Oberrohrdorf

In Rio de Janeiro platzte der Traum – Gemeinderätin kehrt früher als geplant ins Amt zurück

Barbara Voser und ihr Mann auf der Selarón-Treppe im brasilianischen Rio de Janeiro.

Barbara Voser und ihr Mann auf der Selarón-Treppe im brasilianischen Rio de Janeiro.

Die Oberrohrdorfer Gemeinderätin Barbara Voser kehrt früher als geplant in ihr Amt zurück – die Pandemie verkürzte ihre Weltreise.

Erst seit Kurzem hat Barbara Voser wieder festen Boden unter den Füssen. Zuvor durchlebte die Oberrohrdorfer Gemeinderätin turbulente Wochen. Zusammen mit ihrem Mann stach sie Anfang Januar mit dem Kreuzfahrtschiff «MS Insignia» in See. Ursprünglich geplant war eine 180-tägige Reise einmal rund um den Erdball, für welche die Vorsteherin des Finanz-Ressorts um eine Auszeit ersucht hatte. Erreicht haben Voss und ihr Mann aufgrund der Coronakrise letztlich aber nur ein paar Destinationen in Zentral- und Südamerika.

Bereits früh bekamen die Passagiere den Ernst der Lage zu spüren. Mehrmals wurde die Reiseroute geändert. Schnell war das geplante Andocken in China kein Thema mehr. Mit der prekärer werdenden Lage mussten gar sämtliche Aufenthalte im asiatischen Raum gestrichen werden. Stattdessen wurde in kurzer Zeit eine neue Route via Australien geplant. «Die Reederei hat immer sehr zügig auf die Situation reagiert und dementsprechend die Route angepasst», sagt Voser.

Doch irgendwann half alle noch so gute Planung nicht mehr weiter. In Rio de Janeiro war auf einmal Schluss. Immer mehr Häfen wurden dichtgemacht, eine Weiterreise verunmöglicht. In Absprache mit anderen Kreuzfahrtgesellschaften entschied sich «Oceania Cruises» dazu, die Reise abzubrechen. Auch wenn die Stimmung vor Ort nie von Angst geprägt war, machten sich einige der insgesamt 680 Passagiere schon zuvor Gedanken über eine Heimreise. Anders war dies bei Voser und ihrem Ehemann. «Natürlich haben wir das Ganze mitverfolgt. Aber wir haben uns auf dem Schiff stets sicher gefühlt. Es ist der beste Ort, an dem man in so einem Moment sein kann», sagt sie. So brachen am Tag der Abreise dann auch alle Dämme. Auf einmal platzte der lange gehegte Traum. «Es sind bei allen Passagieren Tränen geflossen. Man ist auf engem Raum beisammen und wächst schnell zusammen. Auf diese Weise teilt man auch die Enttäuschung miteinander», so die FDP-Politikerin.

Hygienemassnahmen in Rio und Zürich nicht gleich

Nach dem jähen Ende der Reise ging es für das Ehepaar am 15. März von Rio nach London, von dort aus wiederum nach Zürich. Überrascht haben Voser die ungleichen Hygienemassnahmen. Während in Südamerika überall Fieber gemessen wurde, vermisste Voser eine derartige Handhabung in Zürich. «Uns hat es irritiert, dass sich niemand nach unserer Reiseroute oder unserem gesundheitlichen Zustand erkundigt hat. Südamerika ist uns in dieser Hinsicht einen Schritt voraus», sagt die 45-Jährige.

So begab sich das Ehepaar schliesslich freiwillig in Quarantäne. Nachdem klar wurde, dass sich die Lage nicht allzu schnell ändern wird, entschied sie sich dazu, ihre Auszeit früher als geplant zu beenden. Seit dieser Woche ist sie wieder als Hypothekenberaterin im Einsatz, ihre erste Gemeinderatssitzung hatte sie bereits Anfang Mai. Diese wurde vom Gemeinderatszimmer in die Zähnteschüür verlegt. Auch sonst war alles recht ungewohnt, die sonst obligate überschwängliche Begrüssung nach den Ferien fiel damals weg. Dennoch kann Voser dem Ganzen etwas abgewinnen. «Es ist eine spannende Zeit. Das Ganze hat die Gesellschaft entschleunigt. Die Erwartungshaltung hat sich seither schon geändert», sagt sie.

Noch immer hält sie mit vielen Mitpassagieren Kontakt, regelmässig tauscht man sich über die Entwicklungen in den verschiedenen Ländern aus. Der Optimismus, einander zeitnahe wieder treffen zu können, sei bei vielen da. Trotzdem wird eine derart grosse Reise so schnell nicht mehr möglich sein. «Am liebsten würde ich morgen schon wieder los. Aber man muss realistisch sein. Wir werden die Länder sicherlich irgendwann in einer anderen, verkürzten Form bereisen», sagt sie.

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