Auf der Autobahn A1 bei Wettingen gibt es oft Momente, in denen einfach gar nichts mehr geht. Auf allen drei Spuren Stillstand. Nur ganz rechts lockt dann eine Spur, die fast immer ganz frei ist: der Pannenstreifen. Wenn man auf ihm doch nur fahren dürfte!

Dieser Wunsch geht zwischen Wettingen-Ost und Dietikon in einigen Jahren in Erfüllung. Denn der Bund will auf dieser Strecke den Pannenstreifen während Spitzenzeiten für Autos freigeben. Das Bundesamt für Strassen (Astra) plant auf der Strecke eine sogenannte Pannenstreifenumnutzung, nachdem sie diese geprüft und als zweckmässig beurteilt hat, wie ein Sprecher auf Anfrage des Badener Tagblatts sagt.

So würde der Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur funktionieren.

So würde der Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur funktionieren.

Allerdings sei sie erst zweckmässig, wenn die Zürcher Nordumfahrung fertig ausgebaut ist. Gemäss aktueller Planung wird das im Jahr 2026 der Fall sein. Dann werden nochmals deutlich mehr Autos als heute die Strecke befahren.

Bis zu vier Stunden Stau pro Tag

Zwar prüft der Bund eine unterirdische Autobahn von Spreitenbach durch den Heitersberg bis zur Verzweigung Birrfeld (die AZ berichtete). Aber falls dieser überhaupt gebaut wird, dann erst irgendwann nach dem Jahr 2040. Auf dem Tisch ist auch der Ausbau der Autobahn auf acht Spuren. Doch auch dieser ist erst für das Jahr 2040 vorgesehen. Bis dann rechnet der Bund schon mit zwei bis vier Stunden Stau pro Tag auf der Strecke. Deshalb ist die Umnutzung des Pannenstreifens als Übergangsmassnahme geplant.

Die Region muss schon heute mit massivem Ausweichverkehr leben. «Wir leiden riesig», sagt Anton Möckel, parteiloser Gemeindeammann von Würenlos. «Deshalb ist es sehr positiv, dass der Bund nun den Pannenstreifen während den Stosszeiten freigeben will.» Insbesondere, wenn sich der Verkehr in Richtung Bern staut, suchten die Autofahrer den Weg durch Würenlos. Der Leidensdruck der Gemeinde ist so gross, dass der Gemeinderat sich bei der momentan laufenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO), explizit dagegen entschied, den Bahnübergang zu untertunneln. «Wir wären damit noch attraktiver für den Ausweichverkehr geworden», sagt Möckel.

Der Gemeindepräsident von Spreitenbach, Valentin Schmid (FDP), sagt: «Das liegt in der Kompetenz des Bundesamts, die Strasse wird ja nicht breiter. Aber grundsätzlich muss alles, was Entlastung bringt, angeschaut und geprüft werden.»

Eine "Pflästerlipolitik"

Ähnlich klingt es auch in Neuenhof. Gemeindeammann Susanne Voser (CVP) sagt: «Grundsätzlich begrüssen wir jegliche Massnahmen, die zur Verminderung von Ausweichverkehr dienen.» Denn dieser führe zu Staus durch Neuenhof nicht nur auf der Kantonsstrasse, sondern auch zu mehr Verkehr in den Quartierstrassen. Eine «Pflästerlipolitik» verändere die Mobilitätszukunft aber nicht nachhaltig. Schon heute müsse man andere Vorhaben diskutieren. Wie etwa über die Limmattalbahn oder Veloschnellrouten.

Vorerst soll aber der Pannenstreifen bei der Bewältigung des Staus helfen. Details zu den Veränderungen, die es auf der Strecke braucht, damit künftig Autos auf dem Pannenstreifen am Stau vorbei rollen können, liegen noch keine vor, weil das Bundesamt noch kein Projekt ausgearbeitet hat. Aber grundsätzlich braucht es bauliche Veränderungen, wenn Pannenstreifen umgenutzt werden. Oft müssen sie verbreitert werden, weil sie zu schmal sind.

Ausserdem braucht es Nothaltebuchten und ein Fahrstreifenleitsystem, das über der Autobahn anzeigt, wann der Pannenstreifen befahren werden darf. Damit es keine Unfälle mit Autos gibt, die eine Panne haben, werden die Strecken mit Kameras überwacht.