«Es gibt drei gute Gründe, ein Konzert des Stella Maris Orchestra zu besuchen», stellte Vereinspräsident Roland Wächter gleich zu Beginn des Abends fest: Die in der Schweiz einzigartige Verbindung von Profis und Amateuren im selben Orchester, dann das besondere Programm und die zeitgetreue Umsetzung, spielen die 43 Musiker des Orchesters doch mit Instrumenten, die zu Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri gebräuchlich waren. Die Streichinstrumente tönten damals anders und die Trompeten hatten noch keine Klappen. «Die Musiker müssen alles mit dem Mund machen», erklärte Wächter. Am deutlichsten hörbar werde der Unterschied aber beim Klarinettensolo.

Die Klarinette, die damals im 18. Jahrhundert eine Neuerscheinung war, spielte denn auch die zentrale Rolle im Konzert. Drei Stücke führte das Stella Maris Orchestra in der Klosterkirche in Wettingen auf, davon zwei von Mozart und eines von Salieri. Bei Mozarts zweitem Werk zum Beispiel stand Profi-Klarinettenspieler Francesco Spendolini im Saal sogar noch vor dem Dirigenten Cristoforo Spagnuolo und führte das Orchester musikalisch wie eben auch optisch an. Anders als bei Mozarts erstem Stück, als die Violine im Vordergrund stand.

Geschmeidiges Harfenspiel

Besonders waren bei diesem Werk auch das schöne, geschmeidige Harfenspiel und die Abwechslung zwischen leisen und lauten Tönen. Diese sensiblen Wechsel kamen in der Akustik der Klosterkirche Wettingen wunderbar zur Geltung. Zudem war die Symphonie teilweise bestückt mit kurzen, fast witzigen melodiösen Einlagen – kurze Genie-Wahnsinns-Eingebungen, wie man sie sich als Laie von Mozart so vorstellt.

Mozarts ausgeklügelte Musik lässt sich denn auch als Nicht-Musiker durchaus geniessen. Oder wie er selber in einem Brief an seine Gattin schrieb: «In meiner Oper ist Musik für aller Gattung Leute, ausgenommen für lange Ohren nicht.» Diese und weitere vertiefende Informationen konnte man dem Programmheft entnehmen. Dort war nicht zuletzt auch erklärt und belegt, dass der fromme, ernste Hofkapellmeister Salieri Mozart gar nicht aus Neid vergiftet haben kann, wie im bekannten Spielfilm «Amadeus» erzählt wird. In weiteren Briefen an seine Gattin nämlich beschreibt Mozart Salieris neidlose Begeisterung und freundschaftliche Vertrautheit. Salieri war nicht nur Mozarts Konkurrent, sondern auch sein Förderer, dessen Werke er gerne dirigierte.

Als Gegenüberstellung der beiden Musiker spielte das Orchester dann im dritten Teil des Abends 26 Variationen von Salieris «Folia», von dem Vereinspräsident Roland Wächter noch im Voraus gewarnt hatte, nach dem Konzert bliebe die Grundmelodie allen Zuhörern als Ohrwurm hängen. Am Schluss war dem aber gar nicht so: Die Variationen waren derart vielfältig, dass man gar nie das Gefühl hatte, ständig Wiederholungen zu hören.