Nach jahrelanger Kontroverse steht jetzt definitiv fest: Das ehemalige Restaurant Corvino in Gebenstorf darf in ein muslimisches Vereinslokal umgebaut werden. Der Gebenstorfer Gemeinderat hat die Baubewilligung für das Islam-Zentrum vor wenigen Tagen erteilt. Im Erdgeschoss entsteht ein Gebetsraum, also die eigentliche Moschee; im Obergeschoss werden Aufenthalts-, Schulungs- und Büroräume eingerichtet. Murseli Ibraimov, Vizepräsident der islamisch-Albanischen Gemeinschaft, ist erleichtert: «Wir freuen uns riesig, dass die Baubewilligung erteilt wurde.

Das ist ein guter Tag für unseren Verein sowie auch für die Religionsfreiheit in der Schweiz.» Heute Samstagabend treffen sich die Mitglieder der Gemeinschaft in Kirchdorf, wo der Verein derzeit noch seine Moschee hat, zu einem feierlichen Nachtessen. Die Umbauarbeiten sollen nach den Sommerferien starten und ungefähr im Frühling 2017 beendet sein.

Hartnäckiger Widerstand

Es ist kein Geheimnis, dass der Gemeinderat die Baubewilligung nur mit Widerwillen erteilt hat. Ein erstes Umbaugesuch im Winter 2013 hatte die Behörde abgewiesen und dabei unumwunden zugegeben, es hätten auch «politische Gründe» zu diesem Entscheid geführt. Das muslimische Vereinslokal könnte zu einem Anziehungspunkt für Gläubige aus der Schweiz und auch aus dem Ausland werden, und hierfür seien nicht genügend Parkplätze vorhanden. Eine Umnutzung des Restaurants in ein religiöses Glaubenszentrum sei also mit den örtlichen Gegebenheiten nicht zu vereinbaren, argumentierte der Gemeinderat. Nicht zuletzt würden die Anwohner durch das muslimische Vereinslokal zurecht eine materielle Entwertung ihrer Liegenschaften befürchten.

Gegen den gemeinderätlichen Entscheid wehrte sich die islamisch-albanische Gemeinschaft mit einer Beschwerde beim Regierungsrat. Dieser stellte klar, das Islam-Zentrum müsse bewilligt werden. Das Baugesuch sei vom Gemeinderat «nicht ohne Anschein eines diskriminierenden Verhaltens» behandelt worden beziehungsweise nach politischen und nicht rechtlichen Kriterien; der Entscheid erweise sich als willkürlich.

Trotz dieser Rüge wollte sich der Gemeinderat erst noch nicht geschlagen geben. Nachdem er mit seiner Beschwerde beim Verwaltungsgericht aber abgeblitzt war, gab er im Oktober vergangenen Jahres schliesslich bekannt, auf den Gang vor Bundesgericht zu verzichten. Dass bis zur Umbaubewilligung nun ein weiteres halbes Jahr verging, liegt daran, dass die Bauherrschaft das Gesuch unter anderem betreffend Brandschutz ergänzen musste.

Murseli Ibraimov, der Vizepräsident der islamisch-albanischen Gemeinschaft, erklärte in einem az-Interview: «Ehrlich gesagt habe ich Verständnis für die Haltung des Gemeinderates. Denn vermutlich haben sich die Mitglieder gar nie die Frage gestellt, wer wir wirklich sind, und wehren sich aufgrund von Vorurteilen gegen unser Vereinslokal.» Die Befürchtung, es könnte ein überregionales Zentrum entstehen, sei unberechtigt. «Es gibt hier in der Gegend viele andere Moscheen – beispielsweise in Döttingen und Brugg; besonders diejenige in Neuenhof gefällt mir sehr. Wenn schon, gehen die Muslime vermehrt dorthin.» Er würde sich wünschen, «dass die Gebenstorfer sich in Kirchdorf umhören, wo unsere Moschee seit zwanzig Jahren steht. Hier gab es deswegen nie das geringste Problem.»