Spreitenbach

«In der Schweiz wird man nie allein gelassen» – Alleinerziehende Mutter ist dankbar über Caritas-Hilfe

Die Spreitenbacherin Diana Milai wird von Sozialarbeiterin Socorro Zimmerli (r.) betreut.

Die Spreitenbacherin Diana Milai wird von Sozialarbeiterin Socorro Zimmerli (r.) betreut.

Caritas Aargau unterstützt armutsbetroffene Menschen wie Diana Milai aus Spreitenbach. Der Grossteil der Betroffenen habe Migrationshintergrund und brauche wegen mangelnder Deutschkenntnisse Unterstützung.

Diana Milai ist 37 Jahre alt und lebt in Spreitenbach. Die alleinerziehende Mutter eines 17-jährigen Sohnes hat sich beim kirchlichen Sozialdienst (KRSD) der Region Baden, ein Angebot von Caritas Aargau, gemeldet, weil sie nicht mehr weiterwusste. Seit dem 13. März muss sie ihren kleinen Laden, den sie in Zürich führt und der sie und ihren Sohn bis anhin knapp über Wasser hielt, geschlossen halten.

Damit ist der Portugiesin die Existenzgrundlage weggebrochen, bereits zum zweiten Mal in ihrem Leben. Als sie vor sieben Jahren mit ihrem Sohn zu ihrer Mutter in die Schweiz zog, arbeitete sie erst als Reinigungskraft, erkrankte aber an einer Form von Rheuma und musste beruflich umsatteln. Bereits damals erhielt sie Unterstützung durch Caritas Aargau. In der Coronakrise sei nun aber alles noch belastender: «Ich habe mich noch nie in einer solch schlimmen Situation befunden wie jetzt», lässt sie von Sozialarbeiterin Socorro Zimmerli über­setzen, die sich um die spa­nisch- und portugiesischsprachige Klientel kümmert. Milai gehört zur wachsenden Anzahl an Menschen, die sich in der jetzigen Zeit an Caritas wenden, weil sie nicht mehr weiterwissen.

Von der Bürokratie überfordert

«Nach dem Lockout erhielten wir zuerst fast keine Anrufe mehr», sagt Emil Inauen, Bereichsleiter KRSD bei Caritas Aargau. «Als ob die Menschen in eine Art Schockstarre gefallen sind.» Nun nähmen die Anfragen wieder zu und die meisten drehen – nicht überraschend – um Fragen zur Coronakrise. Viele Menschen seien mit der Bürokratie überfordert. Zwei Drittel der Klientel habe einen Migrationshintergrund und brauche wegen mangelnder Deutschkenntnisse Unterstützung.

So spricht auch Milai nur wenig Deutsch, weshalb Sozialarbeiterin Zimmerli gemeinsam mit ihr Dokumente ausfüllt, unter anderem die Anmeldung für die Corona-Ausfallsentschädigung bei der Sozialversicherungsanstalt, um ein zinsloses Darlehen zu erhalten. Sozialhilfe will Milai nicht beantragen, obwohl sie im Moment im Moment auch die Miete für ihren Laden in Zürich nicht bezahlen kann. «Wir haben sie aber mit kleineren Beiträgen finanziell unterstützt», sagt Zimmerli. Bereits vor der Krise konnte Caritas Aargau Beiträge sprechen, doch neu erhält die Organisation zusätzlich noch Geld aus der Spendenaktion der Glückskette. Maximal 1000 Franken gibt es pro Fall. Trotzdem gehe es den meisten Klienten nicht nur um finanzielle Hilfe.

Auch Milai nicht. Sie benötigte einerseits administrative, aber auch moralische Unterstützung. Sie schämt sich nicht, Hilfe geholt zu haben. Es dauerte jedoch etwas, bis sie sich aufraffen konnte, sich zu melden. «Ich hatte vorher viele schwarze Tage, aber nun fühle ich mich besser.» Sie versuche, positiv zu bleiben: «Schon meinem Sohn zuliebe.» Sie sehe den Rückzug der Menschen in ihrer Nachbarschaft, dabei sei es schwierig, zu sehen, ob jemand nicht doch dringend Hilfe benötige. Deshalb ihr Appell: «Niemand sollte sich schämen, Hilfe zu holen. Das Schöne an der Schweiz ist doch, dass man nie alleine gelassen wird.»

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