkenbrink. Gleichzeitig könne nur etwas bewirkt werden, wenn auch die Politik und die Wirtschaft bessere Rahmenbedingungen in Richtung Nachhaltigkeit schaffen.

Abendessen aus «Abfällen» kochen

Nebst der Info-Säule versucht die Stadtökologie das Thema Nachhaltigkeit mit Veranstaltungen an die Menschen zu tragen. So etwa am Mittwochabend mit der Aktion «Taste the Waste» auf dem «Triebgut». Die Betreiber des «Biolade» Baden, Seline Schöpfer und ihr Mann Michael, erklärten den Anwesenden, ab wann Lebensmittel weggeworfen werden müssen, wie Lebensmittelabfälle vermieden werden können und wie man abgelaufene Lebensmittel doch noch retten und feine Speisen daraus zubereiten kann. Auffällig: Es fanden sich nicht sehr viel Interessierte ein.

Wie erklärt sich Barbara Finkenbrink dies? «Wir verharren alle noch zu sehr in einer Art passiven Konsumhaltung. Wir finden Nachhaltigkeit zwar wichtig, aber wirklich aktiv zu werden und im Alltag auf etwas zu verzichten, das fällt uns dann doch schwer.» Sie sei aber zuversichtlich, dass sich in der Gesellschaft langsam etwas bewege. Und genau hier setzt der Badener Umweltpreis 2019 an. «Ich bin mir ganz sicher, dass in dieser Stadt viele, kreative Ideen vorhanden sind, wie wir nachhaltiger Leben können, zum Beispiel mehr tauschen und teilen, mehr reparieren statt wegwerfen.»

Dem Ideenreichtum zu einem nachhaltigeren Baden seien keine Grenzen gesetzt. «Wir suchen Projekte, die nachhaltig sind und in der Stadt Baden umgesetzt werden können.» Es winken insgesamt 6000 Franken für die besten Ideen. «Zwar ist bis jetzt noch kein Projekt eingegangen, ich bin aber zuversichtlich, dass dies bis zum Anmeldeschluss am 30. September noch geschehen wird.»

Tauschbörsen in den Badener Quartieren

Wer sich intensiver mit Umweltthemen und über die Aktivitäten der Badener Umweltwochen informieren will, kann dies auf dem seit Juni ins Leben gerufene Umweltblog (umweltblog.baden.ch) tun. Auf diesem werden fortlaufend Geschichten und Hintergründe, Tipps und Wissenswertes zur Nachhaltigkeit aufgeschaltet. Auf dem Umweltblog findet man zudem alle Veranstaltungen zu den Badener Umweltwochen- «Wer eigene Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit durchführt, kann uns diese melden.»

Als Beispiel nennt die Projektleiterin die Hol- und Bring-Aktion, die bei den Quartierfesten im Martinsberg und im Meierhof dieses und nächstes Wochenende durchgeführt werden. «Das sind Tauschbörsen, wo Bewohner ihre gebrauchten Sachen tauschen können, statt diese wegzuwerfen.» Das Beispiel zeigt: Im Kleinen kann sehr wohl eine Veränderung und ein Umdenken einsetzen – dann ist das Ziel der Badener Umweltwochen erreicht.