Bei der neuesten Zählung des Kantons, am 8. November, stiegen 3309 Personen in eine S-Bahn oder verliessen ihn. Damit wurde die 2002 prognostizierte obere Frequenz nach nur acht Jahren überschritten. «Ich kenne im Aargau, neben den urbanen Knotenpunkten wie Baden, Brugg oder Wohlen keine vergleichbare Anlage», sagt Jürg Bitterli, Projektleiter Angebotsplanung im kantonalen Baudepartement. Dabei war vor der Planung die Skepsis gross gewesen: Macht dieser Verkehrsknotenpunkt ausserhalb der Wohngebiete überhaupt Sinn? Die Antwort aus heutiger Sicht ist klar: Ja.

Zwei Frequenzspitzen

Das Rückgrat der Haltestelle ist die S 3, die S-Bahn die von Aarau via Zürich nach Wetzikon. Die Mehrheit der Passagiere besteigen eine S-Bahn in Richtung Zürich. Von dort kommen auch die meisten. Es handelt sich primär um Pendler, die ins Limmattal zur Arbeit fahren. Die Züge zwischen 6 und 8 Uhr sind dann auch am stärksten ausgelastet. Abend, zwischen 16 und 18 Uhr, kommt es wieder zu einer Frequenzspitze. Rund 500 Personen benutzen die Bahn aber auch in Richtung Lenzburg Aarau. Grundsätzlich wird die Haltestelle durch die Bahn im Stundentakt angefahren. Zu den Spitzenzeiten wird mit den Direktzügen Freiamt–Zürich der Halbstundentakt angeboten. Dabei konzentriert sich der Publikumsverkehr auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der S-Bahn. Ansonst sind es vor allem Autolenker, die Tankstelle und Shop frequentieren.

Die weitaus meisten Pendler benutzen das Postauto, um die Haltestelle zu erreichen. 3684 Personen sind am Kontrolltag aus einem Postauto ausgestiegen oder in eines eingestiegen. Ein Teil der Reisenden benutzt nicht nur den Zug, zahlreiche steigen in ein anderes Postauto um. An der Spitze steht die Linie 332 mit über 600 Ein- und Aussteigenden. Im Parkhaus werden 165 Parkplätze angeboten. Die Auslastung liegt bei 80 Prozent. Am Kontrolltag nutzen vor allem Lenker aus umliegenden Orten das Parkhaus, es waren aber auch Autos aus entfernteren Orten wie Birr, Bremgarten und Wohlen abgestellt.

Veloständer sind ausgelastet

Ganz ausgelastet sind die 75 Veloständer. Gemeinden und Kanton haben von der Haltestelle aus Rad- und Fusswege nach Mellingen, Fislisbach und Niederrohrdorf angelegt. Nachts sorgen Leuchten, die mit Bewegungsmeldern gesteuert werden, für Licht.

Ausser zu den Spitzenzeiten wird die Haltestelle im Stundentakt bedient. Das Ziel ist aber, dass die S3 im Halbstundentakt fährt. Die Abklärungen sind im Gange, teilt Reto Kobi vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt mit. Eine Entlastung des Heitersbergtunnels und damit Kapazität für regionale Personenzüge werden auch der Bau des Kestenbergtunnels und des Honerettunnels bringen. Beide sind Teil des Ausbaus der Ost-West-Transversale.

Bauboom ausgelöst

Für die Region wurde die Haltestelle zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor. Dank den kurzen Fahrdistanzen nach Zürich, habe sich viele Pendler hier nieder gelassen. Seit 2004 ist die Einwohnerzahl in Mellingen um 400 Personen auf 4700 gestiegen. Noch deutlicher ist die Auswirkung in Niederrohrdorf, hier leben jetzt rund 3600 Personen oder 900 mehr als im Eröffnungsjahr der Haltestelle. Mit vielen neuen Häusern wurde die Nachfrage nach Wohnraum befriedigt.